Citizen Science: Wissenschaft erreicht die Mitte der Gesellschaft

Sie sammeln Mücken, beobachten Igel, klassifizieren Sterne: Bürgerforschung ist im Kommen. "Citizen Science ist eine große Chance für die Wissenschaft - und ein Gewinn für die vielen freiwillig Engagierten", sagt Bundesministerin Johanna Wanka.

Bürgerforscher: Viele Menschen begeistern sich für das Beobachten von Vögeln. © Thinkstock

Auch in Deutschland unterstützen immer mehr Menschen freiwillig die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. In allen Regionen sammeln sie zum Beispiel Mücken und schicken die Tiere Forscherinnen und Forschern zu, die daraus einen Mückenatlas erstellen. Astronomisch interessierte Bürgerinnen und Bürger beobachten den Sternenhimmel und klassifizieren Himmelsobjekte. Andere Freiwillige halten beim Spazierengehen in Berlin und Umgebung Ausschau nach Wildschweinen und Igeln. Haben sie Tiere gesichtet, geben sie die Informationen an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung weiter.

Bürger schaffen Wissen

Menschen, die auf diese Weise Wissen schaffen, werden für die Forschung immer wichtiger. Der Trend zu mehr Beteiligung ist eine große Chance für die Wissenschaft – und gleichermaßen ein Gewinn für die zahlreichen Freiwilligen. "Citizen Science hat das Potenzial, die Wissenschaft nachhaltig zu stärken", sagt Bundesministerin Johnna Wanka. Abhängig von der genauen Fragestellung eines Forschungsprojektes können Bürgerinnen und Bürger mehr oder weniger leicht wichtige Daten zur Verfügung stellen. Ohne ihre Unterstützung würden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht so einfach an die Informationen gelangen.

Eine besonders intensive Form der Beteiligung

Citizen Science bindet Menschen, die an Wissenschaft interessiert sind, in die Forschung ein. Das Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger steigt, auf dem Gebiet von Wissenschaft und Forschung mitzureden oder auf andere Art beteiligt zu werden. Längst ist es nicht mehr nur das Ziel der Wissenschaftskommunikation, der Öffentlichkeit komplexe Themen möglichst verständlich zu vermitteln. Entscheidend für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ist vielmehr ein ernst gemeinter und ernst genommener Dialog zwischen Wissenschaftlern und Bürgern. Citizen Science ist eine besonders aktive Form der Beteiligung. Menschen reden nicht nur über Forschung, sie machen bei konkreten Projekten mit.

Neue Internetplattform

Um Citizen Science in Deutschland zu stärken, muss diese Möglichkeit der Mitarbeit an Forschungsprojekten in der breiten Öffentlichkeit noch bekannter werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert deshalb eine Internetplattform, die als zentrale Anlaufstelle für Bürgerforschung in Deutschland dienen soll. Das Berliner Naturkundemuseum und die Initiative Wissenschaft im Dialog setzen dieses Vorhaben um.