Big Data: „Wir brauchen intelligente Schürfwerkzeuge“

„Um Datenschätze zu heben, müssen Daten effektiv und intelligent verarbeitet und analysiert werden“, sagt Staatssekretär Thomas Rachel. Dafür seien Höchstleistungsrechner wie am JARA Center for Simulation and Data Science eine Grundvoraussetzung.

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (MdB) anlässlich der Einrichtung des „JARA Center for Simulation and Data Science, CSD“ der Jülich Aachen Research Alliance (JARA) am 19. November 2018 in Jülich.

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Frau Staatsekretärin Storsberg,

Sehr geehrter Herr Professor Marquardt,

Sehr geehrter Herr Professor Rüdiger,

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir sind heute auf dem JARA Tag 2018 zusammengekommen, um die  Einrichtung des JARA Center for Simulation and Data Science zu feiern (kurz: Jara CSD) und damit die Etablierung eines weiteren wichtigen Zukunftselementes von JARA.

Meine Damen und Herren,

die Digitalisierung ist das „Megathema“ unserer Zeit und das nicht erst seit gestern. Die Digitalisierung durchdringend alle Bereiche der Gesellschaft und – wen wundert es – selbstverständlich auch die Wissenschaft. Die HGF stellt sich dieser Herausforderung zum Beispiel im Rahmen des Forschungsbereiches „Information“, dem früheren Forschungsbereich „Schlüsseltechnologien“, weil man erkannt hat, dass der Umgang mit Information, mit Daten, vielleicht die wichtigste Schlüsseltechnologie überhaupt ist.

In vielen Papieren, die es zum Thema Digitalisierung gibt und auch in vielen Gesprächen, die ich in den letzten Monaten und Jahren zum Thema Digitalisierung in der Wissenschaft führen durfte, tauchte immer wieder der Satz auf:

„Der Digitale Wandel wird als eine Aufgabe verstanden, die es gemeinsam mit innovativen Lösungsstrategien zu bearbeiten gilt“. 

Die Aussage ist nicht spektakulär und meistens wird ihr auch nicht widersprochen.

Ich halte die Kernaussage darin nach wie vor für richtig und aktuell. Und ich glaube, dass dieser Satz viel mit dem zu tun hat, worüber wir heute hier reden werden. Dabei möchte ich zwei Aspekte herausgreifen, die meines Erachtens besonders wichtig sind: dies sind die Begriffe „innovative Lösungsstrategien“ und „gemeinsam“.

Zunächst zum  Begriff „innovative Lösungsstrategien“:

Wenn ich mir die Ziele des JARA Center for Simulation and Data Science ansehe – z.B. Spitzenforschung ermöglichen, Kompetenzen bündeln, Nutzerunterstützung für methodische und disziplinäre Forschung in den Bereichen Simulation und  Datenanalyse – habe ich den Eindruck, es handelt sich genau um eine solche „innovative Lösungsstrategie“, wie in dem von mir zitierten Satz.

Wenn es stimmt, dass Daten das Gold des 21. Jahrhunderts sind, und dass man bis 2025 von einer Verzehnfachung des derzeitigen Datenvolumens ausgehen kann, dann brauchen wir intelligente „Schürfwerkzeuge“. Denn um diese Datenschätze zu heben, müssen Daten effektiv und intelligent verarbeitet und analysiert werden. Nur mit leistungsstarken Rechnern und entsprechenden Softwaretools ist es möglich, die großen Datenmengen, die bei komplexen Versuchen und  Modellen anfallen, zu verarbeiten. Diese sind eine Grundvoraussetzung, damit Modelle und Simulationen als Instrumente einer modernen Wissenschaft überhaupt erst funktionieren. Viele Fragen der Grundlagenforschung benötigen das Höchstleistungsrechnen, von Simulationen turbulenter Strömungen bis hin zur Simulation des menschlichen Gehirns.

Daher engagiert sich das BMBF ganz besonders in diesen Bereichen und hat mit seinen Kompetenzzentren Big Data und Maschinelles Lernen (ca. 50 Mio. € Fördersumme gesamt), dem Höchstleistungsrechnen (ca. 50 Mio. € pro Jahr) sowie seiner Förderung zu Künstlicher Intelligenz (ca. 50 Mio. € pro Jahr) in den letzten Jahren hier viel auf den Weg gebracht.

Aber eines darf man nicht vergessen: Neben der Infrastruktur braucht man auch entsprechende Spezialisten und Fachkräfte, die mit der Infrastruktur umgehen können. Denn ohne Nutzerunterstützung fehlt ein wichtiger Hebel für die Anwendung in den Wissenschaftsdisziplinen. Mit der Bündelung von Kompetenzen, setzt JARA CSD genau an dieser Stelle an und trägt damit wesentlich dazu bei, den Forschungsstandort NRW und damit auch Deutschland zu stärken.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich weiß, ich erzähle den Fachleuten unter Ihnen nichts Neues, wenn ich betone, dass das Höchstleistungsrechnen - kurz HPC - neben Theorie und Experiment zur dritten Säule der Wissenschaft aufgestiegen ist.

Im selben Jahr als JARA gegründet wurde (2007), wurde durch den Zusammenschluss des FZ Jülich mit dem Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart und dem Leibniz-Rechenzentrum Garching zum Gauss Centre for Supercomputing - kurz GCS –ein wichtiger und zukunftsweisender Schritt gegangen. Sowohl der Aufbau von Dateninfrastrukturen als auch deren ständige Weiterentwicklung und Betrieb ist sehr teuer. Und damit komme ich zum zweiten Begriff, den ich aus dem Zitat herausgreifen möchte: „gemeinsam“. Der Bund und die Länder Bayern, Baden Württemberg und NRW werden bis zum Jahr 2025 ca. 450 Mio. € in GCS investiert haben. Das heißt, nur durch das gemeinsame Agieren von Bund und den Ländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen war es möglich, dass wir heute eine der besten Recheninfrastrukturen in Europa haben, auf die auch das neu gegründete Center Jara CSD zurückgreifen kann und damit – um es mal in den Worten der FhG auszudrücken- den „return on investment“ (ROI) für den Wissenschaftsstandort Deutschland erhöhen kann.

Dieses „gemeinsame Agieren“ mit meinen Kollegen in NRW soll auch in Zukunft handlungsleitend sein, wenn es um die nächste Ausbaustufe der Infrastruktur auf dem Weg zu Exascale Computern geht oder die Europäisierung des Höchstleistungsrechnens im Rahmen des gemeinsamen Unternehmens EuroHPC.

Erst vor wenigen Wochen waren Frau Bundesministerin Anja Karliczek und ich und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet am Forschungszentrum Jülich und haben den Jülich Wizard for European Leadership Science (JUWELS) eingeweiht, der aktuell zu den schnellsten Superrechnern Deutschland gehört.

Aber das gemeinsame politische Agieren zwischen Bund und Land ist nur eine Facette dieses Aspekts „gemeinsam“.

JARA per se ist die Erfolgsgeschichte des gemeinsamen Zusammenarbeitens zwischen Jülich und Aachen und ich bin mir sicher, dass diese Erfolgsgeschichte auch bei JARA CSD so fortgeschrieben wird. Die bisherigen Ergebnisse von JARA haben mich überzeugt und in diesem Sinne wünsche ich dem JARA Center for Simulation and Data Science auch im Namen des BMBF einen erfolgreichen Start und Ihnen und uns interessante Gespräche.