"Cluster sind Aushängeschilder führender Innovationsstandorte"

Sie soll noch 2019 starten – und neue Anreize für schnellen Transfer von Innovationen in die Praxis bieten: Die Zukunftscluster-Initiative. Damit schaffe das BMBF eine "langfristige Förderperspektive" für Spitzencluster, so Staatssekretär Luft.

Ansprache des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung Christian Luft bei der Abschlussveranstaltung zur 2. Clusterwoche Deutschland, 7. Jahrestagung des Programms go-cluster: „Innovativ, innovativer, Cluster“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am 11.04.2019.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Kollegin, liebe Frau Dörr-Voß

sehr geehrter Herr Prof. Dr. Weinberg

sehr geehrte Vertreterinnen und -vertreter der Cluster,

meine Damen und Herren!

Passend zum heutigen Konferenzthema „Innovativ, innovativer, Cluster“ darf ich einen weiteren Superlativ hinzufügen: Deutschland ist am innovativsten! Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt das Weltwirtschaftsforum in seinem Globalen Wettbewerbsbericht 2018, vor den USA und der Schweiz!und Netzwerklandschaft

Ich freue mich sehr, heute zum Abschluss der zweiten bundesweiten Clusterwoche und der nunmehr siebten „go-cluster-Jahrestagung“ bei Ihnen zu sein. Ich möchte heute vor allem die Leistungen der Cluster in Deutschland würdigen. Auch im Namen von Frau Ministerin Karliczek danke ich ganz besonders allen, die an der Clusterwoche mitgewirkt und sie so erfolgreich gestaltet haben. Die Clusterwoche dokumentiert mit den von meiner Kollegin gerade schon genannten Veranstaltungszahlen eindrucksvoll, welche Innovationskräfte in unserem Land durch Kooperationen entfaltet werden können. Dafür herzlichen Dank!

Damit die Clusteraktivitäten weiterhin Früchte tragen und unser Innovationsökosystem gedeihen lassen, ist eine effiziente, kooperative Clusterpolitik ganz entscheidend. Wir müssen beides sein: Ein Land der Forscherinnen- und Forscher und eine starke Innovationsnation. Dafür investieren wir wirkungsvoll in Bildung, Forschung und Innovation. Der Bund hat seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Zeitraum von  9 Milliarden Euro 2005 auf zuletzt knapp 18 Milliarden Euro im Jahr 2018 fast verdoppelt.

Die Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung setzt hier den politischen Rahmen. Mit ihr wollen wir allen Innovationsakteuren Orientierung bieten und Perspektiven aufzeigen. Sie ist auch international ein Vorbild für ressortübergreifende, erfolgreiche Innovationspolitik.

Auch die 15 Spitzencluster, die zwischen 2008 und 2017 durch das BMBF gefördert wurden, spiegeln den umfassenden Ansatz und die Nachhaltigkeit unserer Hightech-Strategie wider. Die geschaffenen Strukturen bewähren sich bis heute. Erfolge sehen wir bei der Gründungsförderung. Aus einer Vielzahl von Start-up-Unternehmen im medizintechnischen Cluster Medical Valley in der Metropolregion Nürnberg/Erlangen – das ja gleich auch selbst aus seiner Arbeit berichten wird – zwei Beispiele: Das eine, AB-CT, führt gerade einen Brust-CT-Scanner auf den Markt ein. Das andere Moio.Care hat ein marktfähiges Pflaster entwickelt, das rein sensorisch die wesentlichen Daten von Demenzpatienten erfassen kann.

Lassen Sie mich angesichts der gerade angesprochenen Gesundheitslösungen nochmals auf die Hightech-Strategie zurückkommen. Die Ressorts haben darin zwölf konkrete Missionen definiert. Sie werden gemeinsam angegangen, um Fortschritte zu ermöglichen, die in der Lebenswirklichkeit der Menschen spürbar werden.

Ich möchte zwei Missionen herausgreifen:

Die Nationale Dekade gegen Krebs. Die Nationale Dekade gegen Krebs haben wir ausgerufen mit dem Ziel, diese bedrohliche und für viele Menschen so fatale Krankheit wenn nicht zu besiegen, so doch besser beherrschbar zu machen. Und zwar durch eine verbesserte Prävention, Früherkennung und Behandlung.
Im Bereich Künstliche Intelligenz wollen wir Deutschland zu einem weltweit führenden Standort für Forschung, Entwicklung und Anwendung machen. Wir wollen dabei KI als Querschnittstechnologie für eine Vielzahl von Anwendungsfeldern erschließen.

Auch hier schließt sich der Kreis zu den Clustern. Denn diese sind oft der Ort, an dem KI-Lösungen, maschinelles Lernen und Analysetechniken für Big Data in konkrete Anwendungen überführt werden. So arbeitet z.B. das Cluster für individualisierte Immunintervention (Ci3) in Mainz schon heute mit Informatikern zusammen, um KI für Forschung und individualisierte Therapieansätze zu nutzen. Dies insbesondere bei der Krebsbekämpfung.

Ein Ziel der Hightech-Strategie ist es, Deutschlands Zukunftskompetenzen und die dafür notwendige Fachkräftebasis zu sichern. Weil wir ja auch das Bundesbildungsministerium sind, freut es mich ganz besonders, dass sich Cluster so stark für Deutschlands Fachkräfte von Morgen engagieren. Ein Beispiel sind die Aktivitäten des Sport-Innovations-Netzwerks SINN-i in München. Es wird mit internationalen Partnern an der Entwicklung von bewegungsbasierten MINT-Lern-Modulen arbeiten. Gemäß der Frage: Was ist das Geheimnis hinter einer „Bananenflanke?“ soll das Interesse am Erwerb von MINT-Kompetenzen anhand der Welt des Sports geweckt werden.

Meine Damen und Herren,

wir müssen unsere Erfolge aber auch sichtbar machen.

Herausragende Cluster sind Aushängeschilder international führender Innovationsstandorte, dafür steht z.B. das Silicon Valley. Mit gewissem Stolz darf ich sagen: Die deutsche Cluster- und Innovationspolitik wird von anderen Ländern als Vorbild wahrgenommen – in Nordamerika, in Asien, in Europa, weltweit. Insbesondere wegen der gelungenen Einbindung des Mittelstands in Forschung und Innovation.

Nehmen wir zum Beispiel Kanada: 2018 hat die kanadische Regierung eine „Innovation Superclusters Initiative“ initiiert. Der Spitzencluster-Wettbewerb stand dabei Pate. Von vorneherein wurde dort der Austausch mit deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gesucht. Die deutsche Clusterlandschaft wird also als Erfolgsmodell international wahrgenommen. Die internationale Reputation der deutschen Clusterlandschaft ist auch das Fundament für die Weiterentwicklung unserer Förderinstrumente. 2015 haben wir die Maßnahme „Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken“ gestartet. Hier Die deutschen Unternehmen und ausländischen Kooperationspartner mobilisieren zusätzlich eigene Kapazitäten und Ressourcen für die gemeinsamen Projekte.

Was sind nun die Herausforderungen und Perspektiven clusterorientierter Forschungs- und Innovationspolitik?

Die Folgen der jüngsten Handelsstreitigkeiten, des wachsenden Populismus sowie der Betonung nationaler Interessen sind spürbar. Die Antwort Deutschlands darauf kann nur sein, isolationistischen und protektionistischen Tendenzen entschlossen entgegenzuwirken. Damit einher geht die Bereitschaft, sich international zu vernetzen, voneinander zu lernen und die großen Zukunftsaufgaben gemeinsam zu lösen.

Ich möchte an den eingangs erwähnten Globalen Wettbewerbsbericht 2018 des Weltwirtschaftsforums anknüpfen. Bei der Innovationsfähigkeit haben wir gut abgeschnitten. Aber unter Berücksichtigung der anderen 11 Kriterien wie etwa der Stärke des Finanzsystems, der Infrastruktur, der Bildung und des Gesundheitsweisens landet Deutschland im Ranking hinter den USA und Singapur auf Platz drei. Es ist also noch viel zu tun, z.B. beim Mut zum „Unternehmen“ und zur Finanzierung von Innovationen.

Wir müssen schneller Forschungsergebnisse in die breite Anwendung bringen.

Vor diesem Hintergrund werden wir mit Blick auf einen schnellen Transfer aus der Forschung in die Wirtschaft und die Gesellschaft neue Anreize setzen:

Mit der Agentur für Sprunginnovationen sollen Voraussetzungen für disruptive Innovationen geschaffen werden. Das ist ein völlig neuer experimenteller Ansatz komplementär zur bestehenden FuE-Förderung, den wir übrigens gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium angehen.
Mit der Zukunftscluster-Initiative bauen wir auf den Erfahrungen mit unserer bisherigen Clusterförderung auf, wollen aber weiter vorne im Innovationsprozess ansetzen. Die Zukunftscluster sollen an grundlegende Forschungsergebnisse anknüpfen und neue Akteurskonstellationen mobilisieren. Dafür werden wir eine langfristige Förderperspektive bieten, mit dem Ziel, dass „Spitzencluster von morgen“ entstehen. Die Initiative soll noch in diesem Jahr starten.

Die kreative Vielfalt und die Erfolge unserer deutschen Clusterlandschaft zeigen uns, dass wir den richtigen Weg verfolgen.

Für heute wünsche ich allen eine spannende Tagung! Ich freue mich, auch in Zukunft erfolgreich mit dem Bundeswirtschaftsministerium und den Ländern zusammenzuarbeiten. Und ich blicke hoffnungsvoll nach vorne, was uns zukünftige Clusterwochen an Innovationserfolgen präsentieren werden.

Vielen Dank!