Chancengerechtigkeit in der EU-Forschungsförderung

Das 8. Forschungsrahmenprogramm der EU "Horizont 2020" macht Chancengerechtigkeit erstmalig zu einem Entscheidungskriterium.

© Projektträger DLR im Auftrag des BMBF

Die Gleichstellung der Geschlechter und die Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung ist eine der Prioritäten des Europäischen Forschungsraums (EFR). Entsprechend wird dieses Feld inzwischen auch im jährlichen Fortschrittsbericht zum Europäischen Forschungsraum berücksichtigt und mit Zahlen und Fakten aus den Mitgliedstaaten belegt.

Im aktuellen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020 (2014-2020), dem Hauptinstrument zur Umsetzung des Europäischen Forschungsraums, sind die Themen Gender in der Forschung und Chancengleichheit an verschiedenen Stellen verankert. Als Grundlage in den Rechtsdokumenten finden sich ebenso Verpflichtungen wie auch in den einzelnen Förderbereichen und den Ausschreibungen. Gender ist eines von mehreren Querschnittsthemen in Horizont 2020.

Auf der Antragsebene wird für die meisten Projekte von den Konsortien verlangt, mögliche inhaltliche Genderaspekte zu benennen und zu berücksichtigen.

Als echtes Novum kann bei der Begutachtung ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen im Kernteam eines Projekts den Ausschlag geben, wenn ansonsten Punktegleichstand festgestellt wurde.

Bislang bewerben sich noch deutlich weniger Frauen als Männer auf Forschungsfördergelder der Europäischen Union (EU). Auch die Zahl der Gutachterinnen liegt in den meisten Bereichen unter der der Gutachter. Dies gilt auch für die deutsche Beteiligung an der EU-Forschung.

Kontaktstelle „Frauen in die EU-Forschung“ (FiF)

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2001 die Kontaktstelle „Frauen in die EU-Forschung“ (FiF) eingerichtet, um die Beteiligung von Wissenschaftlerinnen in und aus Deutschland an der EU-Forschung zu fördern.

Wissenschaftlerinnen sind bei FiF richtig, wenn sie Information und Orientierung in Sachen EU-Forschungsförderung suchen. Kurze Auskünfte ebenso wie Beratung in der Tiefe gehören zu den Angeboten. Bei Bedarf wird Kontakt zu passenden nationalen Kontaktstellen zu spezifischen Themen von Horizont 2020 hergestellt.

FiF informiert Antragstellende und alle weiteren Interessierten über Regelungen und Entwicklungen im Hinblick auf Chancengleichheit und Gender und zu aktuellen Entwicklungen in Horizont 2020.

Gefördert wird mit FiF auch die Beteiligung von Forscherinnen als Gutachterinnen. Hierfür stellt FiF unter anderem einen Leitfaden zur Registrierung in die Datenbank von Horizont 2020 zur Verfügung

Helsinki Gruppe

In der Helsinki Gruppe befassen sich Vertreterinnen und Vertreter aus den europäischen Mitgliedsstaaten mit dem Thema "Chancengleichheit für Frauen in Wissenschaft und Forschung".

Ziel der Helsinki Gruppe ist einerseits die Unterstützung der Europäischen Kommission bei der Entwicklung vergleichender Statistiken und europäischer Indikatoren zur Feststellung der Beteiligung von Frauen an der europäischen Forschung. Der zentrale Arbeitsgegenstand dieser Beratungsgruppe ist darüber hinaus der Dialog und der Erfahrungsaustausch über Maßnahmen und Strategien zur Förderung der Beteiligung von Frauen in der Forschung auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Ziel ist es, den Anteil der Forscherinnen in allen Mitgliedstaaten sowie in der EU-Forschung deutlich zu erhöhen, damit Frauen adäquat an der inhaltlichen Gestaltung des Europäischen Forschungsraumes teilhaben und ihre Talente einbringen.