BiSS - Bildung durch Sprache und Schrift

Wie kann man Kinder und Jugendliche bestmöglich sprachlich fördern? Und welche Fähigkeiten brauchen Lehrkräfte, damit dies auch gut gelingt? Um diese Fragen geht es bei der Initiative BiSS (Bildung durch Sprache und Schrift).

Kinder und Jugendliche bestmöglich fördern: zwei Schüler einer Schule in Stuttgart © picture alliance / dpa

BiSS (Bildung durch Sprache und Schrift) ist eine gemeinsame Initiative des Bundes und der Länder, um Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung in Kindertageseinrichtungen und Schulen weiter zu verbessern. In dem siebenjährigen Programm, 2012 beschlossen und von 2013 bis 2019 laufend, arbeiten frühpädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Bildungsforschung, Bildungsverwaltung und Bildungspolitik gemeinsam daran, Konzepte und Maßnahmen zur sprachlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen weiterzuentwickeln. Zugleich überprüfen sie, wie wirksam diese unter alltagspraktischen Bedingungen sind.

Initiative von Bund und Ländern

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder (JFMK) vereinbarten im Oktober 2012 die gemeinsame Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS).

Gemeinsam arbeiten und forschen: die BiSS-Verbünde

An BiSS nehmen Kinder und Jugendliche bis zur Sekundarstufe I mit Deutsch als Familiensprache teil, aber auch mehrsprachige Kinder mit Migrationshintergrund und neu zugewanderte Kinder und Jugendliche. Rund 200 Kitas und 400 Grundschulen sowie weiterführende Schulen aus allen Bundesländern sind an BiSS beteiligt. Die Einrichtungen haben sich zu sogenannten BiSS-Verbünden zusammengeschlossen. Ein solcher BiSS-Verbund besteht aus drei bis zehn Kitas oder Schulen, die zu verschiedenen Aspekten des Themas „Bildungssprache Deutsch“ arbeiten und forschen. Dabei geht es beispielsweise um sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kita, die spielerisch in den Kita-Alltag integriert wird oder um Schulunterricht, der in allen Fächern die sprachliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt und fördert. Ebenso beschäftigen sich viele BiSS-Verbünde mit Lesefähigkeiten und der Steigerung der Lesefreude.

Steuerung und wissenschaftliche Koordination

Die Steuerung der Bund-Länder-Initiative übernimmt ein Lenkungsausschuss. Er tagt zwei- bis dreimal jährlich und berät darüber, welche Richtung für das gesamte Programm bestmöglich eingeschlagen wird. Mitglieder des Lenkungsausschusses sind Vertreterinnen und Vertreter des BMBF, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Länder sowie der kommunalen Spitzenverbände und der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege. Mit der wissenschaftlichen Gestaltung und Koordination der Bund-Länder-Initiative ist ein Trägerkonsortium beschäftigt. Das BiSS-Trägerkonsortium besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln, des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

Als pädagogische Fachkraft dazulernen: Weiterbildung und Qualifizierung

Die pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte aus den BiSS-Verbünden werden von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Trägerkonsortiums fachlich begleitet und beraten. Sie können an zahlreichen Tagungen, Fortbildungen und Weiterqualifizierungsangeboten teilnehmen, zum Teil auch in Form von "Blended-Learning-Kursen". Ihre Weiterbildung und Qualifizierung in den Bereichen Sprachbildung, Sprachdiagnostik und -förderung sowie Lesediagnostik und -förderung ist eines der zentralen Ziele von BiSS. In einer Tooldatenbank werden zudem Diagnostik-, Förder- und Professionalisierungsmaßnahmen (= Tools)  für den Bereich sprachliche Bildung gesammelt, beschrieben und wissenschaftlich fundiert bewertet. Darauf können Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte zurückgreifen. Zudem erhalten sie Broschüren und Handreichungen mit Empfehlungen für ihre tägliche Arbeit.

Wissen, was wie und warum wirkt: Evaluation

Mehr als die Hälfte der BiSS-Kitas und -Schulen nimmt an einer externen Evaluation teil. In den wissenschaftlichen Evaluationsprojekten  werden Diagnostik-, Förder- und Professionalisierungsmaßnahmen im Elementar- und Schulbereich optimiert und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft. Im Fokus stehen die Bedingungen, unter denen sprachliche Bildung und Leseförderung für Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen besonders gut gelingt.

Entwicklung und Innovation

Neben den Evaluationsvorhaben werden in BiSS auch Entwicklungsvorhaben durchgeführt. Hier wird innovative Forschung zu Aspekten der sprachlichen Bildung gefördert, die relevant für die Praxis, aber noch wenig erforscht sind. Die Ergebnisse der Entwicklungsvorhaben fließen in die Bund-Länder-Initiative ein und werden allen BiSS-Verbünden und auch in der Tooldatenbank zur Verfügung gestellt.

Ergebnisse in die Praxis bringen

Das Bundesbildungsministerium fördert den wissenschaftlichen Teil von BiSS in Form eines Trägerkonsortiums sowie von Evaluations- und Entwicklungsvorhaben mit insgesamt rund 23,8 Millionen Euro. Nach dem Ablauf der Bund-Länder-Initiative verstetigen die Bundesländer die Ergebnisse von BiSS nachhaltig und sorgen dafür, dass erfolgreiche Maßnahmen und Konzepte der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung in die Fläche gelangen und von vielen pädagogischen Fachkräften und Lehrerinnen und Lehrern genutzt werden können.