China-Tag des BMBF

Abschlussrede des Forschungsstaatssekretärs Dr. Georg Schütte im Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin

Staatssekretär Georg Schütte während seiner Rede © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Sehr geehrter Herr Gesandter LI,
sehr geehrte Rednerinnen und Redner,
sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

mir fällt es nun zu, einige zusammenfassende Worte zu einem Thema – der Kooperation mit China – zu finden, welches sich nicht in ein paar Stunden abschließend zu Ende diskutieren lässt. Im Gegenteil, die Zusammenarbeit mit China ist ein kontinuierlicher, aber auch sehr komplexer Prozess, den beide Länder vor einigen Jahrzehnten angestoßen haben. Mit der Zeit hat sich die Zusammenarbeit gewandelt und wurde den neuen Herausforderungen angepasst.

Ein gutes Beispiel für diesen Wandlungsprozess und das Streben nach Erneuerung ist auf dem Titelbild der China-Strategie zu sehen: der Shanghaier Stadtteil Pudong auf der Ostseite des Flusses Huangpu. Dort, wo noch vor 25 Jahren sumpfige Felder lagen, die Shanghai mit Gemüse versorgten, befindet sich heute ein modernes Finanz- und Handelszentrum. Erst vor einigen Monaten wurde der Shanghai Tower, mit 632 Metern Höhe das zweithöchste Gebäude der Erde fertiggestellt. Übrigens befinden sich von den 50 höchsten Gebäuden der Welt derzeit 19 in China!

Superlative ziehen sich in China durch alle Bereiche: die größte Volkswirtschaft der Welt, die meisten Millionenstädte, die größte Anzahl an Studierenden und Hochschulen, der größte Absatzmarkt für Autos (18 Mio. Neuzulassungen in 2014), der schnellste Supercomputer (Tianhe-2 in Guangzhou). 

Was bedeutet dies für unsere Kooperation mit China in Forschung, Wissenschaft und Bildung?

  • China ist ein spannender Partner für Wissenschaft und Technologie – es existieren Kooperationsmöglichkeiten in vielen unterschiedlichen Bereichen und Themenfeldern.
  • Für eine erfolgreiche Kooperation, die auch den deutschen Partnern Nutzen bringt, ist eine solide Wissensbasis und gegenseitige Kenntnis notwendig. Dieses Wissen sollte Fakten, Personen und Zuständigkeiten genauso umfassen wie juristische, administrative und kulturelle Rahmenbedingungen.  
  • Gewinnbringende Zusammenarbeit beruht in großem Maße auf Vertrauen, Transparenz und der gemeinsamen Anstrengung, nachhaltig zum Nutzen beider Seiten zu arbeiten.

Für das BMBF ist es wichtig zu sehen, dass die Kooperation mit China für alle relevanten Akteure aus Forschung, Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft eine große Rolle spielt. Dies hat sich heute auch durch Ihre Anwesenheit gezeigt.

Deshalb wird das BMBF auch alle Akteure in ihrer Forschungs-, Innovations- und Bildungszusammenarbeit mit China unterstützen:

  • Die Hochschulen werden wir bei der Umsetzung von strukturellen Kooperationen, z.B. gemeinsamen Studiengängen, Doppelabschlussprogrammen und Einrichtungen sowie dem Austausch von Studierenden, Wissenschaftlern und Lehrpersonal unterstützen.
  • Forschungseinrichtungen und Hochschulen werden wir Hilfestellung leisten bei ihren thematisch weitgefächerten Forschungskooperationen mit chinesischen Partnern. Hierzu werden wir gemeinsam mit dem chinesischen Forschungs- und dem Bildungsministerium die auf den letzten Regierungskonsultationen unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung zur Förderung von nachhaltigen Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen in der innovationsorientierten Forschung zur Lösung globaler Herausforderungen“ umsetzen.
  • Die Erfahrungen und Kontakte von chinesischen Deutschland-Alumni bzw. deutschen China-Alumni werden wir durch eine intensivere Alumni-Arbeit für die deutsche Wissenschaft nutzbar machen.
  • Vor allem wollen wir auch die China-Kompetenz an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen stärken. Um sich ein noch besseres Bild über die Erfolge, Erfahrungen und Hindernisse der konkreten Kooperationsaktivitäten der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in und mit China machen zu können, wird das BMBF in den nächsten Wochen eine Online-Befragung starten, an der ich Sie einlade, teilzunehmen. Ihre Rückmeldung wird uns helfen, unsere Fördermaßnahmen gezielt an Ihre Bedarfe anzupassen.
  • Außerdem werden wir das Monitoring der aktuellen Entwicklungen und Trends der chinesischen Forschungspolitik verbessern und die erhobenen Informationen der deutschen Wissenschaft und Forschung bereitstellen.
  • Mit der chinesischen Seite werden wir den Dialog zu den Rahmenbedingungen der Forschungs- und Bildungskooperation intensivieren. Auch hierbei planen wir, die Vertreter der deutschen Wissenschaftslandschaft und der deutschen Wirtschaft einzubeziehen. Zu Rahmenbedingungen, die sowohl Forschungs- als auch Wirtschaftsaspekte berühren, wie z.B. Fragen des geistigen Eigentums, werden wir mit den übrigen Ressorts, insbesondere dem Bundeswirtschaftsministerium, gemeinsam Stellung beziehen. Ein wichtiges, da aktuelles Ziel, ist die politische Flankierung der Aktivitäten der deutschen Wissenschaft in China. Gerade für Deutschland mit seiner vielfältigen Wissenschaftslandschaft sind freie Entfaltungsmöglichkeiten für die Forschungs- und Mittlerorganisationen wichtig. Dies sollte nicht durch Rechtsvorschriften eingeengt werden.

Meine Damen und Herren,

die China-Strategie stellt den Ausgangspunkt für die zukünftigen Aktivitäten des BMBF mit China dar. Die Erfahrungen und Vorstellungen der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft sind darin eingeflossen. Wir bleiben bei der Umsetzung der Strategie aber selbstverständlich offen für neue Erkenntnisse, Entwicklungen und Schwerpunktsetzungen. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf den anfangs beschriebenen schnellen und kontinuierlichen Wandlungs- und Reformprozess in China.

Deshalb lade ich Sie ein, mit uns in Kontakt zu bleiben und uns Ihre Vorstellungen zur Strategie, aber auch zu den konkreten Umsetzungsmaßnahmen zu übermitteln. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr, die China-Strategie gemeinsam mit Ihnen und unseren chinesischen Partnern umzusetzen. Nutzen Sie die Gelegenheit zum anschließenden informellen Austausch untereinander und mit den Kollegen aus dem BMBF!

Vielen Dank.