Chancen der digitalisierten Fabrik nutzen

Deutsche und US-Experten vereinbaren in Washington gemeinsame Ziele zu Industrie 4.0 / Schütte: "Transatlantische Kooperation hat großes Potenzial"

Vertreter von Wissenschaft und Wirtschaft aus Deutschland und den USA haben bei einem Workshop in Washington Ziele für die Zusammenarbeit bei Industrie 4.0 vereinbart. Sie wollen künftig bei der Modellierung zuverlässiger Systeme und Infrastrukturen zusammenarbeiten. Auch streben sie eine Kooperation bei Querschnittsthemen des Internet der Dinge an, insbesondere bei Standardisierung, Zertifizierung und der weiteren Erforschung lernfähiger und autonomer Systeme. Zur praktischen Erprobung von Erkenntnissen werden Fallstudien vorgeschlagen – etwa bei Themen wie Produktion, Gesundheit, Mobilität oder der Zukunftsstadt. Weiteres Ziel ist der Austausch zu Lehrplänen und Studiengängen im Bereich Industrie 4.0. Hier geht es darum, Inhalte aus den Ingenieurwissenschaften und der Informatik früher und stärker miteinander zu verbinden.

Der zweitätige Workshop wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Botschaft in Washington und der amerikanischen National Science Foundation (NSF) veranstaltet. An ihm nahmen mehr als 50 hochkarätige Experten aus Deutschland und den USA teil. Neben zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen waren auch Unternehmen wie SAP, Bosch, Infineon, Cisco, General Electric und General Motors vertreten. 

"Deutschland mit seiner starken industriellen Basis und die USA mit ihrer Internetkompetenz sind ideale Partner, um weltweit die großen Chancen der digitalisierten Fabrik zu nutzen. Industrie 4.0 hat das Potenzial, die transatlantischen Wissenschafts- und Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen. Das ist ein gutes Zeichen, gerade vor der anstehenden Hannover Messe, bei der die USA Partnerland sind", sagte Georg Schütte, Staatssekretär im BMBF.

Die beiden deutschen Vorsitzenden des Workshops sehen vielversprechende Ansätze für die Zusammenarbeit mit den USA. "Der Workshop zeigt, dass es zu Industrie 4.0 und cyber-physischen Systemen eine Vielzahl interessanter Forschungsfragen gibt, sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Anwendung. Deshalb ist es so wichtig und sinnvoll, international zu kooperieren", sagte Manfred Broy, Professor für Informatik an der Technischen Universität München. Peter Liggesmeyer, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern, sagte: "Sowohl im privaten wie im öffentlichen Sektor findet durch die Digitalisierung ein umwälzender Wandel statt. Indem Deutschland und die USA ihre Kräfte bündeln, ebnen sie den Weg, das riesige wirtschaftliche Potenzial des Internets der Dinge zu erschließen."

Das BMBF hat die Entwicklung von Industrie 4.0 bereits mit mehr als 120 Millionen Euro gefördert. So startete im Juli 2015 das nationale Referenzprojekt Industrie 4.0, in dem an vier konkreten Anwendungsszenarien gearbeitet wird. Im Fokus der Initiative "Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden" stehen insbesondere Kleinere und Mittlere Unternehmen (KMU). Zudem betreibt das BMBF gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium die "Plattform Industrie 4.0". Das Thema ist Bestandteil der Hightech-Strategie der Bundesregierung, die aus Ideen Innovationen machen und die Arbeitsplätze von morgen schaffen will. 

Weitere Informationen: https://www.bmbf.de/de/zukunftsprojekt-industrie-4-0-848.html
Mehr zum Workshop: http://cps-vo.org/group/US-German-IoT-CPS-Wkshp16