Armutsbegünstigte Krankheiten

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden an vernachlässigten und armutsbegünstigten Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder der Schlafkrankheit.


Der Kampf gegen Tropenkrankheiten

Karte Afrika

Die BMBF-geförderten Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika

Tropenkrankheiten als Folge unzureichender Gesundheitssysteme

An der Malaria sterben noch immer viele Menschen. Doch die Forschungsergebnisse lassen hoffen. © Thinkstock

Schlechte Lebensbedingungen, mangelnder Zugang zu gesunder und ausreichender Nahrung, sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung oder Bildung: Diese Umstände fördern die Ausbreitung von Infektionen, die als „armutsbegünstigte“ Krankheiten bezeichnet werden. Zu ihnen gehören sowohl Infektionen, die in den Industrieländern heilbar oder zumindest beherrschbar sind, wie beispielsweise die sogenannten "großen Drei" – HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria – aber auch Durchfallerkrankungen und bakteriell hervorgerufene Lungenentzündungen. Hinzu kommen die „vernachlässigten“ Infektionskrankheiten, die vor allem in den armen Ländern tropischer Gebiete ein großes Problem darstellen. Gründe dafür sind unzureichend ausgebaute Gesundheitssysteme und mangelnde Hygienestandards.

Weder Therapie noch Impfung

HIV, Malaria und Tuberkulose sind die bedrohlichsten armutsbedingten Krankheiten. Sie verursachen über 95 Prozent der verzeichneten Todesfälle und machen rund 90 Prozent der Krankheitslast aus.

Für alle diese Krankheiten gilt: Es gibt hohen Bedarf für neue, effiziente und nebenwirkungsarme Medikamente und Impfstoffe, die unter den besonderen Bedingungen in Entwicklungsländern einsetzbar sein müssen. Hoher logistischer Aufwand an Lagerung und Transport (z.B. Tiefkühlketten) muss vermieden werden. Die für die neuen Medizinprodukte notwendigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sind kostenintensiv. Aufgrund der Armut der Betroffenen können diese Kosten aber nicht durch hohe Preise finanziert werden. Für die forschende Pharmaindustrie fehlt daher der nötige wirtschaftliche Anreiz. Die Folge: seit Jahrzehnten sind kaum neue Medikamente gegen diese Krankheiten erforscht und entwickelt worden. Es braucht daher öffentliche Investitionen für die dringend benötigten Forschungsarbeiten. Die Industrienationen tragen hier eine besondere Verantwortung.

Die G7-Staaten haben den Infektionskrankheiten, die überwiegend die ärmsten Bevölkerungsgruppen betreffen, immer besondere Bedeutung beigemessen und wiederholt auf ihre Agenda gesetzt. Während der deutschen G7-Präsidentschaft 2015 waren die vernachlässigten und armutsbegünstigten Krankheiten ein Schwerpunktthema. Auf dem G20-Gipfel in Hamburg 2017 wurde nochmals betont, dass der Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen sowie die Verbesserung des globalen Gesundheitskrisenmanagements auch in Zukunft zu den Prioritäten der Bundesregierung zählen wird.

Verantwortung übernehmen

Besonders die Forschung zu diesen Krankheiten steht neben der globalen Gesundheits- und Entwicklungspolitik im Mittelpunkt. Das Bundesforschungsministerium hat mit dem Förderkonzept "Globale Gesundheit im Mittelpunkt der Forschung" 2015 seine Förderstrategie weiterentwickelt. Sie baut auf folgenden vier Säulen auf:

Stärkung der nationalen Forschung: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)

Das Bundesforschungsministerium stärkt auch die deutsche Forschungsszene im Bereich der vernachlässigten und armutsbegünstigten Erkrankungen. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Zusammenarbeit mit Partnern aus den betroffenen Ländern nachhaltig ausgebaut wird. Am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) hat daher der Kampf gegen vernachlässigte und armutsbegünstigte Krankheiten hohe Priorität. Gleich vier Arbeitsgruppen erforschen zusammen mit Partnerstandorten in Afrika neue Therapie- und Präventionsmöglichkeiten für HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose und weitere Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Ebola.

Beteiligung an internationalen Initiativen zur Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Diagnostika: Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs)

Ein wichtiger Baustein des Förderkonzepts ist die Unterstützung von Produktentwicklungspartnerschaften (engl. Product Development Partnerships), kurz PDPs. Das sind Non-Profit- Organisationen, die Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika für vernachlässigte Erkrankungen entwickeln. PDPs werden durch öffentliche und private wohltätige Geldgeber finanziert. Gegenwärtig fördert das Ministerium sechs PDPs. Der Schwerpunkt der PDPs liegt auf vernachlässigten und armutsbegünstigten Infektionskrankheiten sowie auf neuen bzw. wiederkehrenden Infektionskrankheiten mit besonderer Bedeutung für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Unterstützung klinischer Studien zu armutsassoziierten Krankheiten und vernachlässigten Tropenkrankheiten: EDCTP

Das Ministerium beteiligt sich auch an der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership, kurz EDCTP. Das ist eine Forschungsinitiative der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen und afrikanischen Partnerländern. Seit der Gründung im Jahre 2003 unterstützt EDCTP gezielt die klinische Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika zu HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose. Seit 2014 auch zu weiteren armutsbegünstigten Infektionskrankheiten.

Aufbau von Forschungskapazitäten: Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika

Mit der Förderinitiative "Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika" verstärkt das BMBF zudem sein Engagement für eine intensive Zusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Forscherinnen und Forschern. Neben exzellenter Forschung an aktuellen Gesundheitsproblemen der afrikanischen Partnerländer, sollen die Netzwerke zudem zu einer besseren akademischen Ausbildung und zum gezielten Ausbau von Forschungskapazitäten in Afrika beitragen.

Armutsbegünstigte und vernachlässigte Krankheiten

Die WHO unterscheidet zwischen armutsbegünstigten Krankheiten und vernachlässigten Tropenkrankheiten. Zu den armutsbegünstigten Krankheiten gehören beispielsweise Cholera, HIV, Malaria, Masern, Keuchhusten, Polio und Tuberkulose.
Zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten zählen Krankheiten wie zum Beispiel Bilharziose, Ebola, Lepra oder auch Tollwut.

Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI)

Im Fall von Epidemien mangelt es oft an Impfstoffen, die zur Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten notwendig sind. Die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“, kurz  CEPI, ist eine Initiative, die 2017 ins Leben gerufen wurde, um Impfstoffe gegen Erreger zu entwickeln, die potentiell zu Epidemien führen könnten. Dass es an notwendigen Impfstoffen mangelt liegt unter anderem daran, dass Unternehmen der Pharmaindustrie oft keinen Anreiz darin sehen, die hohen Entwicklungskosten für Impfstoffe zu tragen, die unter Umständen niemals, oder nur in begrenztem Umfang eingesetzt werden. Durch die öffentlich-private Partnerschaft zwischen Staaten, Stiftungen und Unternehmen der pharmazeutischen Industrie sollen Impfstoffe so weit entwickelt und produziert werden, dass sie im Falle einer Epidemie sofort einsatzbereit sind.

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