Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel

Ausschlaggebend für den Erfolg einer nachhaltigen Bioökonomie ist zum einen technisches Wissen. Wichtig ist zum anderen aber auch die Berücksichtigung der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge.

Der Wandel hin zu einer nachhaltigen bio-basierten Wirtschaftsweise stellt eine große gesellschaftliche und politische Herausforderung dar. Es geht darum, einen Beitrag zu einer nachhaltigen Versorgung mit Rohstoffen und Energie angesichts knapper werdender Ressourcen zu leisten. Der Übergang zu einer Bioökonomie wird wesentlich durch wissenschaftliche und technische Innovationen vorangetrieben. Sein Gelingen hängt aber auch entscheidend von sozialen Prozessen ab. Um den Wandel zu bewältigen, will die Bundesregierung technologische Innovationen mit ökonomischen und politischen Strategien verbinden. Darüber hinaus sind Transformationsprozesse vonnöten, die Ökologie, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft verknüpfen.

Die Bioökonomie ist eine gesellschaftliche und politische Herausforderung. © thinkstock

Ein gesellschaftlicher Transformationsprozess

Forschung und politisches Handeln müssen insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Ökologie berücksichtigen. Dazu gehört zum Beispiel die Konkurrenz um knappe Ressourcen, die sich angesichts einer weiter wachsenden Bevölkerung zuspitzt. Die Erzeugung von Nahrungsmitteln muss dabei nach dem erklärten Willen der Bundesregierung stets an erster Stelle stehen. Neben Landnutzungskonflikten spielt auch der Umbruch industrieller Strukturen eine Rolle. Zu beachten sind außerdem, sowohl in Deutschland als auch global, die fortschreitende Urbanisierung und sich verändernde Lebensstile sowie Konsumwünsche der Menschen.

Komplexe Wechselwirkungen im Blick

Die komplexen Wechselwirkungen und unerwartete Nebeneffekte werden oft erst in der systemischen Betrachtungsweise einer übergreifend sozial-, politik-, und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive erkennbar. Daher ist es das Ziel der Forschungsförderung, sozioökonomische Forschung als Teil einer umfassenden bioökonomischen Strategie zu etablieren und sie mit der natur- und technikwissenschaftlichen Forschung zu verzahnen. Die Ergebnisse sollen als wichtige Beiträge zur Umsetzung einer nachhaltigen bio-basierten Wirtschaftsweise genutzt werden.

Förderinitiative für Nachwuchsgruppen

Für die Erforschung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen zur Bioökonomie hat das Bundesforschungsministerium im Jahr 2014 das Konzept „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ erarbeitet und veröffentlicht. Das Konzept sieht eine Förderung in vier Modulen vor: Nachwuchsgruppen, thematische Verbünde, Begleitforschung und Monitoring.

Als erster Schritt ist im Frühjahr 2015 das Modul „Nachwuchsgruppen“ gestartet. Die Förderung von Gruppen aus den Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften, aber auch den Kultur- und Geisteswissenschaften, dient dazu, die Bioökonomie als sozial- und wirtschaftswissenschaftliches Forschungsfeld zu verankern und eine an gesellschaftlichen Herausforderungen orientierte Perspektive auf die Bioökonomie zu eröffnen.

Die Förderung wird es jungen Forscherinnen und Forschern ermöglichen, sich jenseits disziplinärer Grenzen ein konstruktives Forschungsumfeld zu schaffen, an innovativen Beiträgen zur Gestaltung einer bio-basierten Wirtschaft zu arbeiten und ihre Forschung mit natur- und technikwissenschaftlichen Disziplinen zu vernetzen.