Antibiotikaresistenzen: Gemeinsam stark gegen Keime

Multiresistente Keime sind weit verbreitet. Insbesondere für immungeschwächte Menschen können sie sehr gefährlich werden. Die Bundesregierung fördert daher eine Strategie, die die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen verhindern soll.

Antibiotika retten Leben. Doch wie lange noch? Der hohe Antibiotikagebrauch der vergangenen Jahrzehnte hat dazu geführt, dass immer mehr Bakterienstämme Resistenzen bilden. Mit fatalen Folgen: Allein in Europa sterben, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, jährlich rund 25.000 Menschen an Infektionen, die durch resistente Keime verursacht werden.

Mikrobielle Resistenzen gehörten daher auch zu den Schwerpunkthemen der deutschen G7-Präsidentschaft 2015. Bereits ein Jahr später, im Rahmen der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung in Genf, hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe über erste Erfolge der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie, „DART 2020“, berichtet. Sie ist von den Beratungen der G7-Gipfel geprägt.

Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie verfolgt das Ziel, die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu verhindern. Zudem dient sie dem Zweck, die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und schnellerer Testverfahren zu stärken. „DART 2020“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Forschung für neue Strategien

Forschung ist hierbei ein zentraler Ansatz. Denn um Resistenzen zu vermeiden, müssen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst verstehen, wie sich diese bilden und verbreiten. Nur so können wirksame Strategien entwickelt werden, die der steigenden Resistenzbildung entgegenwirken. Gleichzeitig müssen aber auch neue, wirksame Antibiotika entwickelt werden, gegen die vor allem die zunehmend auftretenden multiresistenten Erreger wehrlos sind.

Diese biomedizinische Grundlagenforschung fördert das Bundesforschungsministerium nachhaltig an zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland, wie dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig mit dem Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland. Auch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung beschäftigt sich mit antibiotikaresistenten Bakterien und der Suche nach neuartigen Wirkstoffen. Darüber hinaus fördert das BMBF seit dem Jahr 2015 gezielt einzelne Projekte. Ein Beispiel hierfür ist das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Sepsis und Sepsisfolgen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Jena widmen sich den Problemen von Blutvergiftungen, die durch resistente Bakterien verursacht werden.

Schutz für Mensch und Tier

Nicht nur Menschen können Träger der gefährlichen Keime sein. Auch in landwirtschaftlichen Betrieben können resistente Bakterienstämme auftreten. Da Menschen und Tiere dabei oft von den gleichen Erregern infiziert und mit den gleichen Antibiotika behandelt werden, sind diese Bakterien auch für den Menschen gefährlich. Fachleute sprechen in diesem Fall von Zoonosen – von Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Um Antibiotikaresistenzen effektiv bekämpfen zu können, müssen daher die Akteure aus der Human- und der Tiermedizin, der Landwirtschaft, dem Lebensmittelsektor und aus dem Umweltbereich eng zusammenarbeiten – im sogenannten „One-Health“-Ansatz.

Eine enge Vernetzung von Human- und Tiermedizin hat das BMBF bereits durch die Förderinitiative zu „Zoonotischen Infektionskrankheiten“ angestoßen. Hierbei beschäftigen sich zwei Forschungsverbünde ausschließlich mit Fragen der Antibiotikaresistenz bei den Bakterien, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Innerhalb dieser Thematik wird seit 2009 zur Koordination und Vernetzung eine Nationale Forschungsplattform für Zoonosen gemeinsam vom BMBF, BMG und BMEL getragen.

Um den One-Health-Ansatz weiter auszubauen, wurde die im Jahr 2006 geschlossene Forschungsvereinbarung zu Zoonosen Anfang des Jahres zwischen den drei Ministerien erneuert und um das Bundesministerium der Verteidigung erweitert. Ziel ist es, Forschung und Entwicklung zu unterstützen, die sich eng an den Anforderungen der Praxis orientieren. Daher hat das Bundesforschungsministerium Mitte Februar eine Richtlinie zur Förderung eines „Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“ veröffentlicht. Die interdisziplinär aufgestellten Verbünde sollen möglichst die Human- und Veterinärmedizin sowie Umwelt- und Lebensmittelaspekte, aber auch die jeweilige öffentliche Gesundheitsverwaltung einbeziehen.

Gemeinsame Strategien über Grenzen hinweg

Eine enge Zusammenarbeit darf aber nicht nur auf nationaler, sondern muss auch auf internationaler Ebene erfolgen. Denn die resistenten Keime breiten sich weltweit aus. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat sich das BMBF mit 21 anderen Staaten zur „Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance (JPIAMR)“ zusammengeschlossen. Zudem hat das Bundesforschungsministerium eine Richtlinie zur Förderung von multinationalen Projekten veröffentlicht, um gegen die Übertragung von Antibiotika-Resistenzen auch international anzugehen.

Außerdem startete auf europäischer Ebene bereits Anfang 2015 das Programm „New Drugs 4 Bad Bugs“ der Innovative Medicines Initiative (IMI). Durch die Partnerschaft von Industrie und Hochschulen in Europa sollen neue Ansätze für die klinische Forschung geschaffen und innovative antibakterielle Wirkstoffe für den Menschen entwickelt werden, die gegen Antibiotika-resistente Krankheitserreger wirken.

Um die Entwicklung neuer Wirkstoffe, die für die Therapie der resistenten Erreger dringend benötigt werden, zu beschleunigen, bedarf es einer verstärkten Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Daher hat sich die Unterarbeitsgruppe „Antibiotika“ des Pharmadialogs der Bundesregierung dieser Aufgabe gewidmet. Die Dialogpartner aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft haben sich in den letzten eineinhalb Jahren mit den Herausforderungen der pharmazeutischen Industrie in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion und Versorgung beschäftigt. Der Bericht zu den Ergebnissen des Pharmadialogs wurde Mitte April vom BMG, BMBF und Bundesministerium für Wirtschaft und Energie veröffentlicht.