Brasilien: Forschungspartner für Nachhaltigkeit und Innovation

Deutschland und Brasilien forschen gemeinsam für die innovative und nachhaltige Nutzung von Ressourcen und für den Erhalt der Umwelt. Brasilien ist in Bildung und Forschung der wichtigste Partner Deutschlands in Lateinamerika.

Deutsch-brasilianische Zusammenarbeit im Amazonasgebiet: Der höchste Klima-Messturm "Amazonian Tall Tower Observatory" (ATTO) hilft, Klimaveränderungen besser zu verstehen und die grünen Lungen unseres Planeten zu schützen. © Susanne Benner, MPI für Chemie

Brasilien ist die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land hat die zentrale Bedeutung von Innovation für die Entwicklung der eigenen Wirtschaft erkannt und seine Forschungspolitik entsprechend ausgerichtet.
Deutschland ist für Brasilien dabei ein traditioneller und wichtiger Partner. Über 1400 deutsche Unternehmen sind in Brasilien niedergelassen. Sie tragen mit etwa 10 Prozent zum industriellen Bruttoinlandsprodukt Brasiliens bei. Allein im Bundesstaat São Paulo sind etwa 250.000 Mitarbeiter in deutschen Unternehmen beschäftigt.
Die Fraunhofer-Gesellschaft hat Brasilien beim Aufbau eines Netzwerks von 23 neuen Innovationszentren unterstützt. Fraunhofer-Expertinnen und -Experten begleiten darüber hinaus den Aufbau von 26 weiteren Instituten in ganz Brasilien, die zusammen mit der Industrie forschen sollen.

Der Kreislauf von der Gewinnung von Rohstoffen über die Entwicklung und Herstellung bis hin zur Nutzung und dem Recyceln von Produkten muss umweltschonend und wirtschaftlich sein. Die Verfahren und Prozesse sind daher ständig zu modernisieren. In diesem Bereich arbeiten über 30 Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Brasilien seit 2009 in dem Forschungsverbund „BRAGECRIM“ zusammen. Das Programm wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Gemeinsame Forschungsziele

Die Bundesregierung baut die Partnerschaft mit Brasilien systematisch aus. Die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie ist hierbei seit mehr als 45 Jahren ein wichtiges Element. Dies hebt der "Aktionsplan der deutsch-brasilianischen strategischen Partnerschaft" hervor.

Beide Regierungen treffen sich regelmäßig, um die Ziele der künftigen Zusammenarbeit zu vereinbaren. Bei diesen Gesprächen legt das BMBF im Dialog mit den brasilianischen Partnerministerien für Wissenschaft sowie für Bildung die Schwerpunktthemen der Kooperation fest. Im Jahr 2015 fanden erstmals Regierungskonsultationen auf höchster Ebene zwischen Deutschland und Brasilien statt. Dabei wurden die Themen Wirtschaftsstrategische Rohstoffe, Bioökonomie, Meeresforschung, Urbanisierung sowie der Austausch zwischen Hochschulen als zentrale Kooperationsgebiete vereinbart.

Unter dem Motto „Wo Ideen sich verbinden“ hat von Mai 2013 bis Mai 2014 das Deutschlandjahr in Brasilien stattgefunden. Das BMBF hat in dieser Zeit zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen mit insgesamt über einer Millionen Euro gefördert.

Nachhaltiger Umgang mit Umwelt und Ressourcen

Gemeinsam mit Brasilien forscht Deutschland an neuen Konzepten zum Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Atmosphäre. Mitten im brasilianischen Amazonasgebiet hat das BMBF den Aufbau des Atmosphärenmessturms ATTO (Amazonian Tall Tower Observation Facility) bisher mit 5,3 Millionen Euro gefördert. Der Turm ist 325 Meter hoch und wurde unter schwierigen Bedingungen im Regenwald aufgebaut. Ein großer Aufwand, der sich langfristig auszahlen soll. Mit hochempfindlichen Messgeräten beobachten Deutsche und Brasilianer den Zusammenhang zwischen Klima, Atmosphärenchemie und dem Regenwald. Die Messergebnisse sollen ermöglichen, die Entwicklung des Klimas in der Zukunft besser vorherzusagen.

In Brasilien werden große Mengen an nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr, Soja oder Holz angebaut. Es wird daraus seit vielen Jahren Ethanol als Biotreibstoff hergestellt. Die Erfahrungen Brasiliens in diesem Bereich sind für Deutschland wichtig. Das BMBF fördert daher im Förderprogramm „BioÖkonomie International“ derzeit acht Projekte mit Brasilien. Die Forscherteams untersuchen zum Beispiel die Gewinnung von Ölen aus einer einheimischen Palme. Sonnenblumenkerne sollen vollständig für die Herstellung von Bioenergie und von Lebensmitteln genutzt werden. Als Basis für eine nachhaltige Landwirtschaft wird die Kreislaufführung von Nährstoffen aus der Zuckerrohrindustrie erforscht. Auch im Meer können biogene Rohstoffe produziert werden. So wird in einem Projekt der Anbau und die Verarbeitung von Algen untersucht, die für Lebens- und Futtermittel genutzt werden sollen. Beide Länder wollen die Zusammenarbeit in der Bioökonomie weiter ausbauen.

Rohstoffe für die Technologien von morgen

Metalle und Mineralien sind endliche Ressourcen. In vielen Technologien, wie in der Elektromobilität oder der Windkrafterzeugung, sind Rohstoffe wie die Seltenen Erden unverzichtbar. Brasilien ist ein wichtiger Produzent von Metallen. Deshalb haben Brasilien und Deutschland vereinbart, die Zusammenarbeit bei der Erforschung der wirtschaftsstrategischen Rohstoffe zu intensivieren.

Das BMBF unterstützt im dem Programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ mehrere deutsch-brasilianische Projekte, die den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Rohstoffen fördern. Zum Beispiel untersucht ein Forschungsverbund die Kreislaufführung von hochwertigen Metallen in der Stahlindustrie.
Zur Förderung weiterer deutsch-brasilianischer Kooperationsprojekte im Bereich Rohstoffe und insbesondere der Seltenen Erden, steht das Förderprogramm „CLIENT II Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen" bis Anfang 2019 offen.

Gesellschaftliches Miteinander gerechter gestalten

Das Zusammenleben in Gesellschaften, die von starker Ungleichheit und kulturellen, religiösen und ethnischen Unterschieden geprägt sind, ist eine soziale Herausforderung. Ein deutsch-brasilianisches Forschungsteam sucht hierfür Lösungsansätze. Es baut zu diesem Zweck seit April 2017mit Fördermitteln des BMBF ein geistes- und sozialwissenschaftliches Zentrum in São Paulo auf. Die Freie Universität Berlin, die Universität von São Paulo und weitere Partner aus Deutschland und Lateinamerika untersuchen, wie das soziale Gefälle in einer heterogenen Gesellschaft vermindert werden kann. Unter dem Dach des „Maria Sibylla Merian Centre for Advanced Studies“ arbeiten etablierte Spitzenforscherinnen und -forscher mit wissenschaftlichem Nachwuchs zusammen.