Chile: Erforschung des Weltalls bis zur Antarktis

Der Blick in das Weltall und die Erforschung der Antarktis findet gemeinsam mit Partnern aus Chile statt. Großgeräte wie Teleskope und Forschungssatelliten bringen Antworten auf die drängendsten Fragen der Astrophysik, der Umwelt- und Klimaforschung.

Chile und Deutschland erforschen gemeinsam das Weltall. © Thinkstock

Nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen

In den nächsten Jahren wird die chilenische Regierung rund 67 Milliarden US-Dollar in den Bergbausektor investieren. Sie will den Abbau und die Nutzung von Rohstoffen optimieren und umweltfreundlicher gestalten. Dazu benötigt sie zum Beispiel verbesserte technische Kenntnisse und gut ausgebildete Fachkräfte. Deutschland wiederum hat Interesse, sich den Zugang zu den Rohstoffen in Chile zu sichern. Vor diesem Hintergrund haben Deutschland und Chile im Januar 2013 eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Die gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet sollen weiter ausgebaut werden.

Im Rahmen des Förderprogramms „Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und -dienstleistungen CLIENT des Bundesforschungsministeriums führt die Technische Universität Bergakademie Freiberg ein Forschungsprojekt zum Thema „Secondary Mining“ in Nord-Chile durch. Es wird untersucht, wie aus chilenischen Bergbau-Halden wichtige Rohstoffe gewonnen werden können. Darüber hinaus werden Methoden entwickelt, die zu einer umweltschonenderen Lagerung der Restmaterialien führen.

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie arbeitet eng mit IM2, einer Tochterfirma des staatlichen Kupferkonzerns Codelco, zusammen. Gemeinsam entwickeln sie eine Methode, mit der Molybdänit bei der Gewinnung von Kupfererzen effizient abgetrennt werden kann. Molybdänit wird bei der Härtung von Stahl und bei der Herstellung von Metallverbindungen benötigt. Es wird auch bei der medizinischen Röntgendiagnostik verwendet. Das Projekt „Opti-Moly“ wird durch das Bundesforschungsministerium gefördert.

Die chilenische Regierung fördert die Gründung ausländischer exzellenter Forschungszentren in Chile, zuständig ist die Wirtschaftsförderbehörde CORFO. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat sich bereits bei der ersten Ausschreibungsrunde von CORFO erfolgreich beworben und richtete im Jahr 2010 das „Fraunhofer Chile Center for Systems Biotechnology“ ein. Es nahm Anfang 2011 seine Arbeit auf. Ende 2010 war die Stiftung Fraunhofer Chile Research (FCR) gegründet worden, die erste Fraunhofer-Tochtergesellschaft in Lateinamerika. Ebenfalls mit Mitteln von CORFO wurde im Frühjahr 2015 unter dem Dach von FCR das neue Exzellenzzentrum „Center for Solar Energy Technologies (CSET)“ initiiert. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg mit der Katholischen Universität von Valparaíso. Ziel ist es, die Solartechnologie in Chile breitflächig zu etablieren. In Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen und Firmen werden hierzu unter anderem Pilotanlagen eingerichtet, wissenschaftliches und technisches Fachpersonal ausgebildet und gemeinsame Forschungsvorhaben durchgeführt. Die Forschungsbereiche sind Gewinnung von Solarenergie, Sonnenwärmeverfahren und Wasseraufbereitung mit Sonnenwärme. Das CSET soll auch die staatliche Energiepolitik unterstützen.

Katastrophen rechtzeitig erkennen

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) baut gemeinsam mit chilenischen Partnern ein Frühwarnsystem für Naturkatastrophen auf. Damit soll im Falle von zum Beispiel Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüchen, Erdrutschen, Bränden und Überschwemmungen ein schnelles Handeln ermöglicht werden. Das System erfasst Messdaten aus der Erde, dem Meer und von Satelliten und wertet diese schnell aus. Darüber hinaus wird durch das Projekt die Zusammenarbeit von militärischen und zivilen Einrichtungen zum Schutz der chilenischen Bevölkerung verbessert. Hauptpartner auf chilenischer Seite ist das Exzellenzzentrum für Naturgefahren „National Research Center for Integrated Natural Disasters Management - CIGIDEN“, bestehend aus vier chilenischen Universitäten. Weitere Partner sind der Hydrographische Dienst der Marine SHOA und der Chilenische Zivilschutz ONEMI. Hintergrund für das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ist der verheerende Tsunami von 2010 in Chile.

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des DLR und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) unterhalten seit 1991 die deutsche Antarktis-Forschungsstation GARS (German Antarctic Receiving Station). Die von Erderkundungssatelliten sowie von Radiosternen empfangenen Daten werden zur Auswertung nach Deutschland gesendet und sind für Klimaforschungen und für das Katastrophenfrühwarnsystem von wichtiger Bedeutung.