Bildungsstudie TIMSS: Deutsche Schüler halten ihr Kompetenzniveau

Die Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland erreichen in Mathe und Naturwissenschaften erneut ihr Kompetenzniveau von 2007, das im internationalen Vergleich in der Mitte liegt. Kinder mit Migrationshintergrund haben sich verbessert.

Auch das zeigt TIMSS: Wenn es um die Bildungschancen der Kinder geht, sind die Lehrer entscheidend. © Thinkstock

Die internationale Bildungsvergleichsstudie „Trends in International Mathematics and Science Studie“ (TIMSS) testet alle vier Jahre am Ende der Grundschulzeit, wie gut Schülerinnen und Schüler in Mathematik sind und wie gut sie naturwissenschaftliche Zusammenhänge verstehen.

Wir danken allen Lehrerinnen und Lehrern, die tagtäglich dafür sorgen, dass das Niveau an unseren Grundschulen hoch bleibt – trotz steigender Herausforderungen.

Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär

Deutschland beteiligte sich – nach 2007 und 2011 – im Jahr 2015 zum dritten Mal an TIMSS. Dies ermöglicht neben der Darstellung aktueller Ergebnisse in nationaler und internationaler Perspektive nach nunmehr acht Jahren insbesondere einen Blick auf die Entwicklungen im Grundschulbereich.

Mathematik und Naturwissenschaften

Deutschland erreicht 2015 in Mathematik 522 Punkte und liegt damit leicht unter dem OECD-Mittelwert (528) und dem EU-Mittelwert (527) und deutlich über dem Gesamtmittelwert aller Staaten (509). Gegenüber 2011 haben die Leistungen in Mathematik abgenommen. In den Naturwissenschaften ist der Mittelwert seit TIMSS 2007 mit 528 Punkten stabil. Deutschland liegt in der oberen Hälfte der Teilnehmerstaaten (Mittelwert 500), knapp über EU-Durchschnitt (525 Punkte) und einen Punkt über OECD-Schnitt (527).

Noch zu viele leistungsschwache Schüler

Fast ein Viertel der Schülerinnen und Schüler erreicht die Kompetenzstufe III nicht und muss als leistungsschwach gelten (Mathematik 23 Prozent, Naturwissenschaften 22 Prozent). Im Vergleich mit der Spitzengruppe ist dieser Anteil zu hoch – in den Naturwissenschaften etwa liegt er in Finnland bei elf Prozent und in Polen bei 15 Prozent.

Fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und acht Prozent in den Naturwissenschaften sind mit dem Erreichen der Kompetenzstufe V als besonders leistungsstark zu bezeichnen. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich gering – er liegt in asiatischen Teilnehmerstaaten in Mathematik beispielsweise bei 30 bis 50 Prozent.

Kinder mit Migrationshintergrund werden besser

Die aktuellen Herausforderungen liegen in einer zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft durch Neuzuwanderung und Inklusion. 2011 hatten 27,7 Prozent aller an TIMSS teilnehmenden Kinder einen Migrationshintergrund, 2015 waren es 33,7 Prozent. Hier sind positive Leistungsentwicklungen festzustellen: So hat sich der Abstand zwischen Kindern, deren Eltern im Ausland geboren wurden, zu ihren Altersgenossen ohne Migrationshintergrund in den Naturwissenschaften seit 2007 von 71 auf 47 Punkte, in Mathematik von 45 auf 31 Punkte verringert.

Nicht nur Wissen, auch Kompetenzen

An TIMSS 2015 nahmen insgesamt 48 Staaten und Regionen sowie sieben Regionen, deren Ergebnisse nicht in die Berichterstattung einfließen, mit mehr als 300.000 Schülerinnen und Schülern teil. In Deutschland waren es rund 4.000 Viertklässler. TIMSS deckt unter Berücksichtigung curricularer Vorgaben verfahrensbezogenen Fähigkeiten genauso ab wie das inhaltliche Verständnis von Zusammenhängen. Getestet wurde daher nicht nur Wissen, sondern auch Kompetenzen, die in diesen Fächern besonders wichtig sind wie Schlussfolgern, Analysieren, Problemlösen oder Beweisen. Darüber hinaus werden weitere Merkmale schulischer Lehr- und Lernumgebungen untersucht. Befragt werden deshalb auch die Eltern der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, ihre Lehrkräfte im Mathematik- und Sachkundeunterricht sowie die Schulleitungen der teilnehmenden Grundschulen.

In der Verantwortung des IFS in Dortmund

Die Studie wird von der "International Association for the Evaluation of Educational Achievement" (IEA), einem unabhängigen internationalen Verband von bildungsbezogenen Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen sowie Regierungsstellen, verantwortet. Die Durchführung in Deutschland lag in der Verantwortung des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Dortmund (IFS) unter Leitung von Wilfried Bos. Die Analyse der Studienergebnisse und die Berichtslegung erfolgte durch ein nationales Konsortium unter Federführung des IFS.