Bürgerforschung

Mit vielfältigen Projekten stärkt das BMBF die Bürgerforschung in Deutschland und deren nachhaltige Verankerung im Wissenschaftssystem. Denn Citizen Science ist eine große Chance für die Wissenschaft und eine Bereicherung für die Gesellschaft.

Aus aktuellem Anlass: Jetzt mitforschen – auch von zuhause

Wir bleiben zuhause! Doch das heißt noch lange nicht, dass Sie bei Langeweile zur Couch Potato werden müssen. Werden Sie lieber zum Couch Citizen-Scientist! Wie? Einfach auf die unten stehenden Projekte klicken und mehr erfahren.

Expedition Erdreich

Gesunde Böden sind vielfältig, wertvoll und vor allem: extrem wichtig. Sie sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sichern unsere Nahrungsmittelproduktion, filtern Schadstoffe aus unserem Trinkwasser und spielen eine große Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt und für das Klima. Um den Zustand unserer Böden bewerten und sie in Zukunft nachhaltiger nutzen zu können, werden zahlreiche Daten aus ganz Deutschland benötigt.

Und hier kommt die Expedition Erdreich ins Spiel: Bei der Mitmach-Aktion wird mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden der Boden erkundet. Die Ergebnisse werden anschließend in eine Datenbank hochgeladen, wo sie ausgewertet und mit den Datensätzen anderer Teilnehmenden verglichen werden können. Nach Abschluss der Aktion werden die Ergebnisse außerdem in eine europäische Datenbank eingespeist und von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Verbesserung von Boden- und Klimamodellen verwendet. Im Frühjahr 2021 startet die Expedition. Anmelden kann man sich aber schon jetzt unter diesem Link: expedition-erdreich.de

Plastic Pirates

Alles, was in Bächen, Flüssen und Strömen landet, kann mit dem Wasser in die Meere und Ozeane geschwemmt werden. Plastikmüll zum Beispiel. Dort gefährdet er Tiere und gelangt in die marine Nahrungskette. Das Vorkommen von Plastikmüll in und an europäischen Fließgewässern ist jedoch vielerorts noch unerforscht. Die Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!“ für Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren trägt seit 2016 dazu bei, diese Lücke zu schließen. Ab Herbst 2020 werden die Plastikpiraten unter dem neuen Titel "Plastic Pirates – Go Europe!" weitergeführt, den Plastikmüll macht an Grenzen nicht halt. Da Citizen Science und Bürgerbeteiligung einen Schwerpunkt in den sogenannten Missionen des zukünftigen Forschungsrahmenprogramms Horizont Europa spielen werden. Der nächste Aktionszeitraum startet im Frühjahr 2021. 

www.plastic-pirates.eu

SenseBox

Die SenseBox ist ein Do-it-yourself-Bausatz für stationäre und mobile Sensoren. Mit der SenseBox können Bürger Umweltdaten über Klima, Luftqualität, Verkehrsaufkommen, Lärmbelästigung und vieles mehr positionsbezogen messen und so zu genaueren Aussagen über lokale Umweltphänomene beitragen. Die Daten werden im Internet auf einer Open-Data-Karte bereitgestellt. Die Bürger können ihre eigenen lokalen Forschungsfragen stellen und die nötigen Daten selbst sammeln und sammeln lassen. Das Projekt wird durch das BMBF im Förderbereich Photonik gefördert.

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Verlust der Nacht

Im „Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojeke ERDE“ ist das interdisziplinären BMBF Projekt "Verlust der Nacht" (2010-2014) entstanden: Erstmals untersuchten Wissenschaftler gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern im ganzen Land die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen, aber auch die Ursachen für die zunehmende Beleuchtung in der Nacht. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse aus dem Projekt "Verlust der Nacht" und weiteren Projekten werden Lösungsansätze für moderne Beleuchtungskonzepte und nachhaltige Techniken entwickelt.

Mittlerweile ist das Projekt europäisch geworden und mit einer App (verfügbar in 15 Sprachen) können sich Bürgerinnen und Bürger daran beteiligen, die Helligkeit der sichtbaren Sterne an einem Ort zu bestimmen und darüber die Himmelshelligkeit zu messen. Daraus entstehen Karten, die die Helligkeitsverteilung und ihre Entwicklung über die Jahre zeigen. Die Daten stehen aber auch für andere Wissenschaftler bereit, um mögliche Zusammenhänge mit Gesundheit, Biodiversität, Energieverbrauch und vielen anderen Faktoren zu untersuchen.

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Plankton-ID

Im Citizen-Science-Projekt „Plankton-ID" sind Bürgerinnen und Bürger eingeladen, mehr als 50.000 Bilder von einzelligen Meeresorganismen aus der Gruppe der Rhizaria zu klassifizieren und zu sortieren. Rhizaria sind Einzeller, gehören zum tierischen Plankton, dem Zooplankton, und sind eine wertvolle Nahrungsgrundlage für Fische und andere größere Organismen. Das Projekt gehörte zum Excellenzcluster FUTURE OCEAN am GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

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Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung

Soziale Medien wie YouTube, WhatsApp, Facebook, Instagram und Co. sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Längst sind sie zum Bestandteil alltäglicher Praktiken des Umgangs miteinander geworden. Deshalb untersucht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt »Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung« soziale Medien als einen kulturellen Bildungsraum, der neben veränderten Möglichkeiten der Interaktion und Teilhabe auch neue Formen des ästhetischen Selbstausdrucks, wie Selfies oder Memes, hervorbringt. Gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern sozialer Netzwerke werden die Rezeption, Reflexion und (Re-)Produktion ästhetischer Artikulationen im Rahmen digitaler Alltagspraktiken dokumentiert und analysiert. 

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Strukturen für die Bürgerforschung

Das BMBF entwickelt den Förderbereich Bürgerforschung seit 2013 beständig weiter und stärkt Citizen Science.

Bürgerforschung lebt von Austausch zwischen den Forschenden und den Bürgerinnen und Bürgerinnen. Das Interesse an dieser Zusammenarbeit ist auf beiden Seiten in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Mit diesem Interesse entstehen auch viele Fragen: Wo finde ich ein spannendes Citizen Science Projekt, an dem ich mich beteiligen kann? Wie gestalte ich die Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern sinnvoll? Wie setze ich die richtigen Datenbanken auf? Wie steht um rechtliche Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit? Und auf einer abstrakteren Ebene: Wie soll in Citizen Science in 5, 10 oder 20 Jahren aussehen. Das BMBF hat in den letzten Jahren Plattformen und Strategieprozesse, Workshops und Leitfäden gefördert, die diese Fragen beantworten und die Bürgerforschung noch stärker in die Breite tragen.

BürgerSchaffenWissen

Seit 2013 wird die durch das Museum für Naturkunde und Wissenschaft im Dialog betriebene Plattform BürgerSchaffenWissen gefördert. Diese hat sich zu der zentralen Anlaufstelle für Bürgerforschung in Deutschland entwickelt und leistet wichtige Arbeit in der Vernetzung der Citizen Science Akteure, national und auch international.

Kapazitätsaufbau

Das BMBF stärkt und unterstützt den Kapazitätsaufbau für die Bürgerforschung in Deutschland:

  • Von 2014 bis 2016 förderte das BMBF den strategischen Dialogprozess GEWISS, der in 2016 in ein Grünbuch Citizen Science mündete.
  • Bis Ende 2021 soll aus dem Grünbuch ein Weißbuch werden. Aktuell prüfen Vertreterinnen und -vertreter aus Wissenschaft, Museen, und Politik und Förderorganisationen die Visionen und Handlungsoptionen des 2016 veröffentlichten Grünbuchs Citizen Science und wollen diese zu einer allgemein gültigen Strategie für die Bürgerforschung überführen.
  • Neben der strategischen Weiterentwicklung fördert das BMBF ebenso den Kompetenzaufbau von Citizen Science Akteuren. Ein Leitfaden für rechtliche Fragen in bürgerwissenschaftlichen Projekten wurde auf der Plattform www.buergerschaffenwissen.de veröffentlicht.
  • Zudem werden bundesweit stattfindende Trainingsworkshops, die von Bürger Schaffen Wissen angeboten werden, gefördert. Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfahren wichtige Grundlagen in der Methodik, Evaluation und Kommunikation von bürgerwissenschaftlichen Projekten.
     
  • Projektförderung
     
    • Als Folge des Grünbuchs veröffentlichte das BMBF im August 2016 eine Richtlinie zur Förderung bürgerwissenschaftlicher Vorhaben, über die insgesamt 13 Projekte mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Themenschwerpunkten und methodischen Ansätzen gefördert wurden (Fördersumme rd. 4,9 Mio. €). Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern wurden u.a. Hörgeräte im Labor entwickelt, Lebensstile auf dem Land und in der Stadt erforscht und dem Klang und dem Kulturbild der Nachtigall in Berlin nachgegangen.
    • Im Oktober 2019 wurde eine zweite „Richtlinie zur Förderung bürgerwissenschaftlicher Vorhaben“ veröffentlicht. (siehe unten)
       
  • Citizen Science Kampagnen
     
    • Um die Bürgerforschung in Deutschland stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, setzt das BMBF mit zahlreichen Partnern ab April 2021 die Citizen Science Aktion „Expedition ERDreich“ [www.expedition-erdreich.de] um. Bundesweit sind Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, mit Teebeuteln den Boden zu erforschen und somit zu neuen Erkenntnissen in der Bodenforschung beizutragen. Basierend auf der Tea-Bag-Index Methode werden die Teebeutel für die Dauer von drei Monaten im Boden belassen. Anschließend wird der Gewichtsunterschied zwischen trockenem und ausgegrabenem Teebeutel dokumentiert. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Zersetzungsrate und damit auch über die CO2-Freisetzung des jeweiligen Bodens. Neben der Tea-Bag-Index-Methode gibt es viele weitere spannende Versuche, die Aufschluss über die Bodengesundheit geben, wie beispielsweise die pH-Wert-Bestimmung oder die Spatenprobe.
       
  • Europäische Vernetzung zu Citizen Science
     
    • Seit dem Wissenschaftsjahr 201*17 – Meere und Ozeane erforschen die Plastikpiraten das Plastikmüllaufkommen an deutschen Flüssen und Küsten. Doch auch die Belastung von Stränden und Flussufern in Europa mit Plastikmüll macht vor Grenzen nicht halt. Daher haben die Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungsministerien Deutschlands, Portugals und Sloweniens im Rahmen ihrer Trio-Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union die Aktion „Plastic Pirates – Go Europe!“ im Herbst 2020 erstmalig länderübergreifend gestartet.

      Die Aktion ruft Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren dazu auf, sich mit dem Thema Plastikmüll in der Umwelt – insbesondere in und an Gewässern unterschiedlicher Art – auseinanderzusetzen. Die begleitenden Lehr- und Arbeitsmaterialien sowie das Aktionsheft führen durch die Aktion und sind kostenfrei bestellbar. Der nächste Aktionszeitraum beginnt im Frühjahr 2021.Die Aktion soll nach der Trio-Präsidentschaft gemeinsam mit der Europäischen Kommission und weiteren europäischen Ländern auf ganz Europa ausgeweitet werden.

Von Frankreich bis Russland – von seltenen Krankheiten bis zum Permafrost: Die Projektförderung des BMBF

Gesellschaftlichen Zusammenhalt verstehen, neue Erkenntnisse zu seltenen Erkrankungen untersuchen oder mit Drohnen-Aufnahmen aus der Arktis das Auftauen des Permafrostes analysieren – das und noch viel mehr können Bürgerinnen und Bürger in vom BMBF geförderten Projekten der Bürgerforschung zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Partner aus der Zivilgesellschaft ergründen. In 2021 starten 15 Projekte einer eigenen Citizen Science Förderrichtlinie (Fördervolumen ca. 9 Mio über 4 Jahre). Zudem finden sich viele spannende Projekte der Bürgerforschung in den Förderrichtlinien der Fachabteilungen des BMBF. Und auch die internationale Zusammenarbeit im Bereich Citizen Science wächst und fördert so die Kooperation von Bürgerforschenden und der Wissenschaft über Ländergrenzen hinweg.

Projekte der zweiten Förderrichtlinie Citizen Science

(In alphabetischer Reihenfolge)

Verbundprojekt | Be WIZZARD  - Bürgerinnen und Bürger entwickeln wissenschaftliche Initiative zur Zukunftssicherung der Ammerländer Resilienz und Daseinsvorsorge, Verbundkoordination: Kreisvolkshochschule Ammerland

Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung und den pflegebedingten Herausforderungen des steigenden Bedarfs an guter Pflege einerseits und des Rekrutierungsproblems für professionellen Nachwuchs andererseits sind kreative Lösungen gefragt. Die Kreisvolkshochschule Ammerland und das SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Uni Bremen untersuchen zusammen mit Seniorinnen und Senioren die Gelingensbedingungen guter häuslicher und stationärer Pflege und entwickeln daraus Handlungsempfehlungen an pflegepolitische Akteure.

Projekt | CS:iDrop – Citizen Science: investigation of Drinking-water of and by the public, Ruhr-Universität Bochum

Trinkwasser wird von den Wasserwerken mit hoher Qualität zur Verfügung gestellt. Aber kommt es mit dieser Qualität auch aus unseren Wasserhähnen? Zwischen der Hausübergabestation und dem Wasserhahn können Leitungen und Armaturen die Wasserqualität beeinflussen. Um dies zu erforschen, untersuchen Bürgerinnen und Bürger zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam die Trinkwasserqualität aus dem „letzten Meter“. Die Daten und Ergebnisse werden auf einer openSenseMap veröffentlicht.

Verbundvorhaben | IncluScience – Disability Mainstreaming in Wissenschaft und Praxis, Verbundkoordination: Sozialhelden e.V.

Bürgerwissenschaften sollten inklusiv gedacht werden. Von der Orientierung an Herausforderungen über die Ableitung von Forschungsfragen bis zu Methodendesign und entwickelten Produkten. Dazu wird die interaktive Onlinekarte www.wheelmap.org unter Beteiligung von Menschen mit Behinderungen um ortsspezifische Kriterien der Barrierefreiheit erweitert. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU Dortmund wird ein “bürgerwissenschaftlichen Instrumentenkoffer” entwickelt, der die Bedarfe und Potenziale aller Menschen in (bürger)wissenschaftliche Methoden systematisch einfließen lässt.

Verbundvorhaben | IGAMon-Dog - Hundehalter*innen unterstützen die Suche und eindeutige Bestimmung von Vorkommen invasiver Pflanzen- und Tierarten (IGAMon-Dog), Verbundkoordination: Unabhängiges Institut für Umweltfragen e.V.

Invasive und gebietsfremde Arten (IGA) breiten sich zunehmend aus und bedrohen dabei nicht nur andere Arten oder deren Lebensräume, sondern haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesundheit der Bevölkerung.  Das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) will zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie dem Verein Wildlife Detection Dogs durch die Einbeziehung von zu schulenden Hunden und Halter*innen die Informationsbasis zur Verbreitung von invasiven gebietsfremden Arten verbessern. Die im Projekt zu gewinnenden Daten bilden die Grundlage und den Vergleichsmaßstab für die Modellierung der Ausbreitungsprozesse von invasiven und gebietsfremden Arten. Die Ergebnisse des Projektes tragen so zur Planung und Umsetzung gezielter und effektiver behördlicher Maßnahmen bei.

Verbundprojekt |„FamGesund - Familiale Gesundheitskompetenz als Bildungsherausforderung bei schwerer Erkrankung“, Verbundkoordination Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin

Schwere Erkrankung und Behinderung stellen Familien vor vielfältige Herausforderungen und Veränderungen im bisher gelebten Alltag. Zusammen mit dem Alexianer Krankenhaus Hedwigshöhe bearbeitet die Katholische Hochschule für Sozialwesen mit Bürgerinnen und Bürgern Fragestellungen zum kollektiven Lernen und zur Herausbildung familialer Gesundheitskompetenz im Zusammenhang mit Erkrankung und Behinderung in Familien. Elementarer Bestandteil des Projekts ist der Aufbau eines "Familienwissenschaftsladens", der weiterführend einen nachhaltigen Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Bürgerinnen und Bürger zum Thema Familiengesundheit ermöglicht."

Verbundprojekt | „FLOW - Citizen Scientists erforschen bundesweit die Insektendiversität und die Pestizidbelastung kleiner Fließgewässer“, Verbundkoordination BUND

Aktuell befinden sich nur etwa 7% der deutschen Fließgewässer nach den Kriterien der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in einem „guten ökologischen“ Zustand. Der BUND und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), bauen ein Fließgewässermonitoring als Citizen Science Projekt auf. Bürgerforscherinnen und -forscher beproben und bestimmen Insekten und wirbellosen Tiere ihrer Bäche, bewerten die Gewässerstrukturgüte und messen die chemisch-physikalische Wasserqualität. Die Projektergebnisse werden gemeinsam mit allen Teilnehmenden und Stakeholdern erörtert und an die Öffentlichkeit getragen.

Projekt | „GINGER – Gemeinsam Gesellschaft erforschen“, Koordination: Universität Bremen

Was verstehen wir unter "gesellschaftlichem Zusammenhalt“ und welche Bedeutung hat er in unserem Alltag? Welche Rolle spielen Krisen wie die aktuelle Corona-Pandemie, mit der alle einen individuellen Umgang finden müssen? Fühlen wir uns mehr verbunden? Oder dominiert das Gefühl der Ungleichheit? Diese und mehr Fragen werden im Projekt unter der Leitung vom Zentrum für Arbeit und Politik/Universität Bremen und in Kooperation mit lokalen sozialen bzw. Bildungseinrichtungen von Bürgerinnen und Bürgern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Hilfe digitaler Tools bearbeitet und ausgewertet.

Verbundprojekt | „Gruß & Kuss - Briefe digital. Bürger*innen erhalten Liebesbriefe“, Verbundkoordination: Technische Universität Darmstadt

Wie sprechen Menschen über große Gefühle und den ganz normalen Alltag? Wie erleben und beschreiben sie Glück und Intimität, aber auch Trennung, Krisen und Leid?  Um dies zu untersuchen, lesen, digitalisieren und erforschen Bürgerinnen und Bürger zusammen mit einem Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU und der Hochschule Darmstadt sowie der Universität Koblenz-Landau eine einzigartige und bislang unzugängliche Quelle der Alltagskultur: ein Archiv authentischer privater Liebesbriefe.

Verbundprojekt | „Mein Ding – Ich bin, was ich (nicht) habe“, Verbundkoordination Technische Universität Berlin

Der Ausstattungsgrad an Gebrauchsgütern in Haushalten hat stetig zugenommen, mit oft negativen Folgen für Wohlbefinden und Umwelt. Im Projekt erproben Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler Maßnahmen zur Besitzreduktion zunächst an sich selbst und anschließend bei anderen Probandinnen und Probanden in ihrem Umfeld. Die Projektergebnisse sollen aufzeigen, mit welchen Maßnahmen zur Besitzreflektion und -reduktion ein suffizienter Konsum bestmöglich gefördert werden kann. Das Projekt wird umgesetzt von der TU Berlin, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik und Co2online in Zusammenarbeit mit Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern, Life e.V., Future Fashion Forward e.V. und der VZ Berlin.

Verbundprojekt | „MigOst - Ostdeutsche Migrationsgesellschaft selbst erzählen: Bürgerschaftliche Geschichtswerkstätten als Produktionsorte für Stadtgeschichten“, Verbundkoordination Technische Universität Dresden

Auch die DDR hat eine Migrationsgeschichte. Im bundesdeutschen Narrativ werden diese spezifischen Entwicklungen jedoch weder reflektiert, noch in einer gemeinsamen Migrationsgeschichte thematisiert. Um dies besser zu erforschen, arbeiten Forscherinnen und Forscher der TU Dresden und migrantische Vereine in Kooperation mit Bürgerinnen und Bürgern in Geschichtswerkstätten in Cottbus, Dresden und Halle zusammen, um aus biografischen Erzählungen plurale „(Stadt-)Geschichten“ zu entwickeln. Die Stadtgeschichten werden in unterschiedlichen Formaten (Dokumentartheaterstück, Ausstellung oder Stadtrundgang) der Öffentlichkeit und Wissenschaft zugänglich gemacht und erweitern somit die Perspektiven auf lokale Stadtgeschichte(n).

Verbundprojekt | „Pflanze KlimaKultur!“, Verbundkoordination: Freie Universität Berlin

Klimawandel beeinflusst das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen in Städten. Wie die Wachstumsphasen von Pflanzen beeinflusst werden, wird von Bürgerinnen und Bürgern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Botanischen Gartens der Freien Universität Berlin und des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung an der Universität Jena in den Partnerstädten Berlin, Halle, Jena und Leipzig untersucht. In Bürgerdialogen wird der gesellschaftliche Diskurs zu den Prozessen vertieft. So können Veränderungen fundierter eingeordnet, Ansätze zu Naturschutz und Klimaanpassung abgeleitet und Initiativen befördert werden, die die Stadt nachhaltiger und lebenswerter machen.

Projekt | „SelEe - Seltene Erkrankungen bürgerwissenschaftlich erforschen“, Koordination Hochschule Hof

Können mit bürgerwissenschaftlicher Forschung neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Seltenen Erkrankungen gewonnen werden – beispielsweise über die Verbreitung der Erkrankungen oder über die Versorgungssituation? Kann der Forschungsprozess, unter anderem auch die Auswahl der zu erforschenden Krankheiten, dabei weitgehend von den Bürgerinnen und Bürgern – insbesondere von Betroffenen – bestimmt werden? Diese Fragen möchte ein Konsortium aus Bürgerinnen und Bürgern, Forscherinnen und Forschern der Hochschule Hof und dem Universitätsklinikum Frankfurt im Rahmen des Projekts SelEe beantworten. Das Projekt kooperiert dabei mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE e.V.).

Verbundprojekt | „Social Media History - Geschichte auf Instagram und TikTok“, Verbundkoordination: Universität Hamburg

Geschichte findet statt – auch und gerade in den sozialen Medien! Public History Hamburg, die Geschichtsdidaktik an der Ruhr-Universität Bochum und Kulturpixel e. V. erforschen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, wie Geschichte auf Instagram und TikTok erzählt wird. Das Projekt erschließt Formen visueller und partizipativer Historiographie im Internet. Dabei werden gemeinsam Analyse-Werkzeuge entwickelt und eigene Darstellungspraktiken erprobt. Ziel ist es, multiperspektivische und faktenbasierte Geschichtserzählungen und eine kritisch-reflexive Teilhabe an Geschichtsdiskursen in sozialen Medien zu ermöglichen und zu fördern.

Verbundprojekt | „Undercover Eisagenten - Bürgerwissenschaftler*innen in Deutschland und Kanada erforschen gemeinsam das Auftauen des arktischen Permafrostes anhand von Drohnen- und Satellitenbildern“ , Verbundkoordination: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)


Das Auftauen des Permafrosts in der Arktis in Folge der Klimaerwärmung führt zu vielfältigen ökologischen Veränderungen mit regionalen und globalen Auswirkungen, die bislang aber nur unzureichend dokumentiert sind. Gemeindemitglieder und Schülerinnen und Schüler aus Aklavik (Kanada) erheben die dafür benötigten hochauflösenden Drohnendaten. Diese werden anschließend gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland ausgewertet. Durch das Projekt entsteht ein aktiver Dialog zwischen den Beteiligten in Deutschland und der kanadischen Arktis. Die Auswirkungen und Herausforderungen der Klimaerwärmung werden so erlebbar.

Verbundprojekt | „Wohnqualität - Forschen mit Kindern und Jugendlichen zur Wohnqualität in der Großwohnsiedlung“, Verbundkoordination Technische Universität Berlin

Der akute Handlungsdruck der Bestandshalter zu Neubau und Verdichtung birgt die Gefahr, dass die Planung an den Bedürfnissen aktueller und zukünftiger Bewohnerinnen und Bewohner vorbeigeht sowie oft unterschätzte Qualitäten der Großwohnsiedlungen (GWS) aushöhlt werden. Spezifisches Wissen über die tatsächlich erlebten Qualitäten in GWS fehlt bisher. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin gehen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in Berlin Neuhohenschönhausen im Projekt der Frage nach: „Was macht Wohnqualität im Allgemeinen und insbesondere in GWS aus?“

Citizen Science Förderungen in den Fachabteilungen

(Auswahl)

Verlorene Objekte, wiederentdeckte Natur - Auf dem Weg zur Sammlung des Anthropozäns, Berliner Museum für Naturkunde mit dem Pariser naturkundlichen Museum

Naturkundemuseen bewahren die Vergangenheit des Lebens auf der Erde, beschreiben und erklären die Gegenwart der Natur und geben so auch eine Orientierung für unsere Zukunft. Heute greifen Menschen so massiv in alle Lebensräume und Ökosysteme ein, dass der Vorschlag diskutiert wird, die gegenwärtige geologische Epoche als Anthropozän - das Zeitalter des Menschen - zu bezeichnen. Wenn der Mensch aber zum bestimmenden Faktor der natürlichen Entwicklung wird, gerät auch die traditionelle Trennung von Kultur und Natur und die analoge Trennung der Wissenschaft in die “zwei Kulturen” der Natur- und der Geisteswissenschaften ins Wanken. Mit einem Citizen-Science-Ansatz wird eine deutsch-französische digitale Sammlung zur generationellen Umweltamnesie aufgebaut. In einem strukturierten, offenen Bottom-up-Prozess werden Bürgerinnen und Bürger ermutigt, digitale bzw. digitalisierte Dokumente auf einer Web-Plattform zu sammeln. Gesucht und gesammelt werden Dokumente, die etwas über die vergangene biologische Vielfalt erzählen, in Vergessenheit geratene und wiederentdeckte Geschichten und unerwartete Blicke auf Landschaften und natürliche Vielfalt.

Weitere Informationen

„Bee Observer Russia – Bürgerwissenschaftliche Ursachenforschung zum Insektensterben. Sondierung“ (BORUS)

Der Insektenbestand weltweit, auch in Deutschland, ist besorgniserregend rückläufig. Mit dem Vorhaben soll sondiert werden, ob die weltweit beobachtete Entwicklung des Insektensterbens in einem späteren Forschungsvorhaben am Indikatororganismus Honigbiene systematisch mit russischen Partnern untersucht werden kann. Dabei sollen Sensordaten aus in ganz Russland verteilten Bienenstöcken mit weiteren Datenquellen (z.B. Wetter, Ausbringung von Pestiziden, etc.) kombiniert und mit Methoden der künstlichen Intelligenz ausgewertet werden. Die dafür erforderliche breite Datenbasis ist nur mit Hilfe der Bürger/innen, genauer der Imker/innen, aufzubauen. Da sich in Russland unterschiedliche Lebensräume mit diversen klimatischen Bedingungen finden, ist es ein optimales Land für diese Art der Forschung.

Mitmach-Workshops und Makeathons oim Rahmen der "Make Light"-Initiative

Um die Photonik möglichst vielen Menschen nachhaltig näher zu bringen, unterstützt die Make Light Initiative des BMBF seit Herbst 2012 Workshops mit Photonik-Bezug, bspw. Workshops, die typische FabLab-Werkzeuge wie Laserscanner, Lasercutter oder 3D-Drucker nutzen. Das Besondere dabei: Hier kann jeder zum Maker werden. Ein besonderes Beispiel ist der  Makeathon im Rahmen der "LASER – World of Photonics" 2019. 

Weitere Informationen

BIBS II - Bridging in Biodiversity Science

Das Verbundprojekt Bridging in Biodiversity Science (BIBS) versucht die seit Langem bestehende Trennung der Biodiversitätsforschung in einzelne Fachdisziplinen, Skalen und Systeme zu überwinden; in diesem Brückenkonzept werden verschiedene sich schnell verändernde Ökosysteme untersucht und Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit erarbeitet. Innerhalb BIBS spielt die Verknüpfung von Wissenschaft und Gesellschaft eine große Rolle. Ein vielversprechendes Werkzeug sind dabei die Bürgerwissenschaften. „Nicht-Wissenschaftler“ können sich aktiv an Forschungsfragen beteiligen. Darüber hinaus werden Forschungsergebnisse in unterschiedlichen Formaten an Schüler vermittelt. BIBS hat auch bewusst eine Schnittstelle zum transdisziplinären Austausch mit Verbänden und Behörden integriert, das "BiPoLab". Erkenntnisse aus der Gesellschaft fließen so wieder in die Forschungsarbeit von BIBS.  

Weitere Informationen

Weitere durch das BMBF geförderte aber bereits abgeschlossene Citizen Science Projekte finden Sie in der Datenbank von BürgerSchaffenWissen.