Berliner Feuerwehr setzt Ersthelfenden-App ein

Im Notfall zählt jede Sekunde: Forschende haben daher eine App entwickelt, die Ersthelfende in der Nähe eines Unfallortes alarmiert. Sie sollen noch vor den Rettungskräften Erste Hilfe leisten. Die Berliner Feuerwehr setzt die App nun in Berlin ein.

ENSURE

Die freiwilligen Ersthelfenden werden durch die App alarmiert. So sollen sie noch vor der Feuerwehr am Einsatzort sein.

© Berliner Feuerwehr

Eine digitale Innovation im Rettungswesen wird von nun an im Großraum Berlin eingesetzt. Am 16. Oktober 2020 stellt die Berliner Feuerwehr auf einer Pressekonferenz (13-14 Uhr) die KATRETTER-App vor, für die sich alle Bürgerinnen und Bürger mit Ersthelferkenntnissen anmelden können. Das ehrgeizige Ziel: Rund ein Prozent der Berliner Bevölkerung soll sich registrieren. Die App ist in das Leitstellensystem der Feuerwehr eingebunden, so dass Ersthelfende, die sich in unmittelbarer Nähe eines Einsatzortes befinden, noch vor den Einsatzkräften bei Notfällen, wie Herz-Kreislaufstillständen, eintreffen können. So werden lebensrettende Minuten gewonnen. Die Entwicklung der App geht auf ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt aus der zivilen Sicherheitsforschung zurück.

Pressekonferenz live verfolgen

Die Berliner Feuerwehr gibt heute von 13:00 bis 14.00 Uhr den offiziellen Start der Ersthelfer-App KATRETTER für den Großraum Berlin bekannt. Hier können Sie die Pressekonferenz live verfolgen.

Als im Jahr 2013 die Berliner Feuerwehr als Praxispartner im BMBF-geförderten Forschungsprojekt „Verbesserte Krisenbewältigung im urbanen Raum durch situationsbezogene Helferkonzepte und Warnsysteme (ENSURE)“ startete, stand eine mögliche Einbindung von freiwilligen Mithelfenden noch ganz am Anfang. Zu Beginn der dreieinhalb jährigen Projektlaufzeit ging es zunächst um die Frage, ob eine Integration überhaupt gelingen kann. Dies änderte sich mit fortschreitender Projektlaufzeit - bald ging es nur noch darum, wie sich diese Einbeziehung am besten umsetzen ließe.

Nach Abschluss des Projektes flossen die Erkenntnisse in die Entwicklung eines ambitionierten Systems zur Einbindung von Ersthelfenden. Die Berliner Feuerwehr begann 2017 auf Basis der Ergebnisse von ENSURE mit der Entwicklung des KATRETTER-Systems. Gemeinsam mit dem damaligen Forschungspartner Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssystem (FOKUS) und der CombiRisk Risk-Management GmbH wurde ein System zur Einbindung von Ersthelfenden bei plötzlichen Herz-Kreislaufstillständen aufgebaut.

20 relevante Notfalleinsätze pro Tag

Der Herz-Kreislaufstillstand stellt eines der zeitkritischsten Ereignisse in der Notfallmedizin dar. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass der frühe Beginn einer Herzdruckmassage eine effektive Maßnahme zur Steigerung des Überlebens darstellt. Im Land Berlin wird die Notfallrettung durchschnittlich 20-mal pro Tag zu einer vermuteten Reanimation alarmiert. Neben der schnellen und zielgerichteten Alarmierung des professionellen Rettungsdienstes kann die Aktivierung von Ersthelfenden per Smartphone über die KATRETTER-App ein weiterer wichtiger Baustein sein.

 In der App können sich potenzielle Ersthelfende auf freiwillig registrieren. Wenn bei der Leitstelle der Berliner Feuerwehr ein Notruf eingeht, der auf einen Herz-Kreislaufstillstand schließen lässt, werden die Koordinaten der Einsatzstelle automatisch an das KATRETTER-System übermittelt. Das System prüft dann, ob sich Ersthelfende in der Nähe befinden und aktiviert diese über einen Alarmton. Wenn die Ersthelfenden den Einsatz aktiv annehmen, erhalten Sie zusätzlich die Einsatzadresse sowie weiterführende Informationen zum Einsatz.

Ersthelfende in der Nähe werden alarmiert

Die Ortung der Ersthelfenden durch die App erfolgt zweistufig: Im Ruhebetrieb übermittelt die App in regelmäßigen Abständen den ungefähren Standort des Nutzers. Erst im Rahmen eines möglichen Einsatzes in der Nähe wird das Endgerät feingeortet und der exakte Standort ermittelt. Eine Aktivierung erfolgt für bis zu drei Ersthelfende in einem Umkreis von 500 m (Stadtgebiet) bzw. 1000 m (Stadtrandgebiete) um den Einsatzort. Sowohl diese technischen Hintergründe als auch die organisatorischen Konzepte konnten direkt aus dem ENSURE-Forschungsprojekt übernommen und weiterentwickelt werden.

Erste Erfahrungen aus einem einjährigen Probebetrieb der KATRETTER-App sind vielversprechend. Derzeit erreichen schon bei knapp einem Drittel der täglichen Alarmierungen zum Herz-Kreislaufstillstand Ersthelfende aus dem KATRETTER-System den Einsatzort und leisten dort lebensrettende Hilfe. Das langfristige Ziel im Land Berlin ist, ca. 40.000 registrierte Ersthelfende (ca. ein Prozent der Bevölkerung) über die KATRETTER-App aktivieren zu können.