Armutsbedingte Krankheiten

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden an vernachlässigten und armutsbegünstigten Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder Ebola. Wie man diese Krankheiten weltweit bekämpfen kann, ist immer wieder ein Thema der G7-Wissenschaftsministertreffen.


Der Kampf gegen Tropenkrankheiten

Karte Afrika

ANDEMIA

Das Netzwerk dient der Erforschung, Erkennung, Behandlung und Prävention akuter Atemwegs- und gastrointestinaler Infektionen sowie akuter fieberhafter Erkrankungen mit unbekannter Ursache. Dazu werden Forschungskapazitäten geschaffen, die Diagnostik verbessert und Behandlungsmethoden angepasst bzw. etabliert.

CEBHA+

Das Netzwerk erhebt und analysiert versorgungsrelevante Daten zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auf dieser Grundlage werden Versorgungsrichtlinien entwickelt, die in die Gesundheitssysteme der afrikanischen Partnerländer integriert werden können. . Hierzu ist der langfristige Ausbau von Forschungskapazitäten vorgesehen.

CYSTINET-Africa

Das Netzwerk untersucht die Schweinebandwurm-Erkrankung, besonders den Befall des Nervensystems durch die Parasiten. Dieser ist die häufigste Ursache für Epilepsien in Afrika. Human- und Veterinärmedizin erarbeiten gemeinsam präventive, diagnostische und therapeutische Maßnahmen sowie Behandlungsrichtlinien für den Einsatz in den afrikanischen Partnerländern.

TAKeOFF

Das Netzwerk erforscht die lymphatische Filariose, eine parasitäre Wurmerkrankung. Der Fokus liegt dabei auf der Durchführung und Harmonisierung klinischer Studien. Ziel ist, eine gemeinsame Plattform für Forschung und Versorgung aufzubauen, um nationale Therapieprogramme langfristig zu verbessern.

TB-Sequel

Das Netzwerk untersucht Langzeitfolgen von Tuberkulose mit Blick auf die Betroffenen, deren Familien, die Gesellschaft und die öffentliche Gesundheit. Ziel des Projekts ist es, Wissenslücken zu den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Tuberkulose zu füllen, und damit langfristig den Behandlungserfolg zu verbessern.

Die BMBF-geförderten Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika

Tropenkrankheiten als Folge schlecht funktionierender Gesundheitssysteme

An der Malaria sterben noch immer viele Menschen. Doch die Forschungsergebnisse lassen hoffen. © Thinkstock

Schlechte Lebensbedingungen, mangelnder Zugang zu gesunder und ausreichender Nahrung, sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung oder Bildung: Diese Umstände fördern die Ausbreitung von Infektionen, die als „armutsassoziierte“ Krankheiten bezeichnet werden. Zu ihnen gehören sowohl Infektionen, die in den Industrieländern heilbar oder zumindest beherrschbar sind, wie beispielsweise die sogenannten "großen Drei" – HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria – aber auch Durchfallerkrankungen und bakteriell hervorgerufene Lungenentzündungen. Hinzu kommen die „vernachlässigten“ Infektionskrankheiten, die vor allem in den armen Ländern tropischer Gebiete ein großes Problem darstellen. Gründe dafür sind schlecht funktionierende Gesundheitssysteme und mangelnde Hygienestandards.

Weder Therapie noch Impfung

HIV, Malaria und Tuberkulose sind die bedrohlichsten armutsbedingten Krankheiten. Sie verursachen über 95 Prozent der verzeichneten Todesfälle und machen rund 90 Prozent der Krankheitslast aus.

Für manche dieser Krankheiten gibt es weder Therapie noch Impfung. Ebola ist hier nur ein Beispiel. Für andere dieser Krankheiten gibt es zwar Behandlungsmöglichkeiten aber  die vorhandenen Medikamente und Impfstoffe haben oft starke Nebenwirkungen. Oder sie können unter den besonderen Bedingungen in Entwicklungsländern nicht oder nur unzureichend eingesetzt werden. Die Folge ist: Viele Betroffene sterben, oder leiden lebenslang unter den Krankheitsfolgen. Mangels wirtschaftlichen Interesses sind seit Jahrzehnten kaum geeignete Medikamente gegen diese Krankheiten erforscht und entwickelt worden. Dieser Teufelskreis zwischen Armut und Krankheit kann nur mithilfe weltweiter Anstrengungen aller Länder durchbrochen werden. Die Industrienationen tragen hier eine besondere Verantwortung.

Weltweit sind im Jahr 2012 mehr als 3 Millionen Menschen an vernachlässigten und armutsbedingten Krankheiten gestorben.

Die G7-Staaten haben den Infektionskrankheiten, die überwiegend die ärmsten Bevölkerungsgruppen betreffen, immer besondere Bedeutung beigemessen und wiederholt auf ihre Agenda gesetzt. Die Vereinten Nationen wollten die Armut bis 2015 halbieren, dafür sind im Jahr 2000 acht konkrete Ziele genannt worden, die sogenannten Milleniumsentwicklungsziele. Doch trotz großer Anstrengungen und erkennbarer Fortschritte sind diese Ziele noch nicht alle erreicht. Während der deutschen G7-Präsidentschaft 2015 waren die vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten deshalb ein Schwerpunktthema.

Verantwortung übernehmen

Besonders die Forschung zu diesen Krankheiten steht neben der globalen Gesundheits- und Entwicklungspolitik im Mittelpunkt. Das Bundesforschungsministerium hat mit dem Förderkonzept "Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten" bereits 2011 seine Förderstrategie vorgestellt und seitdem weiterentwickelt. Sie baut auf folgenden Säulen auf:

Unterstützung von Produktentwicklungspartnerschaften

Ein wichtiger Baustein des Förderkonzepts ist die Unterstützung von Produktentwicklungspartnerschaften, kurz PDPs. Das sind Non-Profit- Organisationen, die Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika für vernachlässigte Erkrankungen entwickeln. PDPs werden durch öffentliche und private wohltätige Geldgeber finanziert. Gegenwärtig fördert das Ministerium vier PDPs. Die Förderung konzentriert sich vor allem darauf, Produkte zu entwickeln, die die Kindersterblichkeit senken und die Gesundheit der Mütter verbessern.

Nationale Förderung

Das Bundesforschungsministerium stärkt auch die deutsche Forschungsszene im Bereich der vernachlässigten und armutsassoziierten Erkrankungen. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Zusammenarbeit mit Partnern aus den betroffenen Ländern nachhaltig ausgebaut wird. Am Deutschen Zentrum für Infektionskrankheiten hat daher der Kampf gegen vernachlässigte und armutsbedingte Krankheiten hohe Priorität. Gleich vier Arbeitsgruppen erforschen zusammen mit Partnerstandorten in Afrika neue Therapie- und Präventionsmöglichkeiten für HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose und weitere Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Ebola.

Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika

Mit der Förderinitiative zur Unterstützung von "Forschungsnetzen für Gesundheitsinnovationen in Sub-Sahara Afrika“ verstärkt das BMBF zudem sein Engagement für eine intensive Zusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Forschern. Neben exzellenter Forschung an aktuellen Gesundheitsproblemen der afrikanischen Partnerländer sollen die Netzwerke zudem zu einer besseren akademischen Ausbildung und zum gezielten Ausbau von Forschungskapazitäten in Afrika beitragen.

Das Ministerium beteiligt sich auch an der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership, kurz EDCTP. Das ist eine Forschungsinitiative der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen und afrikanischen Partnerländern. Seit der Gründung im Jahre 2003 unterstützt EDCTP gezielt die klinische Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika zu HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose. Seit 2014 auch zu weiteren armutsassoziierten Infektionskrankheiten.

Von A bis Z: Die armutsbedingten Krankheiten im Überblick

Malaria, Leishmaniose, HIV, Dengue, Chagas, Buruli Ulkus, Bilharziose (Schistosomiasis), Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit), Dracunculose (Guinea- oder Medinawurm), Ebola, Echinokokkose, Helminthiasis, Lymphatische Filariose (Elephantiasis), Flussblindheit (Onchozerkose)