Bioökonomie - neue Konzepte zur Nutzung natürlicher Ressourcen

Bioökonomie bedeutet, biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen zu nutzen. Die Bioökonomie basiert auf neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und schlägt eine Brücke zwischen Technologie, Ökologie und effizienter Wirtschaft.

Die Welt steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die Bevölkerung wächst weiter und muss ernährt werden. Bislang vielfach verwendete Rohstoffe und Energiequellen werden knapper; zudem wandelt sich das Klima. Wie können wir diesen Herausforderungen begegnen?

Neues Wirtschaften: Biologische Rohstoffe wie Pflanzen nachhaltig nutzen - etwa als Material für Autoreifen. © Thinkstock / camij

Die zukunftsweisende Wirtschaftsform der Bioökonomie gibt uns ein Mittel in die Hand, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Seit Tausenden von Jahren nutzt der Mensch die Vielfalt der Natur. Pflanzen und Tiere lieferten ihm fast alles, was er zum Überleben brauchte: Nahrung, Rohstoffe, Medizin, Kleidung oder Energie. Auch Mikroorganismen nutzen wir seit Beginn der Zivilisation, etwa um Brot zu backen oder Bier zu brauen. Heute ermöglichen uns die modernen Lebenswissenschaften und Technik, die biologischen Prozesse immer effektiver einzusetzen und weiter zu entwickeln. Mit der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ fördert die Bundesregierung diese nachhaltige und wissensbasierte Wirtschaftsform.

Traditionell setzen einige Wirtschaftszweige schon immer biologische Ressourcen und Verfahren ein: Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Fischerei und Aquakulturen, Pflanzenzüchtung, Nahrungsmittelindustrie sowie Holz-, Papier-, Leder-, Textil-, Chemie- und Pharmaindustrie oder sogar Energiewirtschaft. Bio-basierte Innovationen etablieren sich heute jedoch zusehends auch in der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, im Rohstoff- und Lebensmittelhandel, der IT-Branche sowie der Umwelttechnologie.

Der Werkzeugkasten der Natur vereint mit dem Ideenreichtum des Menschen

Im Laufe der Evolution gelang es Lebewesen unter den widrigsten Umständen zu wachsen. Nahezu überall auf dem blauen Planeten gedeiht Leben – auch unter größter Hitze, Kälte oder Trockenheit. Am erfolgreichsten erweisen sich die Organismen, die Ressourcen optimal verwerten. Die Bioökonomie nutzt das Wissen über die vielfältigen Überlebensstrategien der Natur und verknüpft dieses mit dem Erfindungsreichtum des Menschen. Technische und kulturelle Errungenschaften wachsen zusammen mit dem Werkzeugkasten der Natur.

Zum Beispiel lässt sich das klimaschädliche Erdöl bei der Herstellung von Kunststoffen durch pflanzliche Rohstoffe ersetzen. Pflanzen wachsen stetig nach und entziehen bei ihrem Wachstum der Atmosphäre genau so viel CO2 wie bei einer eventuellen Verbrennung wieder freigesetzt wird – sie sind also klimaneutral. Dagegen befeuert der Verbrauch der fossilen Rohstoffe Erdöl, Erdgas oder Kohle den verheerenden Treibhauseffekt.

Die biobasierte Wirtschaft will auch den Folgen des bereits eingetretenen Klimawandels entgegentreten. Optimierte Pflanzen sollen trotz Dürren oder Überflutungen die weiter wachsende Menschheit ausreichend mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen.

Die Natur liefert zudem eine Fülle nachwachsende Rohstoffe – die auch die Industrie heute nutzen kann. Erdöl als Basis vieler chemischer Produkte geht irgendwann zur Neige, dagegen wachsen Pflanzen jedes Jahr von neuem. Nachwachsende Rohstoffe bieten eine beachtenswerte Alternative. Wertvolle Dienste leisten auch Bakterien oder Pilze. Sie liefern nicht nur Rohstoffe oder medizinische Wirkstoffe, sondern dienen auch als Helfer bei der Herstellung vieler Produkte. Von ihnen gewonnene Stoffe, wie zum Beispiel Enzyme, können Reaktionen auf umweltfreundliche Art in Gang bringen.

Bioökonomie global und sozial entwickeln

Schließlich dient die Natur als Energiequelle. Abfall- und Reststoffe können Treibstoff, Strom und Wärme liefern. Damit jedoch nicht Nahrungspflanzen zugunsten der Energiegewinnung verdrängt werden, setzt die Bundesregierung Prioritäten. Zuerst kommt die Erzeugung von Nahrung, dann die Nutzung als Rohstoff und an letzter Stelle die Energiegewinnung. Damit die Verantwortlichen mögliche Konflikte frühzeitig erkennen, bezieht die Bundesregierung in ihre Bioökonomie-Strategie auch die Sozialwissenschaften ein. Sie erforschen insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Technik, Gesellschaft, Wirtschaft und Ökologie.

Um eine wissensbasierte, international wettbewerbsfähige Bioökonomie zu entwickeln, benennt die „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ fünf wesentliche Handlungsfelder:

• die weltweite Ernährung sichern

• Agrarproduktion nachhaltig gestalten

• gesunde und sichere Lebensmittel produzieren

• nachwachsender Rohstoffe industriell nutzen

• Energieträger auf Basis von Biomasse

Mit dem Ausbau der Bioökonomie stellt sich die Bundesregierung den Herausforderungen der Zukunft, übernimmt globale Verantwortung und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.