"Bildung in Deutschland 2016"

Die Herausforderungen wachsen, aber die Leistungsfähigkeit des Bildungswesens steigert sich

Im Rahmen einer Pressekonferenz wird der Bildungsbericht 2016 in Berlin vorgestellt (v.l.n.r.: Ludwig Spaenle, Kai Maaz, Johanna Wanka, Claudia Bogedan sowie Ties Rabe) © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) haben am 16.06.2016 gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) den Bericht "Bildung in Deutschland 2016" vorgestellt. Der nunmehr sechste Bildungsbericht beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens und widmet sich in seinem Schwerpunktkapitel nach 10 Jahren erneut dem Thema "Bildung und Migration".

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka sagte: "Der aktuelle Bildungsbericht zeigt das ungebrochene Interesse der Menschen an mehr, an besserer Bildung. Das ist künftig auch eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Arbeitsleben, ob in der Werkhalle oder im Büro. Zudem hat sich die Bildungsbeteiligung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund angenähert, besonders in der frühen Bildung und bei den jungen Erwachsenen. Auf diese Erfolge können Bund und Länder stolz sein."

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan, betonte: "Es ist erfreulich, dass sich der Bildungsstand der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbessert hat. Dazu tragen auch die Flexibilität und Durchlässigkeit des Schulsystems im Hinblick auf höhere Schulabschlüsse bei. Zudem geht der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne einen Hauptschulabschluss verlassen, weiter zurück. Nichtsdestotrotz müssen wir auch künftig unseren Blick verstärkt auf die Gruppe der gering oder nicht Qualifizierten richten."

Der aktuelle Bericht bestätigt die positiven Entwicklungen im deutschen Bildungssystem:

  • Die Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft sind im Jahr 2013 auf 257,4 Milliarden Euro und nach  vorläufigen Berechnungen auf 265,5 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen (jeweils 9,1% des BIP). Die Ausgaben je Schülerin bzw. Schüler sind von 4.900 Euro (2005) auf 6.500 Euro im Jahr 2013 gestiegen.
  • Der Bildungsstand der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert: Bei den Abschluss- und Abgängerquoten an Schulen bleibt der Trend zu höheren Schulabschlüssen ungebrochen. In 2014 erhielten 41% an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen die allgemeine Hochschulreife, 2006 waren es noch 29,6% der gleichaltrigen Bevölkerung. Der Anteil der Schülerinnen bzw. Schüler ohne Hauptschulabschluss hat sich von 8% in 2006 auf 5,8% in 2014 reduziert.
  • Der Personalzuwachs in Kindertageseinrichtungen hält an und verzeichnet mit 515.000 pädagogisch Beschäftigen im Jahr 2015 einen neuen Höchststand.
  • Der Ausbau der Ganztagsangebote schreitet in allen Schularten kontinuierlich voran, 2014 wurde eine Ganztagsquote von knapp 60% aller Schulen erreicht.
  • Inzwischen besucht ein gutes Drittel aller Lernenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine allgemeinbildende Schule (2014: 34,1%), 2012 waren es noch 28,2%.
  • Der Trend zum Hochschulstudium ist ungebrochen, die Studienanfängerquote liegt nach vorläufigen Berechnungen 2015 erneut bei 58%, wobei auch ausländische Studierende dazugezählt werden. Seit 2000 hat sich der Anteil der Studienanfängerinnen und Studienanfänger des Dritten Bildungswegs mehr als vervierfacht (2014: 3,5%). Der Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge ist gegenüber den Vorjahren leicht gesunken. Zwei Drittel der Masterstudiengänge werden ohne örtliche Zulassungsbeschränkung angeboten.
  • Die Gesamtteilnahmequote an Weiterbildung ist auf 51% angestiegen, vor allem bedingt durch die betriebliche Weiterbildung.

Das Schwerpunktkapitel zu Bildung und Migration kommt zu folgenden Befunden:

  • Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung ist im Zeitraum von 2005 bis 2013 mit rund 20% relativ konstant geblieben. In den besonders bildungsrelevanten Altersgruppen beträgt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund 35% (unter 10-Jährige) und rund 30% (10- bis unter 20-Jährige). Von den 2015 zugewanderten Schutz- und Asylsuchenden ist mehr als die Hälfte unter 25 Jahre alt.
  • Die Bildungsbeteiligungsquoten von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund nähern sich an. Der Anteil der unter 3-Jährigen mit Migrationshintergrund, die Kindertageseinrichtungen besuchen, hat sich seit 2009 auf 22% im Jahr 2015 verdoppelt. Im Kindergartenalter liegt die Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund 2015 sogar bei 90%. Der Anteil der Studienberechtigten mit und ohne Migrationshintergrund, die ein Studium aufnehmen, liegt etwa auf gleichem Niveau.
  • Unter Berücksichtigung des sozioökonomischen Hintergrunds sind Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zu vergleichbaren Anteilen in schulischen Bildungsgängen vertreten.
  • Im Sekundarbereich haben sich die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund verbessert. Dennoch bleiben Kompetenzunterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, die vor allem auf den sozioökonomischen Status zurückzuführen sind.
  • In der Berufsausbildung hat sich die Situation von Ausländerinnen und Ausländern zwischen 2005 und 2014 verbessert. So erhöhte sich die Quote derer, die ins duale System einmünden, von 27% auf 36%, im Übergangssystem sank sie von 60% auf 47%.
  • Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die sich in mindestens einer Risikolage befinden, hat sich seit 2006 um 10 Prozentpunkte reduziert, sie liegt mit 44% im Jahr 2014 noch immer deutlich über dem Anteil der Kinder und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund (19%).
  • Zusätzliche Platz-, Personal- und Finanzierungsbedarfe entstehen durch die Zuwanderung von Schutz- und Asylsuchenden. So schätzen die Autoren des Bildungsberichts, dass für frühkindliche Bildung, Schule und Berufsausbildung jährlich ein zusätzlicher Finanzbedarf von bis zu 3 Mrd. Euro entsteht.

Bundesministerin Johanna Wanka betonte: "Das Thema Integration erhält durch die Zuwanderung nach Deutschland eine neue Dimension. Sie kann und wird unsere Gesellschaft bereichern, wenn es uns gelingt, diejenigen, die zu uns kommen und bleiben werden, rasch zu integrieren. Die Bildungserfolge der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland zeigen uns, dass dies gelingen kann. Die Maßnahmen von Bund und Ländern greifen. Deshalb werden wir sie ausbauen. Aber: Integration braucht Zeit."

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan, hob hervor: "Der aktuelle Bildungsbericht zeigt, dass in den letzten Jahren die Bildungsunterschiede von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund verringert werden konnten. Trotz der positiven Entwicklungen dürfen wir uns aber nicht auf dem schon Erreichten ausruhen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Befund, dass vermeintliche auf Migration zurückzuführende Bildungsunterschiede eher auf der sozioökonomischen Situation beruhen. Der Abbau sozialer Ungleichheiten ist somit der Weg zur Verringerung migrationsspezifischer Unterschiede."

Zu wesentlichen Herausforderungen des Bildungsberichts machten Bundesministerin Johanna Wanka und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan, deutlich: "Chancengleichheit ist und bleibt unser zentrales bildungspolitisches Ziel. Jedes Kind, jeder Jugendliche und jeder Erwachsene soll in Deutschland die bestmöglichen Bildungschancen erhalten, unabhängig von kultureller oder sozialer Herkunft oder materiellen Möglichkeiten. Wir sind froh, dass es vielfach gelungen ist, die Kluft zumindest zu verringern, etwa zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Aber wir sehen gleichzeitig, dass regionale Unterschiede wachsen, zum Beispiel zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen. Darauf müssen wir gemeinsam, Bund und Länder, ein Auge haben, damit nicht neue Ungerechtigkeit entsteht."

Zur Anlage des Bildungsberichts

Den seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht hat eine unabhängige Wissenschaftlergruppe unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. Beteiligt sind das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder.

Die besondere Bedeutung des Bildungsberichts liegt darin, die verschiedenen Bildungsbereiche in ihrem Zusammenhang darzustellen und übergreifende Herausforderungen im deutschen Bildungssystem sichtbar zu machen.

Den Bericht sowie weiterführende Materialien und Informationen finden Sie im Internet unter www.bildungsbericht.de.


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