Berufliche Bildung punktet im internationalen Vergleich

Der Bericht „Bildung auf einen Blick 2020“ verdeutlicht: Die Berufliche Bildung in Deutschland funktioniert gut. Ganz besondere Bedeutung hat erneut der Bereich MINT.

Der Berufseinstieg gelingt in Deutschland besonders schnell – OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2020
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Gute Noten für die Berufliche Bildung in Deutschland: Die Perspektiven für junge Menschen mit einem beruflichen Abschluss sind hierzulande so gut wie in fast keinem anderen OECD-Land. Zu diesem Schluss kommt der Bericht „Education at a Glance“ (EAG), der jährlich von der OECD herausgegeben wird. Er hat das Ziel, anhand von quantitativen Indikatoren einen Vergleich der Bildungssysteme von 37 OECD-Staaten sowie neun Partnerstaaten zu ermöglichen.

Schwerpunktthema des EAG 2020 ist die berufliche Bildung (im Sekundarbereich als auch teilweise im Tertiärbereich). Die im OECD-Bericht dargelegten positiven Beschäftigungsergebnisse sind eng mit den Stärken des beruflichen Bildungssystems in Deutschland verknüpft. Hier haben neben den allgemeinbildenden Bildungsgängen traditionell auch die berufsbildenden Programme sowohl im Sekundarbereich II als auch im postsekundaren, nicht-tertiären Bereich eine wichtige Bedeutung.

Eine berufliche Ausbildung ist ein wichtiges Fundament für die von der deutschen Wirtschaft dringend benötigten qualifizierten Fachkräfte. Fast die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen (46 %) hat den Weg der berufsbildenden Programme als Einstieg in eine qualifizierte Berufs- bzw. Erwerbstätigkeit gewählt. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 24 %.

Im Folgenden finde Sie einige ausgewählte Kernaussagen des Berichts, den Sie hier vollständig herunterladen können. 

DER BERUFSEINSTIEG GELINGT IN DEUTSCHLAND BESONDERS SCHNELL

Der Übergang von der Ausbildung in das Erwerbsleben ist ein wichtiger Meilenstein im Leben junger Menschen. In Abhängigkeit der Arbeitsmarktlage und der erworbenen Qualifikationen kann diese Suche nach einer passenden Beschäftigung viel Zeit in Anspruch nehmen. Die OECD-Zahlen zeigen, dass diese Übergangsphase für junge Menschen in Deutschland im internationalen Vergleich besonders reibungslos verläuft. Gut 86 % der beruflichen Absolventinnen und Absolventen im mittleren Qualifikationsbereich in Deutschland finden innerhalb der ersten zwei Jahre nach ihrem Abschluss einen Arbeitsplatz. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 66 %. Der Wert in Deutschland bleibt auch zwei bis drei Jahre bzw. vier bis fünf Jahre nach dem Abschluss noch stabil hoch bei 88 bzw. 87 %.

GUTE AUFSTIEGSCHANCEN IN DER BERUFLICHEN BILDUNG

Das deutsche berufliche Bildungssystem zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus. Unabhängig von der Ausrichtung des ersten Bildungsweges (Abitur / Beruf) bieten sich vielfältige Möglichkeiten, einen individuell hohen Bildungsstand zu erreichen. Gut 92 % der beruflichen Abschlüsse im Sekundarbereich in Deutschland ermöglichen ohne den Erwerb weiterer Qualifikationen den direkten Zugang zu höheren tertiären Programmen oder Bildungsgängen.

MINT IN DEUTSCHLAND BLEIBT ATTRAKTIV

In keinem anderen Land ist der MINT-Abschluss so beliebt wie in Deutschland. Mehr als ein Drittel (35 %) aller Absolventen des Tertiärbereichs (Hochschulabschluss oder berufsorientierter tertiärer Bildungsabschluss) erwarb 2018 einen Abschluss in einem MINT-Fach. Das ist der höchste Wert im OECD-Vergleich (OECD: 23 %). Zu den MINT-Fächern zählen die Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik, Informatik und Ingenieurwissenschaften. MINT-Fachkräfte werden auf allen Qualifikationsebenen stark nachgefragt. Die OECD-Daten belegen, dass auch im mittleren beruflichen Qualifikationsbereich die MINT-Ausrichtung beliebt ist.

DIE AUS- UND WEITERBILDUNGSBEREITSCHAFT IST ÜBERDURCHSCHNITTLICH

In Deutschland beteiligen sich 56 % aller erwerbstätigen Erwachsenen (25- bis 64-Jährige) an nicht formaler Aus- und Weiterbildung, im OECD-Durchschnitt sind es 53 %. Sowohl in Deutschland als auch im internationalen Vergleich gilt: Je größer das Unternehmen ist, desto höher ist auch die Teilnahmequote der Beschäftigten an Aus- und Weiterbildung. In Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten liegt die Beteiligung in Deutschland bei 66 % (OECD-Durchschnitt: 65 %). Auffällig und positiv für Deutschland ist, dass die Weiterbildungsbeteiligung auch in kleineren Unternehmen mit einer Belegschaft von lediglich unter 10 Beschäftigten mit 50 % deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 42 % liegt.

BILDUNGSAUSGABEN REFLEKTIEREN DEN STELLENWERT DER BERUFLICHEN BILDUNG

Der besondere Stellenwert der beruflichen Bildung in Deutschland zeigt sich auch im internationalen Vergleich der Bildungsinvestitionen. Die Bildungsausgaben in der beruflichen Ausbildung (einschl. Ausbildungsvergütung) im Sekundarbereich II liegen mit 17.960 US-Dollar je Bildungsteilnehmenden deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 11.521 US-Dollar.

Auch die Bildungsausgaben pro Bildungsteilnehmenden in der Gesamtbetrachtung vom Primar- bis zum Tertiärbereich liegen mit 13.529 US-Dollar in Deutschland weit über dem OECD-Durchschnitt von 11.231 US-Dollar. In den Jahren 2012 bis 2017 sind die jährlichen Bildungsausgaben vom Primar- bis zum Tertiärbereich in Deutschland um 1,1 % (jährliche Steigerungsrate im OECD-Durchschnitt: 1,4 %) gestiegen. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Bildungsteilnehmenden in Deutschland in der Gesamtbetrachtung vom Primar- bis Tertiärbereich konstant geblieben (Steigerungsrate im OECD-Durchschnitt: 0,2 %). Dies führte zu einem jährlichen Wachstum in den Pro-Kopf-Bildungsausgaben vom Primar- bis zum Tertiärbereich in diesem Zeitraum um 1,1 % (OECD-Durchschnitt: 1,3 %). In absoluten Zahlen sind die Pro-Kopf Bildungsausgaben in Deutschland im Primar- bis Tertiärbereich zwischen 2012 und 2017 von 11.946 US-Dollar auf 12.597 US-Dollar gestiegen (im OECD-Durchschnitt von 9.642 auf 10.540 US-Dollar).