Bundeswettbewerb Jugend forscht

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek anlässlich der Preisverleihung in Darmstadt

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek während ihrer Rede © Stiftung Jugend forscht e. V. / Merck

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Oschmann,
Sehr geehrter Herr Baszio,
Sehr geehrte Finalistinnen und Finalisten,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

„Man kann viel, wenn man sich nur recht viel zutraut“

Dies sind die Worte Wilhelm von Humboldts und sie passen gut zum Motto der diesjährigen 53. Wettbewerbsrunde von Jugend forscht: „Spring“.

Mehr als 12 000 junge Talente haben das Motto beherzigt und sind im wahrsten Sinne des Wortes hineingesprungen in das Abenteuer Naturwissenschaften. Sie haben den Mut bewiesen, den es braucht, wenn man etwas neu denkt, wenn man Antworten auf Fragen sucht, die noch niemand gestellt hat.

Eingereicht wurde eine große Zahl beeindruckender Arbeiten, die nicht nur von enormer Kreativität und Talent zeugen, sondern auch von hoher Motivation, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen. Wie viel man damit erreichen kann, beweisen auch in diesem Jahr die Finalistinnen und Finalisten von Jugend forscht eindrucksvoll.

Ich bin heute Morgen durch die Ausstellung der Forschungsprojekte gegangen. Für mich war dieser Rundgang eine Premiere und ich bin beeindruckt von der Phantasie und der Tiefe der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Da gibt es zum Beispiel ein Projekt, mit dem Weltraumschrott noch direkt im All recycelt werden soll. Oder eine Smartphone-App, mit der die Therapie von Patienten mit Multipler Sklerose begleitet werden kann. Brillante Ideen, die dem Menschen Nutzen bringen. Das hat mich begeistert.

Liebe Finalistinnen, liebe Finalisten,

Sie haben sich im bekanntesten deutschen-Wettbewerb gegen mehr als 12. 000 Mitstreiterinnen und Mitstreitern durchgesetzt. Dies ist eine großartige Leistung. Sie haben sich etwas zugetraut und viel erreicht. Darauf dürfen Sie stolz sein. Herzlichen Glückwunsch an Sie alle!

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das Forscher-Fieber und die Begeisterung für die Wissenschaften nicht mehr loslassen. Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten. Die MINT-Fächer sind unglaublich spannende und vielseitige Bereiche.

Keiner von uns kann die Zukunft vorhersagen, aber wir können sie gestalten. Wer viel über Chemie, Biologie, Physik, Mathematik und Technik weiß, hat die besten Möglichkeiten dazu. Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die den Mut haben, Neues zu denken. Sie braucht Menschen, die Ideen haben und daraus etwas machen, die alte Fragestellungen neu durchdenken und Antworten auf Fragen suchen, die noch gar nicht gestellt wurden. Sie braucht Menschen, die sich einbringen, angetrieben von der Überzeugung, dass es immer noch eine bessere Lösung gibt. In der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Politik und in den Schulen. Geben Sie Ihre Begeisterung für die Naturwissenschaften weiter.

Gerade die Mädchen und jungen Frauen unter Ihnen. Es ist gut, dass sich inzwischen mehr Mädchen bei Jugend forscht anmelden. Aber immer noch überwiegen die Jungen. Deswegen möchte ich gerade die Mädchen und jungen Frauen unter Ihnen ermutigen: Machen Sie etwas aus Eurem Talent und inspirieren Sie andere Mädchen. Wir brauchen mehr weibliche Rollenvorbilder und Mentorinnen. Dann bin ich mir sicher, können wir auch bald sagen: Mädchen sind bei Jugend forscht genauso erfolgreich wie Jungen.

Ziel unserer Bildungspolitik ist, dass alle jungen Menschen die Möglichkeit haben, zu entdecken was in ihnen steckt und daraus etwas zu machen. Für einige – und vermutlich für viele von Ihnen – geht das am besten, wenn sie nach der Schule studieren. Andere interessieren sich für eine duale Ausbildung. Und wieder andere machen erst eine Ausbildung und studieren später. Diesen Weg habe ich gewählt.

Alle diese Wege eröffnen gute Chancen, sich beruflich zu verwirklichen. Mir ist wichtig, dass Sie und alle junge Menschen sich frei überlegen können, welcher Weg am besten zu den eigenen Talenten passt. Unabhängig von den Möglichkeiten der Elternhäuser. Und in dem Bewusstsein, dass beide Wege gleichwertig sind und spannende berufliche Möglichkeiten eröffnen. Dafür arbeite ich als Bundesbildungsministerin.

Sie haben unter Beweis gestellt, dass Sie zu den Besten Ihres Faches gehören. Darauf sind Sie zu Recht stolz. Und es ist gut, wenn Sie weiterhin danach streben, noch besser zu werden. Von solchen Höchstleistungen profitiert die ganze Gesellschaft.

Trotzdem möchte ich Ihnen noch etwas mit auf den Weg geben: Haben Sie Respekt vor dem, was andere Menschen leisten, auch wenn diese damit keine Wettbewerbe gewinnen. Wir alle haben unterschiedliche Stärken. Erst, wenn diese Stärken zusammenwirken, entsteht Gutes. Wenn jeder an seinem Platz seinen Beitrag leistet, gelingt ein gutes Miteinander.

Liebe Finalistinnen und Finalisten,

Sie haben Großes geleistet, und Sie hatten dabei großartige Unterstützung. Jugend forscht wäre nicht möglich, wenn es nicht engagierte Menschen gäbe, die viele Stunden, Tage und Woche investieren. Mehr als 5000 Projektbetreuer, oftmals Lehrer, engagieren sich ehrenamtlich. Über 3000 Fach- und Hochschullehrer sowie Experten aus der Wirtschaft unterstützen Jugend forscht als Juroren. Etwa 100 Ehrenamtliche engagieren sich als Wettbewerbsleiter. Sie sind es, die diese jungen Menschen begeistern und ihnen Türen zu einer spannenden Zukunft öffnen. Ihnen gilt mein Dank und meine Anerkennung.

Auch die breite Unterstützung durch die Wirtschaft ist unerlässlich, damit der Wettbewerb gelingt. 250 Unternehmen und Institutionen sind Partner von Jugend forscht. Sie unterstützen den Wettbewerb als Förderer und Preisstifter, sind Gastgeber an mittlerweile 118 Orten in ganz Deutschland und geben dem Wettbewerb ein Zuhause.

Und damit bin ich bei unserem Gastgeber Merck. Sie feiern in diesem Jahr Ihr 350-jähriges Firmenjubiläum.

350 Jahre – das ist wirklich eine unglaubliche Zahl, vor allen Dingen, wenn man sich vor Augen hält, was sich zwischen 1668 und heute in der Wissenschaft alles getan hat. Nur wenigen Unternehmen gelingt es über Jahrhunderte erfolgreich zu sein. Merck ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Herzlichen Glückwunsch an Sie, lieber Herr Dr. Oschmann und an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das Motto Ihres Jubiläumsjahrs lautet „Immer neugierig - auch in den nächsten 350 Jahren“. Sie geben diese Neugierde und den Forscherdrang weiter. Ihr Engagement in der Nachwuchsförderung ist beeindruckend. Einige Beispiele:

  • Sie machen sich seit vielen Jahren für Bildungsangebote in Chemie und Biologie stark.
  • Sie unterhalten regionale Partnerschaften mit rund 70 Schulen.
  • Gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt haben sie zwei Juniorlabore gegründet.
  • Als einer der wesentlichen Sponsoren des Deutschlandstipendiums an der TU Darmstadt setzen Sie seit Jahren ein deutliches Zeichen für zivilgesellschaftliches Engagement.

Auch die Förderung von Jugend forscht hat bei Merck Tradition. Seit mehr als 35 Jahren sind Sie dem Wettbewerb auf vielfältige und verlässliche Weise verbunden.

Vielen Dank, dass Sie die Ausrichtung des Bundeswettbewerbs zusammen mit der Geschäftsstelle von Jugend forscht zum Teil Ihrer Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr gemacht haben. Sie waren beindruckende und großzügige Gastgeber.

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemeinsam haben alle Beteiligten dazu beigetragen, Jugend forscht zu dem zu dem zu machen, was es heute ist: ein Netzwerk, das für Gemeinsinn, Gestaltungskraft und Zukunftszuversicht steht.

Es ist mir eine große Freude, nun den Preis meines Hauses für die beste interdisziplinäre Arbeit, den Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit und den Preis des Bundespräsidenten für die außergewöhnlichste Arbeit zu verleihen.