Darmkrebs: Halbgeschwister, aber volles Risiko

Kinder und Geschwister von Darmkrebspatienten sollten regelmäßig und frühzeitig zur Vorsorge gehen. Denn ihr Risiko zu erkranken, ist deutlich erhöht. Gleiches gilt auch für Halbgeschwister. Das haben Heidelberger Krebsforschende herausgefunden.

Mit regelmäßiger Vorsorge – dem sogenannten Screening – lässt sich das Darmkrebsrisiko deutlich verringern. © BMBF

Darmkrebs ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung. Etwa 1,8 Millionen Menschen erkranken daran jedes Jahr – die Hälfte von ihnen verliert den Kampf gegen den Krebs. Wer in seiner Familie bereits einen Darmkrebsfall hatte, sollte regelmäßig zur Vorsorge gehen. Denn Kinder oder Geschwister von Betroffenen haben selbst ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Was jedoch bisher unterschätzt wurde: Gleiches gilt für Halbgeschwister. Sie haben ein höheres Erkrankungsrisiko als Verwandte zweiten Grades wie Großeltern oder Tanten. Das fanden Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg und des Universitätsklinikums Heidelberg gemeinsam mit internationalen Partnern heraus. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dafür in einer Studie die Familiengeschichte von über 170.000 Darmkrebspatienten untersucht.

Auch gemeinsame Lebensbedingungen spielen eine Rolle

„Wir konnten nachweisen, dass das familiäre Risiko für Halbgeschwister von Darmkrebspatienten deutlich höher war als bisher erwartet. Halbgeschwister sollten daher bei der Familienanamnese in der Risikobewertung für eine Darmkrebserkrankung wie Verwandte ersten Grades eingestuft werden“, rät DKFZ-Krebsforscher Mahdi Fallah in einer Pressemitteilung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. „Zugleich zeigen die Ergebnisse aber auch, dass neben den Genen auch gemeinsame Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten innerhalb von Familien bei der familiären Häufung von Darmkrebs eine große Rolle spielen, denn sonst würde man deutliche Unterschiede im Risiko für ‚Vollgeschwister‘ und Halbgeschwister erwarten“, sagt Hermann Brenner, der Leiter der Abteilung Präventive Onkologie am DKFZ.

Mit Vorsorge lässt sich das Krebsrisiko verringern

Mit regelmäßiger Vorsorge – dem sogenannten Screening – lässt sich dieses Krebsrisiko allerdings deutlich verringern. Wer in der Familie einen Darmkrebsfall hatte, sollte zehn Jahre vor dem Diagnosealter des jüngsten erkrankten Familienmitglieds, spätestens aber mit 40 bis 45 Jahren zur Vorsorge gehen. Das empfehlen Krebs-Experten. Weist die Familiengeschichte auf ein erbliches Darmkrebsrisiko in der Familie hin, sollten Verwandte ersten Grades bereits ab einem Alter von 25 Jahren regelmäßig eine Darmspiegelung durchführen lassen.

Prävention in der Nationalen Dekade gegen Krebs

Krebsprävention ist auch ein Schwerpunkt in der Nationalen Dekade gegen Krebs, die das Bundesforschungsministerium im Januar 2019 gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Gesundheitswesen, Politik und Gesellschaft gestartet hat. In einer eigenen Arbeitsgruppe wird die Forschung zur Weiterentwicklung von Maßnahmen der Gesunderhaltung und Prävention vorangetrieben. Außerdem sollen neue Strategien und Methoden gefunden werden, die eine personalisierte Krebsfrüherkennung ermöglichen.

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und der Deutschen Krebshilfe.