Blutvergiftung schneller erkennen

Ein Handliches Minilabor kann Leben retten: Die HemoSpec-Gruppe in Jena hat ein Diagnoseverfahren entwickelt, das Blutvergiftungen in kürzester Zeit erkennt und Medizinern gezieltere Behandlungen ermöglicht.

Forschungsteam bei der Analyse im Labor. © Sven Döring, Leibnitz-Institut für Photonische Technologien Jena

Alle vier Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch an den Folgen einer Sepsis. Dieser lebensbedrohliche Zustand — umgangssprachlich Blutvergiftung genannt — tritt ein, wenn das Immunsystem sich gegen den eigenen Körper richtet: Bei dem Versuch, eine Infektion zu bekämpfen, beschädigt es Gewebe und Organe. Eine Sepsis endet schnell tödlich — jede Stunde Wartezeit auf die richtige Therapie verschlechtert die Überlebenschancen der Patientin oder des Patienten drastisch. Doch eine Sepsis wird oft zu spät erkannt und behandelt.

Ein Grund: Mediziner lesen die wichtigsten Informationen über den Zustand eines Sepsis-Patienten an seinem Blutbild ab. Das jedoch verrät nur wenig über die Art der Infektion und die Immunantwort des Körpers. Dem europäischen Forschungsverbund HemoSpec ist es gelungen, die Aussagekraft dieser Blutanalyse enorm zu verbessern. Mit optischen Technologien gewinnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innerhalb kürzester Zeit genau die Informationen, die für eine gezielte Behandlung entscheidend sind.

Im HemoSpec-Projekt arbeiteten Forscherteams der Universitätskliniken Jena und Athen (Griechenland) und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) Jena mit Partnern aus Italien, Portugal, Frankreich, und Dänemark zusammen. Ein großer Vorteil dieses direkten Austauschs von Entwicklern und klinischen Experten bestand darin, dass die Ergebnisse aus dem Forschungslabor gleich im klinischen Umfeld getestet werden konnten. Koordiniert wurde das Projekt vom Leibniz-IPHT.

Wofür wird der Dahrendorf-Preis verwendet?

Das HemoSpec-Team möchte ein allgemeines Bewusstsein dafür schaffen, wie sich schwere Infektionskrankheiten verbreiten, wie sie sich vermeiden lassen und wie optische Gesundheitstechnologien dazu beitragen können, sie zu behandeln. Kern der Kampagne ist ein temporärer Science-Pop-up-Shop in einem belebten Jenaer Einkaufszentrum.

Dort wollen die Forschenden mit Menschen jeden Alters ins Gespräch kommen, wollen sie informieren und begeistern: mit „Lunch Lectures“, Experimentier- und Lichtspielzonen und zahlreichen Angeboten, bei der Forschungsarbeit über die Schulter zu schauen. Vorbereitet und begleitet wird der Science-Pop-up-Shop mit einer Social-Media-Kampagne. Um das Thema Sepsis auch längerfristig wach zu halten, wird ein Wissenschaftscomic entwickelt, der in Schulen, Kliniken, Praxen und im öffentlichen Raum verteilt wird.

Gefördert durch

7. EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Spezifisches Programm „Kooperation“, Programm Informations- und Kommunikationstechnologien.