Automatisiertes Fahren muss angenehm sein

Zu schnell in die Kurve? Der Erfolg des automatisierten Fahrens hängt auch davon ab, ob die Nutzer das Fahrerleben als komfortabel und positiv empfinden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Chemnitz untersuchen, was genau dazu beiträgt.

Sicher und komfortabel: ein Wissenschaftler der TU Chemnitz in einem automatisierten Auto © Matthias Beggiato

Automatisierte Fahrzeuge müssen intuitiv bedienbar und komfortabel nutzbar sein. Daher sollten sie sich je nach Situation individuell an das Komfort- und Sicherheitsempfinden der Nutzer anpassen.

Sensoren prüfen: Was empfindet der Nutzer als angenehm?

Hier setzt das Projekt „KomfoPilot“ der Forscher der Technischen Universität Chemnitz an. Sie entwickeln gemeinsam mit der SensoMotoric Instruments GmbH und der FusionSystems GmbH ein neuartiges Assistenzsystem, das für ein positives Fahrerleben sorgen soll. Mit Hilfe von Sensoren werden vielfältige Informationen über den aktuellen Zustand des Fahrzeugs sowie des Umfelds erfasst und ausgewertet. Zudem wird geprüft: Wie geht es dem Nutzer? Was empfindet er als angenehm?

Größere Fahrzeugabstände, sanfter bremsen

Je nach Fahrsituation versuchen die Wissenschaftler den Fahrstil des automatisierten Autos so anzupassen, dass sich das Fahrerleben des Nutzers spürbar verbessert. Dazu gehört auch, dass dem Nutzer wichtige Informationen besser angezeigt werden. So können zum Beispiel im dichten Berufsverkehr Fahrzeugabstände vergrößert, Bremsvorgänge sanfter und früher eingeleitet sowie detailliertere Informationen über geplante Fahrmanöver angezeigt werden. Es wird untersucht, wie diese  automatischen Anpassungen auf den Fahrer wirken - sowohl im Fahrsimulator als auch im echten Auto.

Förderung des Bundesministeriums

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt im Rahmen der Förderbekanntmachung „Mensch-Technik-Interaktion für eine intelligente Mobilität: Verlässliche Technik für den mobilen Menschen“ mit rund 1,2 Millionen Euro.
 

Dieses Projekt "KomfoPilot" folgt auf das Projekt "DriveMe". Dabei versuchten die Chemnitzer Forscher  herauszufinden, welcher Fahrstil überhaupt als komfortabel und angenehm empfunden wird.

Geschwindigkeit ist nicht allein entscheidend

Im Fahrsimulator und auf einer Teststrecke fanden sie heraus, dass nicht allein die Geschwindigkeit entscheidend dafür ist, ob sich der Fahrer wohlfühlt. Vielmehr ist dafür auch die  Beschleunigung beim Anfahren und Bremsen sowie das Lenkverhalten in Kurven verantwortlich. Einfluss auf das Komforterleben der Nutzer haben zudem: ein angemessener Sicherheitsabstand, das rechtzeitige Blinkersetzen und ein kooperatives Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Die Wissenschaftler stellten auch fest: Das Vertrauen in die neue Technik nimmt zu, wenn der Fahrer situationsabhängige Informationen angezeigt bekommt - wenn ihm Gründe für eine Fahrentscheidung genannt werden und er Rückmeldungen zum Status des Fahrzeugs bekommt.

Das Team von „KomfoPilot“ wird von den assoziierten Partnern BMW AG und Delphi Deutschland GmbH unterstützt. Es arbeitet daran, die Ergebnisse von "DriveMe" in einem echten, automatisierten Auto zur Anwendung zu bringen.