Brasilien: Forschungspartner für Nachhaltigkeit und Innovation

Deutschland und Brasilien forschen gemeinsam für die innovative und nachhaltige Nutzung von Ressourcen und für den Erhalt der Umwelt. Brasilien ist in Bildung und Forschung der wichtigste Partner Deutschlands in Lateinamerika.

Deutsch-brasilianische Zusammenarbeit im Amazonasgebiet: Der höchste Klima-Messturm "Amazonian Tall Tower Observatory" (ATTO) hilft, Klimaveränderungen besser zu verstehen und die grünen Lungen unseres Planeten zu schützen. © Susanne Benner, MPI für Chemie

Brasilien stellt inzwischen die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt dar. Das Land hat die wichtige Bedeutung von Innovation für die Entwicklung der eigenen Wirtschaft erkannt und seine Forschungspolitik entsprechend ausgerichtet.

Deutschland ist für Brasilien dabei ein traditioneller und wichtiger Partner. Über 1200 deutsche Unternehmen sind in Brasilien niedergelassen. Sie erzielten mit etwa 250.000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 33 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa 6,5 Prozent des brasilianischen Bruttoinlandprodukts.

Die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützte Brasilien beim Aufbau eines Netzwerks von zunächst 13 neuen Innovationszentren. Sie begleitet auch den Aufbau von 25 weiteren Instituten in ganz Brasilien, die zusammen mit der Industrie forschen sollen.

Der Kreislauf von der Gewinnung von Rohstoffen bis zur Entwicklung und Herstellung sowie der Nutzung und dem Recyceln von Produkten muss umweltschonend und wirtschaftlich sein. Die Abläufe sind daher ständig zu modernisieren. In diesem Bereich arbeiten über 30 Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Brasilien seit 2009 in dem Forschungsverbund „BRAGECRIM“ zusammen. Das Programm wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Gemeinsame Forschungsziele

Die Bundesregierung baut die Partnerschaft mit Brasilien systematisch aus. Die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie ist hierbei seit mehr als 45 Jahren ein wichtiger Bereich. Dies hebt der "Aktionsplan der deutsch-brasilianischen strategischen Partnerschaft" hervor. Regelmäßige hochrangige Besuche unterstreichen die Bedeutung des Forschungspartners Brasilien. Im Jahr 2014 besuchte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel Brasilien.

Beide Regierungen vereinbaren auf den Sitzungen der Gemischten Kommission die Ziele der künftigen Zusammenarbeit. Das Gremium trifft alle drei Jahre zusammen; zuletzt 2013 in Brasília. Bei diesen Gesprächen legt das Bundesforschungsministerium im Dialog mit den Partnerministerien für Wissenschaft sowie für Bildung die Schwerpunktthemen der Zusammenarbeit fest. Diese konzentriert sich auf die Bereiche Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, Lebenswissenschaften, Bioökonomie sowie auf die Kooperation der Hochschulen.

Unter dem Motto „Wo Ideen sich verbinden“ hat von Mai 2013 bis Mai 2014 das Deutschlandjahr in Brasilien stattgefunden. Deutsche Forschungseinrichtungen haben sich und ihre Kompetenzen in dieser Zeit in zahlreichen Veranstaltungen präsentiert. Das Bundesforschungsministerium hat diese Aktivitäten mit über 1 Million Euro gefördert.

Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen

Gemeinsam mit Brasilien forscht Deutschland an neuen Konzepten zum Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Atmosphäre.

Mitten im brasilianischen Amazonasgebiet hat das Bundesforschungsministerium den Aufbau des Atmosphärenmessturms ATTO (Amazonian Tall Tower Observation Facility) mit 4,5 Millionen Euro gefördert. Der Turm ist 325 Meter hoch und wurde unter schwierigen Bedingungen im Regenwald aufgebaut. Ein großer Aufwand, der sich langfristig auszahlen soll. Mit hochempfindlichen Messgeräten wollen Deutsche und Brasilianer den Zusammenhang zwischen Klima, Atmosphärenchemie und dem Regenwald beobachten. Die Messergebnisse sollen ermöglichen, die Klimaentwicklungen in der Zukunft besser vorherzusagen.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt mit seinem Programm „Nachhaltiges Landmanagement“ mehrere deutsch-brasilianische Projekte, die den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Rohstoffen wie Wasser und Regenwald fördern. Deutsche und brasilianische Forscher bekämpfen gemeinsam die Wasserarmut im trockenen Nordosten Brasiliens und entwickeln zum Beispiel Methoden, die ein Wiederverwenden von Abwasser ermöglichen. Das Projekt „Integrierte Ökotechnologien – INTECRAL“ erarbeitet Konzepte, damit sich die Landbevölkerung im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro langfristig durch nachhaltige Landwirtschaft ernähren kann. Dabei erhalten Kleinbauern entsprechende Schulungen.

In Brasilien werden große Mengen an nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr, Soja oder Holz angebaut. Es wird daraus seit vielen Jahren Ethanol als Biotreibstoff hergestellt. Die Erfahrungen Brasiliens in diesem Bereich sind für Deutschland wichtig. Das Bundesforschungsministerium fördert daher im Rahmen des Förderprogramms „BioÖkonomie International“ seit 2014 drei Projekte mit Brasilien. Beide Länder wollen die Zusammenarbeit in diesem Bereich weiter ausbauen.

Wissensaustausch über Grenzen hinweg

Deutsche und Brasilianische Hochschulen arbeiten eng zusammen, es bestehen mehr als 500 Vereinbarungen zur Zusammenarbeit. Zahlreiche Wissenschaftler und Studierende lernen bei Forschungsaufenthalten das Hochschulsystem des jeweils anderen Landes kennen und tauschen sich in Forschungsprojekten aus.

Brasilien baut die internationale Vernetzung seiner Studenten und Wissenschaftler aus und fördert dieses mit dem Stipendienprogramm „Science without Borders“. In den letzten drei Jahren kamen über 6.000 Studierende und Wissenschaftler aus Brasilien nach Deutschland. Das Bundesbildungsministerium fördert eine Plattform, auf der die Stipendiaten passende Forschungseinrichtungen in Deutschland finden können.