Bundesbericht Internationale Kooperation

Deutschland setzt auf internationale Vernetzung und Zusammenarbeit. Dies wird im „Bericht zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2014-2016“ deutlich.

Die weltweite Zusammenarbeit und Vernetzung in Bildung, Wissenschaft und Forschung ist für die Bundesregierung von großer Bedeutung.
Die weltweite Zusammenarbeit und Vernetzung in Bildung, Wissenschaft und Forschung ist für die Bundesregierung von großer Bedeutung. © Getty Images/Hiroshi Watanabe

Die Bundesregierung hat ihre europäische und internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Dies geht aus dem „Bericht zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2014-2016“ hervor, der unter der Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstellt und vom Bundeskabinett im Juni 2017 beschlossen wurde.

Im Jahr 2015 stellte allein das BMBF mehr als 800 Millionen Euro für internationale Kooperationen zur Verfügung. Damit fördert das BMBF zum Beispiel die Mobilität von Forschenden und Studierenden, beteiligt sich an internationalen Großgeräten der Grundlagenforschung oder ermöglicht thematische Forschungskooperationen zu wichtigen globalen Herausforderungen. Darüber hinaus hat die Bundesregierung Akzente in der globalen Forschungsagenda gesetzt, etwa zum Thema „Zukunft der Meere und Ozeane“, das im Rahmen des G7-Wissenschaftsministertreffens unter deutschem Vorsitz behandelt wurde. Zudem hat Deutschland mit Programmen wie „Leadership for Syria“ oder der Förderung des Start-ups „Kiron Open Higher Education“ Perspektiven für Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Krisenregionen geschaffen.

Europäischer Forschungsraum

Nachwuchs für Europa: Bundesministerin Johanna Wanka mit Stipendiaten des "ERA-Fellowship"-Programms in Berlin © BMBF/Hans-Joachim Rickel

In den 1970er-Jahren prägte der damalige Forschungskommissar Ralf Dahrendorf die Idee des Europäischen Forschungsraums mit dem Ziel, einen Raum zu schaffen, in dem Freizügigkeit für Forschende herrscht und wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien frei ausgetauscht werden können. Seit 2009 ist die Schaffung des Europäischen Forschungsraums – wie auch des Europäischen Binnenmarktes – eine verbindliche Aufgabe für die EU-Mitgliedstaaten und europäischen Institutionen.

Im Juli 2014 verabschiedete das Bundeskabinett unter Federführung des BMBF die „Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum – Leitlinien und nationale Roadmap“ (EFR-Strategie). Deutschland hat damit als erster Mitgliedstaat eine eigene nationale EFR-Strategie vorgelegt. Die Strategie wurde in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Stakeholder-Organisationen formuliert. Sie enthält die politischen Leitlinien für Deutschlands Position im Europäischen Forschungsraum und eine nationale Roadmap, die konkrete Maßnahmen aufführt.

Der EFR zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation in Europa zu verbessern und zu harmonisieren. Dabei geht es darum, die europäische Forschungslandschaft nach folgenden Prinzipien zu gestalten:

  • effektivere nationale Forschungssysteme,
  • optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender Wettbewerb,
  • offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher,
  • Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung,
  • optimaler Austausch und Transfer von sowie Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen,
  • Internationalisierung  des Europäischen Forschungsraums.

Horizont 2020

Flaggen von verschiedenen Nationen.
Flaggen von verschiedenen Nationen. © Thinkstock

Horizont 2020, das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, ist mit einem Gesamtbudget von ca. 77 Milliarden Euro für die Laufzeit von 2014 bis 2020 das weltweit größte Programm der Forschungs- und Innovationsförderung. Für Deutschland ist das Programm ein wichtiges Instrument, um die europäische Vernetzung in Forschung und Innovation voranzutreiben und Europas Wettbewerbsfähigkeit auszubauen. Die Schwerpunkte von Horizont 2020 sind gleichermaßen auf Nutzeffekte für Wissenschaft, Industrie, Gesellschaft und Politik zugeschnitten. Das Programm zeigt eine hohe Passfähigkeit zu nationalen Maßnahmen, insbesondere zur Hightech-Strategie, zur Exzellenzinitiative bzw. Exzellenzstrategie und zu den nationalen Instrumenten der KMU- und Clusterförderung.

Zwischen Januar 2014 und Februar 2017 erhielten deutsche Einrichtungen ca. 3,54 Milliarden Euro an europäischen Zuwendungen. Die europäische Forschungsförderung trägt signifikant zu den Drittmitteleinnahmen vieler deutscher Einrichtungen bei. Der Anteil der deutschen Beteiligungen lag im Februar 2017 bei 14,0 %, der deutsche Anteil an den Zuwendungen betrug 18,0 % (jeweils bezogen auf die EU 28). Damit liegt Deutschland bei den Zuwendungen an der Spitze aller beteiligten Staaten, vor dem Vereinigten Königreich und Frankreich. Deutschland knüpft somit erfolgreich an das Niveau des Vorläuferprogramms (7. Forschungsrahmenprogramm) an.

 Außereuropäische Regionen

Die Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung schreitet immer weiter voran. © Benjamin Howell / Getty Images

Die deutsche Forschungs- und Innovationspolitik verfolgt das strategische Ziel, in Ländern mit bedeutenden Wissenschafts- und Technologieressourcen besonders präsent zu sein und mit diesen enge Beziehungen aufzubauen. Die wichtigste Basis für bilaterale Kooperationen sind Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit. Derzeit hat Deutschland mit rund 50 Ländern derartige Vereinbarungen getroffen.

Mit einer Reihe von Staaten hat das BMBF zudem bilaterale Vereinbarungen zur Kooperation in der Berufsbildung unterzeichnet. Außerdem finden mit einigen Schwerpunktländern der internationalen Zusammenarbeit wie China oder Indien regelmäßige Regierungskonsultationen statt, bei denen Bildung, Forschung und Innovation eine zentrale Rolle spielen.

Auf der Webseite des BMBF finden sich viele Beispiele für die Zusammenarbeit mit Ländern:

Erasmus+

Studenten
Studenten © (c) Valueline

Für Erasmus+ – das europäische Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport – steht ein Gesamtbudget in Höhe von rund 14,8 Milliarden Euro (2014–2020) für Lernmobilität und die stärkere Zusammenarbeit in Bildung, Jugend und Sport in Europa zur Verfügung.

Für den Zeitraum 2014 bis 2020 beträgt das Gesamtbudget für Deutschland im Erasmus+-Programm schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro. Im Hochschuljahr 2014/2015 konnten im Hochschulbereich mehr als 38.000 Studierende sowie 4.500 Hochschulangehörige aus Deutschland eine Erasmus+-Förderung erhalten. Mehr als 30.500 Studierende gingen dabei zu Studienzwecken ins Ausland, 7.500 Studierende absolvierten ein Praktikum. Zudem wird über das Erasmus+-Programm im Hochschulbereich erstmalig internationale Mobilität, z. B. in die Regionen Westlicher Balkan oder Asien, ermöglicht. Im Bereich der Berufsbildung konnten im Jahr 2015 über 18.000 Auszubildende sowie mehr als 4.000 Ausbildende und Berufsschullehrende aus Deutschland durch die Förderung mit Erasmus+ ins Ausland gehen. In der Erwachsenenbildung wurden mehr als 700 Personen über Erasmus+ gefördert. Dazu kommen im Schulbereich mehr als 1.200 geförderte Einzelpersonen. Im Jugendbereich haben insgesamt 17.836 in- und ausländische Jugendliche in 820 Einzelmaßnahmen von einer Förderung im Bereich Jugend in Aktion profitiert. In Jugendbegegnungen erhielten 11.329, in Fachkräftemaßnahmen 5.962 und im Europäischen Freiwilligendienst 545 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Förderung. Für die Mobilitätsförderung (Leitaktion 1) standen Deutschland im Jahr 2015 insgesamt Mittel in Höhe von mehr als 138 Millionen Euro zur Verfügung.

Der „Bericht zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2014-2016“ informiert in einem Schwerpunktkapitel über den Stand der Umsetzung der Maßnahmen und Aktivitäten, die in der „Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum (EFR)“ aus dem Jahr 2014 vorgestellt worden sind. Deutschland war damals der erste EU-Mitgliedstaat, der eine nationale EFR-Strategie vorgelegt hat, und nahm somit eine Vorreiterrolle ein. Auch die deutsche Beteiligung an dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ und dem Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport „Erasmus+“ sowie die bilateralen Kooperationen mit den europäischen Ländern, außereuropäischen Industriestaaten, BRICS-Staaten und Schwellen- und Entwicklungsländern werden im Bericht dargestellt.
Die Bundesregierung wird künftig alle zwei Jahre im „Bericht zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung“ über die Entwicklung der europäischen und internationalen Zusammenarbeit in diesen Bereichen berichten.

Den übergreifenden strategischen Rahmen für die internationale Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung setzt die im Februar 2017 beschlossene „Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung“.