Clevere Forschung für nachhaltige Lebensmittel

Quakenbrücker Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie wir uns in Zukunft ernähren könnten. Davon hat sich Forschungsministerin Karliczek ein Bild gemacht.

Ministerin Karliczek besucht das Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V.
Ministerin Karliczek besucht das Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. © DIL/Jörg Sarbach

Wie erschließen Forschende neue Nahrungsquellen? Wie lässt sich der ökologische Fußabdruck der Ernährung reduzieren? Und welche neuen Verfahren garantieren sichere und gesunde Lebensmittel? Das erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL), das Bundesforschungsministerin Anja Karliczek heute besucht hat. Das DIL erforscht Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Samen bis auf den Teller.

„Die Ernährung der Weltbevölkerung mit gesunden und sicheren Lebensmitteln ist eine wichtige Aufgabe auch für Europa und Deutschland“, sagte Ministerin Karliczek während ihres Besuchs. „Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels stehen wir hier vor enormen Herausforderungen. Ich begrüße es, dass das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik einen internationalen Masterstudiengang zur Lebensmittelherstellung anbieten wird, der auch für Studierende aus dem Ausland offen ist. Die Forschung des DIL trägt zu einer biobasierten und nachhaltigen Lebensweise bei“, so die Ministerin.

Dafür setze sich das BMBF seit Jahren ein, betonte Karliczek. „Im Rahmen der Nationalen Bioökonomiestrategie fördern wir exzellente Forschung für die Entwicklung nachhaltiger, innovativer, klimaneutraler und ressourceneffizienter Agrar-, Ernährungs- und Lebensmittelsysteme. Biotechnologie, Digitalisierung und Automatisierung sind wichtige Pfeiler der Bioökonomie-Forschung“, sagte sie. Es freue sie daher, dass das DIL seine Forschungsaktivitäten in diesen Bereichen verstärken wolle.

Raps als wertvolle Proteinquelle

Drei vom BMBF geförderte Forschungsprojekte zeigen, wie das DIL zu einer gesunden Ernährung und nachhaltigen Lebensmittelproduktion beitragen will:

Ministerin Karliczek besucht das Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V.
Ministerin Karliczek besucht das Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V. © DIL/Jörg Sarbach

Im Verbundprojekt „RaPEQ-P2“ wollen die Forschenden aus Raps hochwertiges Protein für die menschliche Ernährung gewinnen. Raps wird in Deutschland in großen Mengen angebaut, bisher im Lebensmittelbereich aber vorrangig nur zu Öl verarbeitet. Raps ist aber voller wertvoller Proteine. Die Herausforderung für die Forschenden ist, das Rapsprotein so zu verändern, dass es für den menschlichen Verzehr besser genutzt werden kann. Denn der Geschmack muss stimmen. Und auch Gehalt und Qualität sollen optimiert werden. Am Schluss muss das Protein sich auch gut verarbeiten lassen. Gelingt das, kann Rapsprotein tierisches Protein in vielen Fällen ersetzen und den Import von Proteinen aus tropischen Pflanzen begrenzen. Das würde sich nicht nur positiv auf Umwelt und Klima auswirken, sondern regt die regionale Versorgung in Deutschland und Europa an und gibt in anderen Ländern Anbauflächen frei. Letztlich soll das zur globalen Ernährungssicherheit beitragen.

Verringern Beerenfrüchte das Krebsrisiko?

Einen Geschmackstest müssen die Beeren aus dem Forschungsprojekt „Berry4Value“ nicht durchlaufen, denn sie sollen letztlich nicht im eigentlichen Sinne gegessen werden. Reste aus einheimischen Beerenfrüchten sollen vielmehr als Quelle für bioaktive Substanzen wie Polyphenole und Anthocyane dienen. Diese haben antioxidative Wirkung und sollen das Risiko von Entzündungen und Krebs verringern. Unter den Früchten sind zahlreiche Beerensorten wie die Wildheidelbeere, die zur Fruchtsaft-Produktion genutzt werden. Bisher gibt es keine Methode, mit der sich die bioaktiven Substanzen im industriellen Maßstab aus den Fruchtsaft-Reststoffen extrahieren und aufreinigen lassen. Das will das DIL mit fünf Partnern aus Wissenschaft und Industrie ändern und entwickelt neuartige Extraktions- und Aufreinigungsmethoden für die bioaktiven Substanzen. Gemeinsam wollen sie so einen nachhaltigen hochwertigen Wirkstoff gewinnen.

Reststoffe werden in Kreisläufen gehalten

Das „Berry4Value“ zeigt deutlich, wie wichtig es in Zukunft sein wird, in Kreisläufen zu denken und Reststoffe zu nutzen. Dabei können auch Reststoffe wieder in Kreisläufe gebracht werden, die auf den ersten Blick nicht sehr hochwertig erscheinen. „Upwaste“ heißt das dritte Projekt des DIL, das vom BMBF gefördert wird und sprichwörtlich aus Stroh Gold macht. Die Forschenden des DIL wollen im Projekt mit insgesamt sechs Partnern aus vier europäischen Ländern Reststoffe aus der Landwirtschaft, wie Gülle, Stroh, und Lebensmittelreste einsetzen, um damit Algen herzustellen oder Insekten zu füttern. Algen und Insekten können dann wieder zur Herstellung von Lebensmitteln oder Chemikalien genutzt werden. Reststoffe aus der Landwirtschaft sollen so nachhaltig und effizient verarbeitet werden. Indem Land–und Kreislaufwirtschaft verbunden werden, wird zudem der ländliche Raum gestärkt.

Die Beispiele zeigen: Die Forschung spielt für die künftige nachhaltige Lebensmittelproduktion eine zentrale Rolle. Denn eine zukunftsfähige klimaneutrale Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion braucht neue Konzepte und Prozesse. Dafür müssen teils neue Wertschöpfungssysteme entwickelt oder alte neu gedacht werden.

Hintergrund

Das 1983 gegründete Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut. Die Kompetenzen und technischen Möglichkeiten des Instituts erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel. Dieses Knowhow wird über den Organisationsaufbau des Instituts mit über 200 Mitarbeitenden umgesetzt, der sich in miteinander verzahnte Forschungsplattformen und Geschäftsbereiche gliedert. Das Ziel des DIL ist, durch technische Innovationen die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte und Prozesse voranzutreiben sowie Unterstützung bei der Produktentwicklung und der Herstellung von Lebensmitteln zu gewährleisten.