Verantwortungsvolle Bioenergie

Bioenergie kann ein wichtiger Teil des Energiemixes der Zukunft sein. Wichtig ist, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht darunter leidet – es müssen neue Wege her, Bioenergie verantwortungsvoll zu nutzen.

Konventionelle Energiequellen sind nicht umweltfreundlich – das Verbrennen fossiler Rohstoffe wie Kohle, Öl und Gas erhöht die Konzentration von Treibhausgasen in unserer Atmosphäre. Daher setzt die Bundesregierung auf erneuerbare Energien. Dazu gehört neben Wind, Wasser und Sonne auch die Bioenergie. Diese hat einen großen Vorteil gegenüber Wind und Sonne: Sie lässt sich speichern - und abrufen, wenn sie benötigt wird. Man sagt, Bioenergie ist grundlastfähig. Einfach ausgedrückt kann Biomasse helfen, dass es auch Strom gibt, wenn es bei Nacht mal windstill ist. Auch ist Bioenergie sehr vielseitig: Wärme, Strom oder Kraftstoffe können daraus gewonnen werden.

Dennoch hat die Bioenergie auch Probleme. Stark thematisiert wird die sogenannte „Tank-Teller“ Problematik. Es gibt nur begrenzt Anbauflächen - und auf einen Feld können entweder Nahrungspflanzen oder Energiepflanzen wachsen. Dadurch kann es passieren, dass eine erhöhte Menge von Bioenergie zu teureren Nahrungsmitteln führt. In einer Welt, in der nach wie vor Menschen Hunger leiden, ist es nicht vertretbar, das im großen Stil Lebensmittel wie Getreide zu Bioenergie verarbeitet werden.

Unter Einsatz von Biomasse: eine Biogasanlage © Thinkstock

Bioenergie der zweiten Generation

Doch dafür gibt es eine Lösung: Bioenergie der zweiten Generation. So nennt man Bioenergie, die nicht aus essbaren Pflanzen gewonnen wird, sondern aus Biomasse, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion steht. Dazu gehören zum Beispiel Rest- und Abfallstoffe wie Stroh, die Blätter von Rüben und Möhren oder Nussschalen. Das Forschungsministerium finanziert Forschung in Konzepte zur Bioenergie der zweiten Generation und hat schon in der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 klar festgelegt, dass Lebensmittel immer Vorrang haben müssen.

Ein Beispiel ist die Produktion von Ethanol aus Stroh. Im bayrischen Straubing wurde 2012 eine Demonstrationsanlage in Betrieb genommen, die vom Ministerium mitfinanziert wurde. Das Ethanol kann als Treibstoff für Fahrzeuge verwendet werden, aber auch als Grundstoff für die Industrie, zum Beispiel als Lösungsmittel oder sogar, um den Kunststoff Polyethylen herzustellen.

Auch können manche Energiepflanzen wachsen, wo keine Nahrungspflanzen produktiv angebaut werden können. Dazu gehört zum Beispiel die Kreuzblättrige Wolfsmilch. Diese Pflanze kann auf sehr trockenen und schlechten Böden wachsen, etwa auf kargen Feldern im Mittelmeerraum. Auf diesen Flächen können keine Nahrungspflanzen angebaut werden, also tritt die Nutzung dieser Bioenergiepflanze nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Ganz im Gegenteil kann sie erlauben, auch stark degradierte Flächen überhaupt noch zu nutzen.