BMBF stellt Service-Website für Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten vor

Rund 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben, haben jedoch Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. Für die Betroffenen hat das BMBF eine Service-Seite entwickelt.

Anlässlich des Weltalphabetisierungstages am 8. September 2020 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Service-Seite für Erwachsene mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen entwickelt. Unter mein-schlüssel-zur-welt.de können sich ab sofort Lern-Interessierte und ihr persönliches Umfeld über digitale und analoge Lern- und Beratungsangebote informieren. Alle Informationen sind auch über eine Vorlesefunktion verfügbar. Da Erwachsene mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen laut LEO-Studie überdurchschnittlich häufig soziale Medien nutzen, informiert die Kampagne ab sofort auch regelmäßig via Facebook und YouTube über aktuelle Lernangebote, Alltagshilfen und persönliche Erfolgsgeschichten von Lernenden.

Es darf nicht sein, dass im Jahr 2020 Erwachsene in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben können! Wir brauchen auch eine digitale Chancengerechtigkeit! Dafür müssen wir neben Lese- und Schreibkompetenzen auch die Medienkompetenz von gering Literalisierten verbessern. Vor diesem Hintergrund fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Angebote, die Alphabetisierung mit der Vermittlung von Medienkompetenz kombinieren.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Jeder achte Erwachsene in Deutschland kann nicht ausreichend lesen und schreiben

LEO-Studie 2018
LEO-Studie 2018 © BMBF

Rund 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben, haben jedoch Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. Das macht die Gutenachtgeschichte für die Kinder, die Speisekarte im Restaurant, den Brief vom Amt oder den Beipackzettel eines Medikaments häufig zur unüberwindbaren Hürde. 62 Prozent der Betroffenen sind erwerbstätig, die Mehrheit sind Männer. Muttersprachler überwiegen mit einem Anteil von über 50 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam die aktuelle LEO-Studie der Universität Hamburg, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Auftrag gegeben hat.

Wer sind die Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können?

LEO-Studie 2018
LEO-Studie 2018 © BMBF

Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, sind häufig in Familien aufgewachsen, in denen Sprache und Schrift einen geringen Stellenwert hatten. Bücher, Zeitschriften oder Zeitungen gab es in den Haushalten kaum. Meist wurden sie von ihren Eltern kaum gefördert, waren im Grundschulalter länger krank oder sind in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen. Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen arbeiten meist in sogenannten Helferjobs, insbesondere in der Nahrungsmittelzubereitung, der Bauchbranche oder als Reinigungskraft. Die zunehmende Digitalisierung des Arbeitsplatzes und wachsende Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt stellen Betroffene und Betriebe vor besondere Herausforderungen. Denn bisher einfache Arbeitstätigkeiten werden zunehmend komplexer.

Wie fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten?

Bund und Länder haben eine Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) ausgerufen. Gemeinsam mit gesellschaftlichen Organisationen wollen sie im Zeitraum von 2016 bis 2026 die Lese- und Schreibfähigkeiten Erwachsener in Deutschland deutlich verbessern. Das Bundesbildungsministerium fördert die AlphaDekade mit rund 180 Millionen Euro. Gefördert werden insbesondere Projekte, die Beschäftigte mit Alphabetisierungs- und Grundbildungsbedarf am Arbeitsplatz unterstützen. So wenden die Beschäftigten die neuen Kenntnisse sofort am Arbeitsplatz an. Das sichert nicht nur den Job, die Erfolgserlebnisse tragen auch zur Motivation für weitere Qualifizierungsmaßnahmen innerhalb des Unternehmens bei. Andere geförderte Projekte erreichen Eltern mit Lese- und Schreibschwierigkeiten über soziale Beratungsstellen, Mehrgenerationenhäuser oder andere Begegnungsstätten. Hier machen sie niedrigschwellige Angebote, wie zum Beispiel das gemeinsame Lesen von Behördenbriefen oder Mietverträgen in Lerncafés. Um die finanzielle Grundbildung von Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten zu erhöhen, werden auch Schuldnerberatungsstellen für diese Zielgruppe sensibilisiert.