Blindgänger: Innovative Technik zur Entschärfung

Die einen lassen Bomben verpuffen, die anderen simulieren Gefahrenzonen bei Explosionen in Städten: Das Bundesforschungsministerium unterstützt Projekte, die zur Sicherheit bei der Entschärfung von Weltkriegsbomben beitragen.

DEFLAG
Mittels eines Laserstrahls wird die Stahlhülle von Bomben eingekerbt und so gezielt geschwächt. Bei der kontrollierten Sprengung kommt es so nicht mehr zur Explosion: Vielmehr verpufft die Bombe. © Laurentiu Iordache / Fotolia.com

Mehr als 60.000 Menschen mussten am Sonntag in Frankfurt evakuiert werden, um eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Schon am Samstag mussten in Koblenz vor Räumung einer Weltkriegsbombe rund 20.000 Anwohner ihre Häuser verlassen. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes haben beide Blindgänger erfolgreich beseitigt. Über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs bleibt die Beseitigung von Blindgängern ein aktuelles Thema. Besonders in Städten stellen Bombenfunde die Verwaltung, Polizei, Feuerwehr und den Kampfmittelräumdienst vor Herausforderungen: Gefahrenzonen müssen genau bestimmt werden, damit  notwendige Evakuierungsmaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden können. Misslingt die Entschärfung der Bombe, muss der Kampfmittelräumdienst zudem eine kontrollierte Sprengung gewährleisten. Das Bundesforschungsministerium fördert zahlreiche Projekte im Bereich der zivilen Sicherheitsforschung: darunter die Projekte DETORBA und DEFLAG.

Auf dicht besiedeltem Raum sind die Auswirkungen von Bombensprengungen schwer vorhersagbar

Bei der Detonation einer Bombe wird schlagartig große Energie freigesetzt. Das führt zu einer Druckwelle, die sich um den Ort der Explosion ausbreitet. Trifft diese Druckwelle auf ein Hindernis, wird sie reflektiert. Besonders auf dicht bebautem Raum, wie beispielsweise in Städten, kann das eine verheerende Wirkung entfalten.

Die Ausbreitung von Druckwellen vorherzusagen, war das Ziel des Projekts DETORBA, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wurde. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München ist es gemeinsam mit den Unternehmern CADFEM und virtualcitySYSTEMS gelungen, anhand von 3D-Modellen die komplexe Druckwellenentwicklung in Städten in bisher einmaliger Genauigkeit zu simulieren und zu analysieren.

Evakuierungen bei Bombenentschärfungen zielgerichteter planen und durchführen

Das im Projekt entwickelte System stellt die Gefahrenzonen realitätsnah dar und zeigt diese auf einer Gefährdungskarte. „Die Druckwellenausbreitung im urbanen Raum können wir mit unserem System sehr gut vorhersagen“, sagt Stefan Trometer von der Firma CADFEM, die das Projekt federführend betreute. Im Falle von Fliegerbomben gehe jedoch noch von einer zweiten Quelle eine Gefahr aus: vom Splitterflug der explodierenden Stahlhülle. „Wir arbeiten daran, diese Komponente ebenfalls in unser System zu integrieren“, sagt Trometer. So soll letztlich ein System entstehen, das ein realistisches Lagebild ermittelt – und so zur Sicherheit aller Beteiligten beiträgt.Die Chancen stehen also gut, dass bei Fliegerbombenfunden in Zukunft weniger Menschen evakuiert werden müssen.

Die Wirkung der Bombe verpufft

Aber es gibt auch Blindgänger, bei denen eine Entschärfung nicht möglich ist – wenn zum Beispiel die Zündmechanismen nicht ausgebaut werden können. Dann müssen die Kampfmittelräumdienste die Bombe kontrolliert sprengen. Im Projekt DEFLAG, das vom Bundesforschungsministerium bis zum Jahr 2019 gefördert wird, erarbeiten Forscher deshalb ein neues Verfahren, das die Risiken bei einer kontrollierten Sprengung von Kampfmitteln minimiert. Dafür wird die Stahlhülle eines Blindgängers mit einem Laserstrahl systematisch eingekerbt und geschwächt. Bei der kontrollierten Sprengung kommt es so nicht mehr zur Explosion: Vielmehr verpufft die Bombe. Ziel der Forscherinnen und Forscher ist es, ein mobiles System zu entwickeln, das die kontrollierte Sprengung von Blindgängern ermöglicht.