BBiG-Novelle: Klare Bezeichnungen für die berufliche Fortbildung

Berufsbachelor und -master, Mindestausbildungsvergütung, mehr Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung, Teilzeitausbildung: Das Bundesbildungsministerium möchte das Berufsbildungsgesetz novellieren – und so die Berufsausbildung stärken.

Kernstück der BBiG-Novelle sind die einheitlichen Abschlussbezeichnungen Berufsspezialist/in, Berufsbachelor und Berufsmaster. © BMBF

Servicetechniker, Prozessmanager, Fachwirt, Fachkauffrau, Betriebswirt: In Deutschland gibt es heute unzählige Fortbildungsabschlüsse und -bezeichnungen in der beruflichen Bildung. Durch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) möchte die Bundesregierung unter anderem den Bezeichnungswildwuchs beenden – und transparente berufliche Fortbildungsstufen schaffen. In der höherqualifizierenden Berufsbildung soll es künftig die Abschlüsse Berufsspezialist, Berufsbachelor und Berufsmaster geben. Damit möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung auch die Gleichwertigkeit der akademischen und beruflichen Bildung stärken.

Weitere Schwerpunkte der BBiG-Novelle sind unter anderem eine ausbalancierte und unbürokratische Mindestvergütung für Auszubildende, verbesserte Möglichkeiten der Teilzeitberufsausbildung, , eine verbesserte Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung sowie verbesserte Rahmenbedingungen für rechtsbeständige und hochwertige Prüfungen. Zugleich bietet die Novellierung die Gelegenheit, Verfahren zu modernisieren, zu vereinfachen und zu verkürzen. Bürokratie soll auf diese Weise abgebaut werden.

Bis Ende 2018 möchte das Bundesbildungsministerium einen Entwurf für die Novelle des BBiG veröffentlichen. Der Kabinettbeschluss soll im Januar 2019 erfolgen. Die BBiG-Änderungen sollen entsprechend dem Koalitionsvertrag zum 01.01.2020 in Kraft treten.

Welche Änderungen soll es geben?

Stärkung und Weiterentwicklung der „höherqualifizierenden“ Berufsbildung

Bei der „höherqualifizierenden“ Berufsbildung, den bisherigen „Aufstiegsfortbildungen“ wird die während einer Berufsausbildung erworbene berufliche Handlungsfähigkeit durch eine Fortbildung erweitert. Diese Fortbildungen, die oft auf dem gleichen Niveau sind wie ein Studium, sind der Weg zum beruflichen Aufstieg. Kernstück der Verbesserungen sind die einheitlichen Abschlussbezeichnungen Berufsspezialist/in, Berufsbachelor und Berufsmaster. Der „Meister“ wird dabei nicht abgeschafft, sondern durch die Verbindung mit den einheitlichen Abschlussbezeichnungen gestärkt.

Mindestvergütung für Auszubildende

Eine bundesweit einheitliche Mindestvergütung für alle BBiG-Auszubildenden soll einen sozialen Mindeststandard sichern und so die Attraktivität der beruflichen Bildung erhöhen. Die Mindestvergütung soll sich an dem orientieren, was sozial und bildungspolitisch erforderlich und damit auch wirtschaftspolitisch ausgewogen ist. Eine solche Mindestvergütung stärkt die verfassungsrechtlich verbürgte Tarifautonomie. Jenseits der mit der Mindestvergütung festgeschriebenen Untergrenze bleibt es weiterhin die bedeutsame Rolle der Tarifparteien, unter Berücksichtigung der regionalen und Branchenunterschiede, die Vergütung für die Auszubildenden am Markt zu vereinbaren.

Stärkung der Teilzeitberufsausbildung

Die durch die BBiG-Novelle 2005 eingeführte Möglichkeit der Teilzeitberufsausbildung soll gestärkt werden durch die Verlagerung in eine eigene Vorschrift. Sie wird dabei deutlich flexibilisiert. Die Teilzeit soll nicht mehr nur Auszubildenden offenstehen, die schneller zum Ziel kommen. Die Neuregelung erweitert den Adressatenkreis auf alle Auszubildenden. Voraussetzung ist wie bisher, dass sich Ausbildende und Auszubildende einig sind. Neben Personen, die durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen gebunden sind, können auf diese Weise zukünftig auch Menschen mit Behinderungen, lernbeeinträchtigte Personen oder Geflüchtete in besonderer Weise von einer Teilzeitberufsausbildung profitieren.

Verbesserte Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung

Die Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung soll gestärkt werden durch vereinfachte Voraussetzungen des BBiG für die Anrechenbarkeit der Ausbildungsdauer bei „gestuften“ Ausbildungen, bei denen zweijährige Ausbildungsberufe in drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen fortgesetzt werden, sowie die Einführung neuer Möglichkeiten zur Berücksichtigung von Prüfungsleistungen bei aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen.

Verbesserte Rahmenbedingungen für rechtsbeständige und hochwertige Prüfungen sowie für ein attraktives Ehrenamt

Die Rahmenbedingungen für rechtsbeständige und hochwertige Prüfungen sollen ebenso wie die Gewinnung, die Attraktivität und die Einsatzmöglichkeiten von ehrenamtlichen Prüfern und Prüferinnen durch Flexibilisierung verbessert werden. So soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass der Prüfungsausschuss die Abnahme von Prüfungsleistungen an eine Prüferdelegation überträgt, bei der er auch auf weitere Prüfende zurückgreifen kann. Dies betrifft etwa Stationen einer Stationenprüfung. Das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung wird weiterhin vom Prüfungsausschuss festgestellt.