Berufsbildung: Deutschland und Italien arbeiten noch enger zusammen

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und die italienische Bildungsministerin Stefania Giannini haben auf die große Bedeutung der beruflichen Bildung hingewiesen. Das entsprechende Memorandum zur Kooperation haben sie um drei Jahre verlängert.

Festakt in der Villa Vigoni: Bundesministerin Wanka eröffnet die Fachtagung zur deutsch-italienischen Zusammenarbeit in der Berufsbildung. © Villa Vigoni

Die beiden Ministerinnen verlängerten das deutsch-italienische Memorandum zur Kooperation in der beruflichen Bildung, das im November 2012 in Neapel von den Bildungs- und Arbeitsministerien beider Länder unterzeichnet worden war.

Bei einer Fachtagung zum Thema in der Villa Vigoni betonten sie den wichtigen Beitrag, den die Berufsbildung zur Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen, zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften und zur Kohäsion der EU leistet. Zugleich stünden die Berufsbildungssysteme vor der Herausforderung, sich stetig auf die Bedarfe dynamischer Arbeitsmärkte einzustellen. Schwerpunkt der Fachtagung war deshalb die Kooperation der Lernorte „Unternehmen“ und „Schule“.

Italien orientiert sich am deutschen Modell

Deutschland verfügt mit seinem dualen System der Berufsbildung über reichhaltige Erfahrungen in der Lernortkooperation; die kooperative, betriebliche Berufsausbildung ist eine tragende Säule der deutschen Fachkräftebildung. Das italienische Bildungsministerium strebt auf Grundlage einer Reform des Bildungsgesetzes von 2015 eine verstärkte Berufsorientierung in der Schule sowie  verbesserte Übergänge zwischen Schule und Arbeitsmarkt an und orientiert sich dabei am deutschen Modell der dualen Berufsausbildung.

Auf Grundlage der Arbeitsergebnisse der bisherigen Kooperation und der aktuellen Reformbedarfe, haben sich das Bundesbildungsministerium (BMBF) und das italienische Ministerium für Bildung, Hochschulen und Forschung (MIUR) auf konkrete Aktionsfelder in der Berufsbildungsbildungszusammenarbeit geeinigt.  Hierzu gehören die Entwicklung und Erprobung dualer Ausbildungsmodelle, die Qualifizierung der Lehrkräfte und betrieblichen Ausbilder, die Entwicklung innovativer Curricula, Karrierebegleitung, engere Kooperationen mit Unternehmen - insbesondere KMU - sowie mit Kammern und Gewerkschaften.

Mit Unternehmen und Arbeitnehmern

Die Einbeziehung der Unternehmen und der Arbeitnehmer in die  Berufsbildung ist gelebte und fest  institutionalisierte Tradition in Deutschland. Viele Partnerländer sind daran interessiert, deutsches Knowhow bei der Beteiligung der Sozialpartner für eigene Reformvorhaben zu nutzen. Daher fördert das BMBF die Strategieprojekte „VETnet“ beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und neun Auslandshandelskammern sowie „Unions4vet“ beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). So kann die Expertise von Gewerkschaften und Kammern in die BMBF-Berufsbildungskooperationen einfließen.

"VETnet" und "Unions4VET"

Die AHK Mailand begleitet seit einigen Jahren deutsche Unternehmen bei der Durchführung betrieblicher Berufsbildung. Im Projekt "VETnet" wird eine kooperative Steuerungsstruktur entwickelt und erprobt, die die Beteiligung der relevanten Partner an der Berufsbildung ermöglicht. Der DGB baut im Rahmen des "Unions4VET" Kontakte zu italienischen Gewerkschaften auf, um deren Partizipation an den neuen dualen Ausbildungsformaten durch Beratung und Qualifizierung zu unterstützen.

Im Anschluss an die Fachtagung in der Villa Vigoni und die Verlängerung der deutsch-italienischen Berufsbildungszusammenarbeit sind zeitnahe „Technical Meetings“ auf Experten-Ebene vorgesehen, um die vereinbarten Arbeitsschwerpunkte in die Tat umzusetzen.

Bilaterale Arbeitsgruppe

Die Bundesbildungsministerium (BMBF) und das italienische Ministerium für Bildung, Hochschulen und Forschung (MIUR) arbeiten regelmäßig in einer bilateralen Arbeitsgruppe zur Berufsbildung zusammen. Die Kooperation basiert auf einer gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung von November 2012 und dem Berliner Memorandum von Dezember 2012. An der Kooperation sind auch die Arbeitsministerien beider Länder beteiligt.