Aufbruch in Asien

Forschungsprojekt zur Rolle von Frauen in Delhi und Shanghai gestartet / Wanka: „Wichtiger Beitrag zum Verständnis von Kulturen“

Frauen können ihr Leben alleine gestalten und sich frei und sicher im öffentlichen Raum bewegen. Das ist – nach westlichem Verständnis – eine elementare Grundlage für die individuelle Freiheit und Lebensführung aller Menschen. Wie das Bild der alleinstehenden Frau in den asiatischen Megastädten Delhi (Indien) und Shanghai (China) ist und welchem Wandel es unter dem Einfluss der Globalisierung unterliegt, das untersucht der neue internationale Forschungsverbund „Creating the ‚New’ Asian Woman: Entanglements of Urban Space, Cultural Encounters and Gendered Identities in Shanghai and Delhi“ (SINGLE). Er wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. Unter deutscher Leitung sind daran auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler britischer und niederländischer Universitäten beteiligt, sowie Organisationen und Partner vor Ort, wie zum Beispiel die Universität in Delhi. Gemeinsam gehen sie unter anderem den Fragen nach, welches Selbstverständnis Frauen im heutigen urbanen Indien haben und an welche sichtbaren und unsichtbaren Grenzen sie dabei stoßen.

„Diese hochaktuellen Fragen zeigen: Geisteswissenschaftliche Forschung steht mitten im Leben. Sie will verstehen, was Selbstbestimmung für Frauen in der Gegenwart der asiatischen Megacities bedeutet, und wie die Frauen vor dem Hintergrund der Traditionen und unter dem Eindruck westlicher Modelle eigene Lebensentwürfe behaupten. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein Verständnis von und eine Verständigung zwischen Kulturen“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Mit der Wirtschaftsliberalisierung in China und Indien sind ‚Global Cities’ wie Shanghai und Delhi zu Flaggschiffen für Fortschritt, Aufstieg und Internationalisierung geworden.
Globale, regionale und nationale Faktoren bewirken sozialen und Wertewandel. Neue Räume, öffentlich wie privat, erlauben auch neue Lebensentwürfe und Lebensläufe für Frauen. Neue Vorstellungen von weiblicher Präsenz und Teilhabe entstehen, zum Beispiel die alleinerziehende Mutter oder die kosmopolitische Karrierefrau. Welches Maß an Eigenständigkeit einer alleinstehenden Frau möglich ist, ist ein Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklung. Allerdings wäre es falsch, dabei allein westliche Vorstellungen von Freiheit zur Grundlage zu machen. Das Projekt untersucht, in welchem Zusammenhang diese Entwicklungen mit europäisch oder nordamerikanisch geprägten Ideen von Urbanität oder Partizipation stehen.

Im Mittelpunkt dieser Forschungen stehen die drei Aspekte Autonomie, Ansehen und Verletzbarkeit im Leben alleinstehender Frauen unterschiedlicher Altersstufen und sozialer Klassen. Sie werden anhand ethnografischer Methoden, Diskurs- und Bildanalyse, Feldforschung untersucht. Die erarbeiteten Materialien über weibliche Lebensverhältnisse werden digital aufbereitet und der Forschung wie auch der Öffentlichkeit im Netz zur Verfügung gestellt („digital humanities“). Eine online-Galerie mit Interviews, Kunstwerken und filmischen Darstellungen soll ein internationales Publikum ansprechen.

Der Forschungsverbund SINGLE wird vom BMBF mit 530.000 Euro unterstützt, die an die deutsche Projektleiterin Prof. Christiane Brosius von der Universität Heidelberg fließen. Insgesamt steht dem Verbund fast eine Million Euro zur Verfügung. Er ist Teil des internationalen Förderschwerpunktes „Cultural Encounters“ (Kulturelle Verflechtungen), den das BMBF mit insgesamt 4,2 Millionen Euro unterstützt.

Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.asia-europe.uni-heidelberg.de/de/aktuelles/nachrichten/detail/m/hera-funding-for-christiane-brosius.html