Chile: Erforschung des Weltalls bis zur Antarktis

Der Blick in das Weltall und die Erforschung der Antarktis findet gemeinsam mit Partnern aus Chile statt. Großgeräte wie Teleskope und Forschungssatelliten bringen Antworten auf die drängenden Fragen der Astrophysik, der Umwelt- und Klimaforschung.

Chile und Deutschland erforschen gemeinsam das Weltall. © Thinkstock

Nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen

Die chilenische Regierung wird in den nächsten Jahren weiter in den Bergbausektor investieren. Sie will den Abbau und die Nutzung von Rohstoffen optimieren und umweltfreundlicher gestalten. Dazu benötigt sie unter anderem verbesserte technische Kenntnisse und gut ausgebildete Fachkräfte. Deutschland wiederum hat Interesse, sich den Zugang zu Rohstoffen in Chile zu sichern. Vor diesem Hintergrund haben Deutschland und Chile eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Die gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet sollen weiter ausgebaut werden.

Im Rahmen des Förderprogramms „CLIENT II - Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen“ des Bundesforschungsministeriums werden zukünftig zwei Forschungsprojekte gefördert: In dem Projekt „Secondary Mining“ untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, wie aus chilenischen Bergbau-Halden wichtige wirtschaftsstrategische Rohstoffe zurückgewonnen werden können. Darüber hinaus werden technische Lösungen entwickelt, die zu einer umweltschonenderen Lagerung der Restmaterialien führen. Neben der Rohstoffeffizienz stehen auch die Themen Wasser und Natur-Risiken im Fokus.

Im Rahmen des zweiten CLIENT-Projekts wird das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ein Verfahren entwickeln, mit dem die mineralischen Rohstoffe aus den Solen, die bei der Nutzung der Geothermie zutage treten, effektiv abgetrennt werden können. Dabei wird der wesentliche Energiebedarf CO2-neutral über die geothermische Wärme gedeckt. Als weitere Ressource wird bei der Aufbereitung der Solen reines Trinkwasser gewonnen, an dem es vor allem im Norden Chiles massiv mangelt.

Deutsche Forschungsinstitutionen in Chile aktiv

Die chilenische Regierung fördert die Gründung ausländischer exzellenter Forschungszentren in Chile, zuständig ist die Wirtschaftsförderbehörde CORFO. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat sich bereits bei der ersten Ausschreibungsrunde von CORFO erfolgreich beworben und richtete im Jahr 2010 das „Fraunhofer Chile Center for Systems Biotechnology“ ein. Zu diesem Zweck war die Stiftung Fraunhofer Chile Research (FCR) gegründet worden, die erste Fraunhofer-Tochtergesellschaft in Lateinamerika. Ebenfalls mit Mitteln von CORFO wurde im Frühjahr 2015 unter dem Dach von FCR das neue Exzellenzzentrum „Center for Solar Energy Technologies (CSET)“ initiiert. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg mit der Katholischen Universität von Valparaíso. Ziel ist es, die Solartechnologie in Chile breitflächig zu etablieren. In Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen und Firmen werden hierzu unter anderem Pilotanlagen eingerichtet, wissenschaftliches und technisches Fachpersonal ausgebildet und gemeinsame Forschungsvorhaben durchgeführt. Die Forschungsbereiche sind Gewinnung von Solarenergie, Sonnenwärmeverfahren und Wasseraufbereitung mit Sonnenwärme. Das CSET soll auch die staatliche Energiepolitik unterstützen.

Katastrophen rechtzeitig erkennen

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) baut gemeinsam mit chilenischen Partnern ein Frühwarnsystem für Naturkatastrophen auf. Damit soll im Falle von Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüchen, Erdrutschen, Bränden und Überschwemmungen ein schnelles Handeln ermöglicht werden. Das System erfasst Messdaten aus der Erde, dem Meer und von Satelliten und wertet diese schnell aus. Darüber hinaus wird durch das Projekt die Zusammenarbeit von militärischen und zivilen Einrichtungen zum Schutz der chilenischen Bevölkerung verbessert. Hauptpartner auf chilenischer Seite ist das Exzellenzzentrum für Naturgefahren „National Research Center for Integrated Natural Disasters Management - CIGIDEN“, das von vier chilenischen Universitäten gebildet wird. Weitere Partner sind der Hydrographische Dienst der Marine (SHOA) und der Chilenische Zivilschutz ONEMI. Hintergrund für das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ist der verheerende Tsunami von 2010 in Chile.

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des DLR und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) unterhalten seit 1991 die deutsche Antarktis-Forschungsstation GARS (German Antarctic Receiving Station). Die von Erderkundungssatelliten sowie von Radiosternen empfangenen Daten werden zur Auswertung nach Deutschland gesendet und sind für Klimaforschungen und für das Katastrophenfrühwarnsystem von großer Bedeutung.

Das BMBF fördert seit vielen Jahren mit Partnern innerhalb und außerhalb Europas den Betrieb der Astronomischen Observatorien der "European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere" (ESO) in der Atacama Wüste im Norden Chiles. Sie haben wichtige Forschungsergebnisse zur Entwicklung und Entstehung des Universums, und für das Verständnis über Galaxien und massereiche Schwarze Löcher sowie die Stern- und Planetenentstehung erbracht.