Bioökonomie International

Globale Probleme lassen sich nicht auf nationaler Ebene lösen. Die Vernetzung und Abstimmung nationaler Bestrebungen hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft sind unabdingbar für eine funktionierende Bioökonomie.

Mädchen hält die Weltkugel hoch
© Adobe Stock, Chinnapong

Oft wird betont, die Bioökonomie sei regional, da der Nachhaltigkeitsgedanke in erster Linie die Nutzung standortspezifischer Roh- und Abfallstoffe oder lokaler Wertschöpfungs- und Lieferketten vorsieht. Doch in den vergangenen Jahren haben sich weltweit über 60 Regierungen dafür eingesetzt, die Bioökonomie in ihren politischen Strategien zu verankern. Um eine biobasierte Wirtschaft schrittweise einzuführen und damit zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) beizutragen, reichen jedoch einzelne nationale Forschungsbestrebungen allein nicht aus. Die Herausforderungen der Zukunft zu meistern erfordert, die Bioökonomie im globalen Kontext zu denken und die unterschiedlichen nationalen Bestrebungen zum Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft miteinander zu vernetzen.

Vorreiterrolle im internationalen Austausch

Schon mehrfach trug Deutschland in der Vergangenheit dazu bei, die Bioökonomie international zu vernetzen und damit den globalen Wandel hin zu einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Gemeinschaft voranzubringen. So wurden alle bisherigen Global Bioeconomy Summits (GBS) der Jahre 2015, 2018 und 2020 von Deutschland ausgerichtet, wenngleich der letzte auch nur in virtueller Form stattfinden konnte. Bei den Gipfeln tauschten sich jeweils bis zu 700 Vertreterinnen und Vertreteraus aller Welt über den Stand und die unterschiedlichen Entwicklungen zur Bioökonomie in ihren Ländern aus.

Bereits mit der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 sowie der Nationalen Politikstrategie Bioökonomie wurde das Ziel festgeschrieben, nationale Aktivitäten zur Bioökonomie mit denen anderer Länder zu verschränken. Die im Januar 2020 veröffentlichte Nationale Bioökonomiestrategie der Bundesregierung baut auf den Erkenntnissen der Umsetzung beider strategischen Papiere auf. Eine wichtige Querschnittsaufgabe der neuen Strategie ist es, internationale Kooperationen weiter zu stärken und auszubauen, sowohl auf europäischer wie auf globaler Ebene. Mit der Fördermaßnahme „Bioökonomie International“ hat das Bundesforschungsministerium bereits im Jahre 2012 die Grundlagen für weitreichende internationale Forschungsverbünde auf dem Gebiet der Bioökonomie gelegt und führt diese auch unter der neuen Bioökonomiestrategie fort.

Globale Zusammenarbeit – „Bioökonomie International“

„Bioökonomie International“ bildet eine wichtige Grundlage für die Förderung internationaler Forschungsverbünde zur Bioökonomie mit deutscher Beteiligung. Sie fördert die Verknüpfung deutscher Aktivitäten mit denen anderer Länder zu allen relevanten Fragestellungen und Herausforderungen im Kontext der Bioökonomie. Neben einem internationalen Modul werden bilaterale Module mit spezifischen Partnerländern oder Partnerregionen ausgeschrieben. Dabei wurde bisher bereits mit Argentinien, Brasilien, Chile, China, Indien, Kanada, Malaysia, Russland und Vietnam zusammengearbeitet, jedoch sind auch Projekte mit anderen nicht EU-Ländern möglich. Es handelt sich stets um Verbundprojekte: Mindestens ein Partner aus Deutschland forscht mit mindestens einem Partner im Ausland. Das Spektrum ausländischer Kooperationspartner soll dabei kontinuierlich anwachsen.

Entlang der Themenfelder der Nationalen Bioökonomiestrategie wird eine große inhaltliche Bandbreite von Projekten gefördert – von Pflanzenzüchtung und -schutz über Lebensmitteltechnologien bis hin zur Entwicklung von Biomaterialien und Reststoffnutzung. Dabei stehen insbesondere solche Vorhaben im Fokus, die auf die Nutzung biologischer Ressourcen und Verfahren setzen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern. Neben der Entwicklung neuer Technologien zum beiderseitigen Nutzen werden auch sozioökologische Aspekte in die Forschungsaktivitäten miteinbezogen. Über die Fördermaßnahme „Bioökonomie International“ wird ausschließlich die Arbeit der deutschen Forschungspartner gefördert.