Deutscher Zukunftspreis für „Process Mining“

Für eine Software, die Prozesse in Unternehmen umfassend analysieren und effizienter gestalten kann, wurde in Berlin ein Team aus Unternehmern mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Die Technik soll Geschäftsabläufe effizienter machen.

Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk (v.l.) setzten sich beim Deutschen Zukunftspreis durch.
Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk (v.l.) setzten sich beim Deutschen Zukunftspreis durch. © foto ansgar pudenz

Große Bühne für innovative Forschung und Wissenschaft: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Berlin den Deutschen Zukunftspreis verliehen. Aus den drei Finalisten setzten sich das Team aus Alexander Rinke, Martin Klenk und Bastian Nominacher mit einer neuen Software – dem sogenannten „Process Mining“ -  durch. „Die Nominierten tragen mit großartigen Leistungen dazu bei, das Leben in unserem Land besser zu machen. Ihre Projekte sind innovativ und wissenschaftlich exzellent. Sie dienen dem Wohl der Menschen, ob es etwa um die Zukunft der Medizin, des Bauens, des Verkehrs, der Energie, der Robotik oder der Informationstechnik geht. Nicht zuletzt haben sie oft großes wirtschaftliches Potenzial und schaffen Arbeitsplätze“, so Steinmeier in seinem Geleitwort.

Mit dem Deutschen Zukunftspreis werden seit 1997 besonders bahnbrechende Forschungsergebnisse ausgezeichnet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung gehört zu den Förderern des Preises.

„Deutschland ist ein Land der Innovationen: Unsere Technologien, Produkte und Dienstleistungen sind weltweit bekannt. Wir zählen heute zu den forschungs- und innovationsstärksten Ländern der Erde. Diesen Erfolg wollen wir wahren und weiter vergrößern. Dazu bedarf es neuer Anstrengungen, denn der technologische Fortschritt, der gesellschaftliche Wandel und der internationale Wettbewerb fordern uns heraus“, so Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Das sind die Projekte der Preisträger und Nominierten 2019 im Überblick:

Process Mining – Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Arbeit

Viele Unternehmen haben ihre Geschäftsabläufe mittlerweile vollständig digitalisiert. Dabei fallen jede Menge Daten an: Kundenbeziehungen, Kontakte zu anderen Firmen und vieles mehr. Damit haben die Unternehmen eine große Chance, ihre Aktivitäten nachhaltig zu verbessern. Doch bislang fehlten die technischen Mittel, um dieses Potenzial vollständig auszuschöpfen. Wie lässt sich das ändern?

Alexander Rinke, Martin Klenk und Bastian Nominacher haben mit ihrem Unternehmen Celonis SE, das als Start-up aus der Technischen Universität München hervorgegangen ist, dazu ein vielseitiges und einfach zu handhabendes Werkzeug geschaffen: eine neuartige Methode, um Prozesse umfassend zu analysieren, darzustellen, zu verstehen – und effizienter zu gestalten.

„Process Mining“ heißt das Verfahren, das sich in allen Bereichen und auf allen Ebenen von Unternehmen einsetzen lässt. Es macht selbst komplexe und miteinander verwobene Vorgänge sichtbar und entwirft als operatives System eigenständig Vorschläge für nutzbringende Veränderungen.

CO2 – ein Rohstoff für nachhaltige Kunststoffe

Es klingt fast unglaublich: Der Luft wird klimaschädliches CO2 entzogen, in Schaumstoffen nutzbar gemacht – und am Ende in Matratzen verarbeitet. Die Technik dazu hat ein Team der Covestro Deutschland AG, der RWTH Aachen und des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion entwickelt.

Christoph Gürtler, Walter Leitner und Berit Stange entwickelten ein Verfahren auf Basis maßgeschneiderter Katalysatoren, das das reaktionsträge Kohlendioxid für die Herstellung von Polyolen nutzbar macht – eine Ausgangssubstanz für vielseitig einsetzbare Kunststoffe.

Kraftwerke, Verkehrsmittel und Industriebetriebe, die fossile Stoffe verbrennen oder verarbeiten, stoßen große Mengen an Kohlendioxid (CO2) aus. Die chemische Industrie benötigt ihrerseits Kohlenstoff, einen Bestandteil des Treibhausgases, als Rohmaterial zur Herstellung von Kunststoffen. Bis zu 20 Prozent der dort verbrauchten Rohstoffe werden dabei aus CO2 hergestellt – und ersetzen so das wertvolle Erdöl, das in herkömmlichen Verfahren dafür verwendet wird.

Ultra-Hochfeld-MRT – Präzisionsmedizin zum Wohl der Patienten

Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere Millionen MRT-Bilder gemacht. MRT steht für Magnetresonanztomographie. Das Verfahren ist deshalb inzwischen so wichtig in der Medizin, wie es gleich mehrere Vorteile hat: So ist die MRT, anders als die Computertomographie, welche Röntgenstrahlung verwendet, gesundheitlich unbedenklich. Zugleich liefert sie detaillierte und kontrastreiche Aufnahmen von Weichteilgewebe wie das zentrale Nervensystem, Muskeln, Bändern, Blutgefäßen und inneren Organen – als zweidimensionale Schnittbilder oder in 3D.

Bei der Diagnose neurologischer Erkrankungen und bei der Verlaufskontrolle von Krebstherapien können mit der aktuellen Technik aber nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Christina Triantafyllou (Siemens), Arnd Dörfler (Universitätsklinikum Erlangen) und Mark E. Ladd (Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg) haben dazu geforscht und die Stärke des Magnetfelds für die MRT deutlich erhöht. Das ermöglicht neue und detailliertere Einblicke in den menschlichen Körper. Die neue Technik kommt mittlerweile nicht nur in der Grundlagenforschung, sondern auch in Kliniken zum Einsatz.