Berufsorientierung für Geflüchtete

Welche Berufe gibt es? Was könnte das Richtige für mich sein, und wie ist der Weg dahin? Um junge Geflüchtete und Neuzugewanderte in ihrem Berufsorientierungsprozess zu unterstützen, fördert das Bundesbildungsministerium verschiedene Projekte.

Wunschberuf Maler: Joseph Ogbonna kommt aus Nigeria. Im Programm „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ wird er im Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Duisburg auf die Ausbildung vorbereitet. © BIBB

Wenn Menschen nach ihrer Flucht in Deutschland ankommen, ist vieles neu und anders: die Sprache, die Lebensumstände – und auch die Lern- und Arbeitswelt. Genau wie junge Menschen ohne Fluchthintergrund stellen sich neu Zugewanderte Fragen wie: Welche Berufe gibt es? Was könnte das Richtige für mich sein, und wie ist der Weg dahin?

Alle Kinder und jungen Menschen profitieren von einer guten Berufsorientierung. Doch geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene benötigen noch mehr: Deutsche Sprachkenntnisse, spezifische Beratung und Unterstützung bei behördlichen und schulischen Angelegenheiten sowie häufig auch individuelle Begleitung bei der Integration in eine neue Gemeinschaft.

Das Bundesbildungsministerium hat ein Paket aus Angeboten geschnürt, um speziell junge Menschen mit Fluchthintergrund bei ihrem individuellen Berufsorientierungsprozess zu unterstützen: das Programm „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ sowie Projekte der Initiative Bildungsketten – mit jeweils unterschiedlichen Ansatz- und Schwerpunkten – in einer Reihe von Bundesländern. Daneben nehmen geflüchtete Kinder und Jugendliche, die allgemeinbildende Schulen besuchen, am regulären Berufsorientierungsprogramm des BMBF teil. Alle Aktivitäten werden von der Programmstelle Berufsorientierung im Bundesinstitut für Berufsbildung betreut.

Das bundesweite Förderprogramm „Berufsorientierung für Flüchtlinge“

Mit der Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhalten junge Geflüchtete in Lehrwerkstätten und Betrieben vertiefte Einblicke in Ausbildungsberufe des Handwerks. Während der bis zu 26 Wochen dauernden Maßnahme lernen sie Fachsprache und erwerben erste Fachkenntnisse für den angestrebten Ausbildungsberuf. Außerdem werden sie – soweit erforderlich - individuell unterstützt.

Das Programm ist Teil der Initiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“, die im Februar 2016 gemeinsam vom Bundesbildungsministerium, der Bundesagentur für Arbeit und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks gestartet wurde. Die Initiative richtet sich an junge Flüchtlinge, die nicht mehr schulpflichtig sind. Sie werden in einem mehrstufigen Verfahren – mit Integrationskurs, allgemeiner und dann vertiefter Berufsorientierung über das Programm BOF – für eine betriebliche Ausbildung im Handwerk fit gemacht.

Flüchtlingsprojekte der Initiative Bildungsketten

Das Ministerium finanziert im Rahmen der Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ (kurz: Initiative Bildungsketten) in mehreren Bundesländern Berufsorientierungsprojekte für Geflüchtete und neu Zugewanderte.

Die Projekte finden meist an beruflichen Schulen statt. Neben der Berufsorientierung werden auch Sprachkenntnisse vermittelt sowie kulturelle Orientierungshilfe, Unterstützung beim Kontakt mit Behörden und bei der Bewältigung von Konflikten geleistet. Bei all dem ganz wichtig: die Maßnahmen haben einen hohen Praxisanteil.

Geflüchtete im Berufsorientierungsprogramm

Geflüchtete Jugendliche an allgemeinbildenden Schulen besuchen gemeinsam mit ihren Klassen das Berufsorientierungsprogramm (BOP). Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler in der siebten und achten Klasse. Erst erkunden sie ihre Stärken in einer Potenzialanalyse, dann lernen sie in den Werkstatttagen verschiedene Berufsfelder kennen.

Das BOP geht auf die unterschiedlichsten individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen ein. Die Konzepte sind so geschneidert, dass sie allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden – auch solchen aus neu zugewanderten Familien. Das sind immerhin schon über fünf Prozent der BOP-Teilnehmenden.