Bildungsbeauftragte Yagmur Celik

Bei Schulabschluss, Berufsbildung und Studium: Migranten können Kinder und Jugendliche aus anderen Kulturkreisen gezielt unterstützen. Das Bundesbildungsministerium fördert diese ehrenamtlichen Bildungsbeauftragten in einem entsprechenden Projekt.

Sorgfältige Vorbereitung: Yagmur Celik übt ein Vorstellungsgespräch mit Damla Ay (links). © Thorsten Doerk

Yagmur Celik studiert Lehramt. Sie ist in Hamburg geboren und zur Schule gegangen, weil ihre Eltern vor 35 Jahren im Zuge der Familienzusammenführung aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind. Dem alevitischen Glauben, deren Angehörige eine aufgeklärte religiöse Gruppierung vertreten, fühlt sie sich sehr verbunden. Seit Jahren ist sie im Jugendvorstand der Alevitischen Gemeinde Hamburg Haak-Bir e.V. aktiv und seit kurzem auch Bildungsbeauftragte.

Übergang von der Schule in den Beruf

„Es ist wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie viele Talente haben, und diese zu fördern“, sagt die 23­ Jahre alte Celik. Da sie seit vielen Jahren in dem Verein tätig ist, kennen sie die meisten Jungen und Mädchen. „Sie haben Vertrauen zu mir, und ich freue mich, dass ich sie beim Übergang von der Schule in den Beruf begleiten kann“, sagt die angehende Lehrerin.

Derzeit unterstützt Yagmur Celik eine 17­ Jahre alte Schülerin bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Damla Ay hat die Realschule abgeschlossen und möchte nun eine kaufmännische Ausbil­dung machen. Um in das Berufsfeld hineinzuschnuppern, will sie zunächst ein Praktikum absolvieren. Sie hat Bewer­bungen geschrieben – und wurde prompt zu einem Vorstellungstermin eingeladen. „Ich hatte noch nie ein solches Gespräch und weiß nicht genau, wie ich mich da verhalten soll“, sagt Damla Ay. Die Unsicherheit war so groß, dass sie Yagmur Celik um Rat fragte.

„Ich hoffe, dass sie beim Vorstellungsgespräch überzeugt"

Die Bildungsbeauftragte hat ihr erklärt, worauf es im Vorstellungs­gespräch ankommt: „Es ist wichtig, dass du dich sorgfältig vorbereitest. Dadurch kannst du dem Betrieb zeigen, dass du wirklich an dem Prak­tikum interessiert bist.“ Außerdem könne sich der Arbeitgeber durch ein persönliches Gespräch ein besseres Bild von den Fähigkeiten und Kenntnissen der Bewerberinnen und Bewerber machen. Yagmur Celik besprach mit Damla Ay, mit welchen Fragen sie rechnen muss und was sie antworten könnte. Gemeinsam überlegten sie, welche Fragen die Bewerberin selber in dem Gespräch stellen könnte. Nachdem das geklärt war, kam die General­ probe: Yagmur Celik und Damla Ay setzten sich im Verein zusammen und stellten ein Vorstellungsgespräch nach. Danach dachte Damla Ay: „Jetzt kann es losgehen!“.

„Ich hoffe, dass sie beim Vorstellungsgespräch überzeugt und zeigt, dass sie die Richtige für das Praktikum ist“, sagt Yagmur Celik. Im nächsten Schritt würde sie mit ihr einen Termin bei der Handelskammer Hamburg vereinbaren, um weitere Informationen zu Ausbildungsstellen zu erhalten. Aber zunächst soll sie das Praktikum erfolgreich beenden.

"Interkulturelle Netzwerke - Bildungsbeauftragte für junge Menschen!"

Die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Es besteht aber nach wie vor Handlungsbedarf. Vielen mangelt es an Wissen über die Chancen unseres Ausbildungssystems. Aus diesem Grund fördert das Bundesbildungsministerium das Projekt "Interkulturelle Netzwerke - Bildungsbeauftragte für junge Menschen!". Die Idee ist: Mitglieder aus Migrantenorganisationen können andere Mitglieder unterstützen.