China – intensive Zusammenarbeit zur Bewältigung globaler Herausforderungen

China ist wirtschaftlich und wissenschaftlich ein strategischer Partner Deutschlands. Beide Länder arbeiten in zahlreichen Themenfeldern wie Umwelt und Nachhaltigkeit, Urbanisierung, Elektromobilität und Lebenswissenschaften eng zusammen.

Die im Oktober 2015 veröffentlichte China-Strategie des Bundesforschungsministeriums stellt einen kohärenten und systematischen Rahmen für die Zusammenarbeit mit China in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation für den Zeitraum 2015 bis 2020 dar. Die Strategie analysiert die bisherigen Aktivitäten und die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit und gibt einen Ausblick auf die Ausrichtung der zukünftigen Kooperation. So liefert sie einen Beitrag zur Ausgestaltung der immer komplexer werdenden chinesisch-deutschen Kooperation in Forschung, Wissenschaft, Bildung und Innovation.

Politischer Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit

Grundlage der Forschungskooperation beider Länder ist ein Regierungsabkommen über die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit aus dem Jahr 1978. Auf regelmäßig stattfindenden Sitzungen, an denen Vertreter der Forschungsministerien beider Länder, der Forschungs-, Förder- und Mittlerorganisationen sowie einzelne Wissenschaftler teilnehmen, werden Themen und Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit diskutiert.

Die Bildungskooperation beider Länder wird durch bildungspolitische Strategiegespräche vorangetrieben, in denen es vor allem um die Themen Hochschulkooperationen, Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern und Berufsbildung geht. Gerade die Zahl der gemeinsamen Aktivitäten deutscher und chinesischer Hochschulen, aber auch die Qualität der Zusammenarbeit in Form von gemeinsamen Studiengängen, Doppelabschlüssen und Hochschulinstituten, stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Leuchtturmprojekt ist – unter dem Dach der Chinesisch-Deutschen Hochschule – die Chinesisch-Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften an der Tongji-Universität in Shanghai, an der auf deutscher Seite ein Konsortium von 26 Fachhochschulen beteiligt ist.

Seit 2011 führen Deutschland und China Regierungskonsultationen durch, um die Zusammenarbeit in zahlreichen Politikbereichen weiter zu entwickeln. Seitdem wurden dreizehn gemeinsame Erklärungen zu Bildungs- und Forschungsthemen unterzeichnet. Der gemeinsame Aktionsplan „Innovation gemeinsam gestalten!“, der im Oktober 2014 auf den dritten Regierungskonsultationen beschlossen worden ist, bekräftigt die strategische Partnerschaft beider Länder auch in den vom Bundesforschungsministerium verantworteten Themenfeldern. Am 13. Juni 2016 fanden die vierten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Peking statt, in deren Rahmen vier weitere gemeinsame Erklärungen unterzeichnet wurden („Plattform Innovation“, „Biomaterialien“, „Forschungsförderung 2+2“, „Bildung“).

Kooperationsbeispiele: Wasser, Meeresforschung und Innovation

China steht gerade im Umweltbereich vor großen Herausforderungen. Seit mehreren Jahren besteht deshalb eine intensive Zusammenarbeit in den Umwelttechnologien, vor allem in den Wasser-/Abwassertechnologien. Anlässlich der Weltgartenbauausstellung 2014 in Qingdao wurde mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums und in Zusammenarbeit mit deutschen und chinesischen Hochschulen und Industriepartnern die weltweit erste dezentrale Ver- und Entsorgungsanlage SEMIZENTRAL eröffnet. Zudem beteiligen sich deutsche Wissenschaftler und Unternehmen als einzige ausländische Partner an ausgewählten chinesischen Mega-Wasserprojekten, die die Sanierung von stark belasteten Seen und Flüssen in verschiedenen Regionen Chinas zum Ziel haben.

Hervorzuheben ist auch die Zusammenarbeit des Bundesforschungsministeriums mit der chinesischen State Oceanic Administration in der Meeres- und Polarforschung. Ein Meilenstein der Kooperation war die Unterzeichnung einer Gemeinsamen Erklärung zwischen beiden Ministerien während der zweiten Regierungskonsultationen im August 2013. Darin wurde beschlossen, zusätzlich zu den bestehenden Forschungsthemen, die drei Schwerpunkte physikalische Ozeanographie, marine mineralische Ablagerungen und Polarforschung mit in die gemeinsame Förderung aufzunehmen. Zur Verstetigung der Gemeinsamen Erklärung wurde im Juni 2013 eine Förderbekanntmachung für bilaterale Forschungsprojekte veröffentlicht. Eine zweite Förderbekanntmachung zu gleichen Themenschwerpunkten wurde im Juni 2016 ausgeschrieben.

Im Jahr 2011 wurde die Deutsch-Chinesische Plattform Innovation zur Stärkung der Zusammenarbeit in der Innovationsforschung initiiert. Seitdem haben vier große Innovationskonferenzen in Peking und Berlin stattgefunden, an denen Wissenschaftler sowie Politik- und Unternehmensvertreter beider Länder teilnahmen. Die Plattform behandelt neben Themen der wissenschaftlichen Innovationsforschung wie dem Vergleich von Innovationssystemen auch konkrete Anwendungsthemen von Forschung und Innovation.

Forschung und Bildung in China

Die chinesischen Partnerministerien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind das Ministry of Science and Technology und das Ministry of Education. Das Forschungsministerium formuliert die Strategien und Vorgaben zur Umsetzung der nationalen Wissenschafts- und Technologiepolitik. Das Bildungsministerium übt die Rahmenkompetenz für Struktur und Inhalt des Schul- und Hochschulwesens aus und ist somit für die Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses verantwortlich.

Wichtige chinesische Forschungseinrichtungen sind die Chinese Academy of Sciences (Naturwissenschaften), die Chinese Academy of Social Sciences (Sozial- und Geisteswissenschaften) sowie die Chinese Academy of Engineering (Ingenieur- und Technikwissenschaften). Im Gegensatz zu den beiden zuvor genannten Akademien verfügt die Chinese Academy of Engineering  nicht über eigene Forschungsinstitute, sondern agiert vornehmlich als Berater der Regierung bei der Erstellung von Programmen und Strategien für nationale Großvorhaben. Die National Natural Science Foundation of China verwaltet den Fonds zur Förderung der Naturwissenschaften und Grundlagenforschung. Der China Scholarship Council vergibt Stipendien an chinesische und ausländische Staatsbürger, die im Ausland bzw. in China studieren, promovieren oder in der Wissenschaft tätig sein möchten.

Die politische Führung Chinas betrachtet Forschung und Innovation als Grundlage des wirtschaftlichen Wachstums. Das „National Medium- and Long-Term Program for Science and Technology Development“ aus dem Jahr 2006 stellt das Rahmendokument für die Forschungs- und Technologiepolitik Chinas bis zum Jahr 2020 dar. Konkret formulierte Ziele sind die Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2014: 2,09 Prozent), die Erhöhung des Beitrags von Forschung und Entwicklung am Wirtschaftswachstum auf 60 Prozent, die Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Technologien auf unter 30 Prozent und ein Ranking Chinas bei Patenten und wissenschaftlichen Zitationen unter den weltweiten Top 5. Diese Ziele spiegeln sich auch im 13. Fünfjahresplan (2016-2020) wieder, der im Frühjahr 2016 veröffentlicht wurde.