"Bei den Anforderungen für Flüchtlinge dürfen wir keine Abstriche machen"

Bundesministerin Johanna Wanka lehnt ein Zwei-Klassen-System in der Ausbildung ab und warnt vor Mutmaßungen, mit dem Zuzug von Flüchtlingen könne der Fachkräftemangel in Deutschland beseitigt werden.

Bundesministerin Johanna Wanka: "Bei den Anforderungen für die Auszubildenden dürfen wir keine Abstriche machen." © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Bundesministerin Wanka hat Forderungen zurückgewiesen, bei der Ausbildung von Flüchtlingen die Standards zu senken. „Bei den Anforderungen für die Auszubildenden dürfen wir keine Abstriche machen. Es kann hier kein Zwei-Klassen-System geben“, sagte Wanka in einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ vom 23. Juni 2016. Stattdessen müsse man die jungen Flüchtlinge unterstützen, damit sie in der Lage seien, die Anforderungen zu erfüllen. Da gehe es nicht nur um Sprache. „Viele der jungen Flüchtlinge wollen arbeiten und zwar schnell. Ich freue mich, dass das Handwerk für sie inzwischen fast 10 000 Stellen bereitgestellt hat. Die Wirtschaft engagiert sich also“, sagte Wanka.

Zudem äußerte sie sich zu Erwartungen, nach denen die Flüchtlinge den Fachkräftemangel in Deutschland kurzfristig beheben könnten. „Viele Firmenchefs und Manager haben den Eindruck erweckt, mit den Flüchtlingen könnten wir unser Fachkräfteproblem lösen. Das habe ich von Anfang an für überzogen gehalten", sagte Wanka. Sie wies darauf hin, dass es nun erste Einschätzungen zum Bildungsstand der Flüchtlinge gebe. Danach hätten fast ein Drittel der Asylantragsteller keine oder nur maximal vier Jahre eine Schule besucht. Viele derer, die sofort in eine Ausbildung eingestiegen sind, sind nach den Worten der Ministerin überfordert und haben schnell wieder aufgegeben. „Klar ist, dass die Integration der Flüchtlinge eine Chance für Deutschland ist. Aber das wird noch ein langer Weg“, sagte Wanka.