Das Bildungs- und Forschungsjahr 2015 in Zahlen

100 Wetterstationen entstehen im westlichen und südlichen Afrika. Sie gehören zu den beiden Kompetenzzentren für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement, die das BMBF gemeinsam mit Partnern aus inzwischen 15 afrikanischen Ländern regional aufbaut. Das Projekt soll dazu beitragen, Mensch und Umwelt besser gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen und afrikanische Klimaforscher auszubilden. Weltweit arbeiten deutsche Wissenschaftler mit Unterstützung des BMBF an der Erforschung des Klimawandels mit. Zum Beispiel auch am Klimamessturm ATTO im brasilianischen Amazonas-Gebiet, der in 325 Metern Höhe seit diesem Jahr Daten über das sensible Ökosystem Regenwald sammelt.

Von 10.226 auf 15.000 Euro steigt der maximale Förderbeitrag für Lehrgang- und Prüfungskosten im sogenannten „Meister-BAföG“. Das hat das Bundeskabinett im Oktober mit der Neufassung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) beschlossen. Die Novelle enthält zahlreiche Modernisierungen und Leistungsverbesserungen, unter anderem wird die AFBG-Förderung für Bachelorabsolventen geöffnet, wenn Sie einen Meisterkurs oder eine vergleichbare Fortbildung machen wollen. Seit Bestehen des Meister-BAföG (1996) hat die Förderung rund 1,7 Millionen berufliche Aufstiege ermöglicht.

103,7 Ausbildungsangebote standen 100 ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen in diesem Jahr zur Verfügung – das sind mehr Angebote als in den Vorjahren. Das ist das Ergebnis der Erhebung über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30. September 2015, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vorgelegt hat.

Mit 7,7 Prozent wies Deutschland 2014 EU-weit die mit Abstand niedrigste Jugenderwerbslosenquote auf. Dies teilte das Statistische Bundesamt anlässlich des Internationalen Tags der Jugend im August 2015 mit. In der gesamten EU betrug die Erwerbslosenquote junger Menschen zwischen 15 und 24 Jahren 22,2 Prozent. Am höchsten war sie in Spanien (53,2 Prozent) und Griechenland (52,4 Prozent). Als wichtiger Grund für die niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland gilt das bewährte duale Berufsbildungssystem, das jungen Menschen durch die enge Verbindung von Arbeiten und Lernen den Übergang ins Arbeitsleben erleichtert und eine solide Grundlage für einen erfolgreichen Berufsweg ist.

Bis zu 100 Millionen Grad Celsius heiß wird das Plasma im Magnetfeldkäfig von Wendelstein 7-X. Die Experimentieranlage am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald soll die Kraftwerkstauglichkeit von Fusionsanlagen des sogenannten Stellarator-Typs demonstrieren. Finanziert wird die Spitzenforschung im Bereich der Kernfusion durch das BMBF, die EU und das Land Mecklenburg-Vorpommern. Im Dezember konnten die Forscher in der Anlage mit ihrem Herzstück aus 50 supraleitenden und 3,5 Meter hohen Magnetspulen das erste Plasma mit Helium zünden.

Mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen an der Universität des Saarlandes daran, das Internet sicherer zu machen. Sie gehören zum Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit CISPA (Center for IT-Security, Privacy and Accountability). Das BMBF hat seine Unterstützung für CISPA mit 16 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre verdreifacht und baut seinen Förderschwerpunkt IT-Sicherheitsforschung auch insgesamt stark aus: Saarbrücken ist neben Karlsruhe und Darmstadt eines von drei Kompetenzzentren als Teile des neuen Forschungsrahmens „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015-2020“. Zudem gab das BMBF im September den Startschuss zur Errichtung eines Deutschen Internet-Instituts, an dem interdisziplinär die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte der Digitalisierung erforscht werden sollen.

Um rund 1,2 Milliarden Euro entlastet der Bund durch die Übernahme der BAföG-Mittel seit Beginn des Jahres 2015 die Haushalte der Länder. Zuvor wurden die Leistungen für Schüler und Studierende nach dem BAföG zu 35 Prozent durch die Länder finanziert, jetzt zahlt der Bund das BAföG vollständig. Die Länder erhalten dadurch dauerhaft jedes Jahr finanzielle Spielräume, die sie insbesondere für ihre Hochschulen einsetzen können. Der Bund investiert auch weiter konsequent in Bildung und Forschung: Mit dem Haushalt 2016 steigt der Etat des BMBF erneut - um 1,1 Milliarden Euro auf rund 16,4 Milliarden Euro.

Bildung und Sprache sind der Schlüssel zum Erfolg.
Bildung und Sprache sind der Schlüssel zum Erfolg. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Mehr als 5.000 Bibliotheken sind im November mit neuen Lesestart-Sets bestückt worden. Mit dem Programm "Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen", das vom BMBF finanziert, von der Stiftung Lesen umgesetzt und von den Bibliotheksverbänden unterstützt wird, erhalten Eltern mit dreijährigen Kindern in ihrer Bibliothek vor Ort ein altersgerechtes Kinderbuch sowie Informationen über das Thema Vorlesen. Um Flüchtlingsfamilien so auch einen ersten Zugang zum Deutschlernen zu bieten, wird die Aktion jetzt auf Erstaufnahmeeinrichtungen ausgeweitet: Im Dezember verteilte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in Berlin die ersten Lesestart-Sets mit Informationen auch auf Arabisch und Farsi an Flüchtlingskinder und ihre Eltern.

2,8 Millionen Studentinnen und Studenten sind im laufenden Wintersemester an deutschen Hochschulen immatrikuliert – ein neuer Höchststand, auch wenn die Zahl der Erstsemester im Studienjahr 2015 laut Statistischem Bundesamt leicht auf 503.600 gesunken ist. Bund und Länder haben angesichts der anhaltend hohen Studierneigung Vorsorge getroffen und finanzieren über den Hochschulpakt zusätzliche Studienplätze. Mit dem Qualitätspakt Lehre, der im November in seine zweite Phase gestartet ist, werden zudem an 156 Hochschulen bundesweit die Studienbedingungen verbessert. Deutsche Hochschulen sind auch für mehr als 320.0000 ausländische Studierende attraktiv – Rekord.

Zwei Maßnahmenpakete für die Integration von Flüchtlingen hat Bundesbildungsministerin Wanka im Herbst vorgestellt. Das erste Paket konzentriert sich auf den Erwerb der Deutschen Sprache, das Erkennen der Kompetenzen und Potenziale der Flüchtlinge sowie ihren Zugang zu beruflicher Bildung. Damit Flüchtlinge ein Studium aufnehmen können, brauchen sie Beratung, sprachliche Vorbereitung und fachliche Unterstützung – hier greifen die Maßnahmen des zweiten Pakets. Mehr als 230 Millionen Euro insgesamt stellt das BMBF für die Integrationshilfen in den nächsten Jahren zur Verfügung.

Nachwuchsforscherin im Labor
Nachwuchsforscherin im Labor © Thinkstock/Fuse

Eine Milliarde Euro in zehn Jahren will der Bund für zusätzliche Tenure-Track-Professuren ausgeben: Seit April verhandeln Bund und Länder gemeinsam über eine neue Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ihr Ziel: Einen Strukturwandel anstoßen und die Karrierewege für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planbarer machen. Um die Situation für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu verbessern, hat die Bundesregierung außerdem die Novelle des Wissenschaftszeitvertrages auf den Weg gebracht, die Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis entgegen tritt.

40 Prozent der Anfänger in Bachelorstudiengängen oder äquivalenten beruflichen Programmen entscheiden sich in Deutschland für ein MINT-Fach, im OECD-Durchschnitt sind es nur 26 Prozent. Deutschlands zahlreiche bildungspolitischen Anstrengungen der letzten Jahre, junge Leute für naturwissenschaftliche, technische oder mathematische Berufe zu begeistern, zahlen sich demnach aus. Das belegt der Bericht „Bildung auf einen Blick 2015“, den die OECD im November vorgestellt hat. Der Bericht bescheinigt Deutschland insgesamt ein leistungsfähiges Bildungssystem.

800 wissenschaftliche Sammlungen verwahren Universitäten in Deutschland – technische, naturwissenschaftliche, kunst- oder kulturgeschichtliche Objekte in oft einzigartigen Beständen. Das BMBF hilft den Hochschulen mit der im Mai begründeten „Allianz für universitäre Sammlungen“ und 7,5 Millionen Euro Förderung dabei, ihr museologisches Wissen zu vertiefen und Konzepte für die wissenschaftliche Nutzung ihrer ungehobenen Schätze zu entwickeln.

Um die vierte industrielle Revolution in Deutschland voran zu bringen, ist in diesem Jahr die Plattform Industrie 4.0 entstanden. Das Besondere: Alle Akteure rund um die Verzahnung von Produktion und modernster Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten hier zusammen, um einheitliche und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministerium, Unternehmen, Gewerkschaften, Verbände, Wissenschaft. Das BMBF unterstützt die Entwicklung zudem mit gezielter Förderung, zum Beispiel mit der im April gestarteten Initiative „Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden“ für anwendungsbezogene Projekte, die gemeinsam mit dem Mittelstand vor Ort zeigen, wie Industrie 4.0-Lösungen in die Tat umgesetzt werden können.

Deutschland belegt Platz 4 der innovationsstärksten Länder der Europäischen Union. Diese Innovationsleistung auf hohem Niveau ergab der Innovationsanzeiger der Europäischen Kommission (IUS 2015). Dass Deutschland zu den Innovationsführern zählt, wird auch durch das von der Europäischen Kommission veröffentlichte EU Industrial R&D Investment Scoreboard deutlich, das die FuE-Investitionen von Unternehmen ausweist. Hier kommen sechs der FuE-stärksten europäischen Unternehmen aus Deutschland. Volkswagen führt dieses Ranking im weltweiten Vergleich sogar an.

Vor 56 Jahren haben deutsche und israelische Wissenschaftler bei einem Treffen die vorsichtige Annäherung ihrer Länder nach dem Leid und Schrecken der Shoah initiiert. Bei einer Delegationsreise der Max-Planck-Gesellschaft an das Weizmann-Institut in Rehovot 1959 suchten die Forscher nach einer Basis für wissenschaftliche Kooperation. Sechs Jahre später nahmen Israel und Deutschland ihre diplomatischen Beziehungen auf, deren 50. Jubiläum beide Länder 2015 gefeiert haben. Bundesforschungsministerin Wanka reiste im Februar als erste Bundesministerin im Jubiläumsjahr nach Israel, mit dem Deutschland heute auch durch enge wissenschaftliche Zusammenarbeit verbunden ist.

Mehr als 1.300 Alltagsklänge, Lieblingsgeräusche oder Lärmkulissen haben Nutzer in der interaktiven Online-Deutschlandkarte der Aktion „Stadtklang 2015“ seit August hochgeladen: Kuhglocken beim Almabtrieb in Bad Hindelang, die Rufe der Händler auf dem Hamburger Fischmarkt, grunzende Schweine im Löwenberger Land oder singende Fans im Stadion des 1. FC Köln. Die Aktion sollte auf die Bedeutung von Akustik bei der Stadtplanung und das noch junge Forschungsfeld dazu aufmerksam machen. Sie war Teil des Wissenschaftsjahres 2015 des BMBF, das sich in Hunderten Veranstaltungen deutschlandweit mit dem Thema „Zukunftsstadt“ auseinander gesetzt hat.

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden weltweit an vernachlässigten und armutsbegünstigten Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder Ebola. Die Erforschung dieser Krankheiten war daher einer der Schwerpunkte des G7-Wissenschaftsministertreffens im Oktober in Berlin. Die Minister haben beschlossen, die öffentliche Förderung von Forschung zu armutsbedingten Infektionskrankheiten aufeinander abzustimmen und zu stärken - ebenso die Forschungsförderung zum Schutz der Meere und zu sauberer Energie, den anderen Themen des G7-Treffens. Weiterhin erreichten sie erstmals einen Konsens über die gegenseitige Öffnung von Forschungsinfrastrukturen von globaler Bedeutung.

80 neue Stipendiatinnen und Stipendiaten hat das muslimische Avicenna-Studienwerk im November neu aufgenommen. Es ist der zweite Jahrgang für das jüngste der 13 staatlich anerkannten Begabtenförderungswerke, das vom BMBF gefördert wird. Neben den Studienwerken fördert das BMBF junge Talente auch über das Deutschlandstipendium, 22.500 Studierende sind 2014 hiermit unterstützt worden, wie das Statistische Bundesamt im Mai bekannt gab – 14 Prozent mehr als 2013. Private Förderer haben allein 2014 24 Millionen Euro für das Programm aufgebracht. Sie tragen pro Stipendium 150 von 300 Euro im Monat, die andere Hälfte gibt der Bund hinzu.

Etwa 7,5 Millionen funktionale Analphabeten gibt es laut einer Studie in Deutschland – sie können zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, Texte jedoch, auch kurze, machen ihnen Probleme. Um diesen Menschen zu helfen, haben Bund und Länder im September die Dekade der Alphabetisierung ausgerufen. Erwachsene sollen in den nächsten zehn Jahren mehr Angebote bekommen, die sie dabei unterstützen, besser Lesen und Schreiben zu lernen. Das BMBF wird in dieser Zeit mit bis zu 180 Millionen Euro Alphabetisierungsprojekte fördern. Sichtbar wird die Dekade aktuell auch im Straßenbild mit der Plakatkampagne „Nur Mut“, die auf Möglichkeiten zur Beratung aufmerksam macht.

Immerhin ein Viertel der Deutschen kann sich vorstellen, einmal von einem Roboter gepflegt zu werden. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Rahmen des neuen BMBF-Bürgerdialogs „Zukunftsforum“, bei dem Bundesforschungsministerin Wanka zum Auftakt im September unter der Überschrift „Gesundheit neu denken“ mit Bürgerinnen und Bürgern über Möglichkeiten und Grenzen von Hightech-Medizin diskutierte.

Etwa 9,2 Kilowattstunden Energiegehalt stecken in einem Liter Diesel, der aus CO2 hegestellt wurde. Im Verbundprojekt „Sunfire“ in Dresden wird aus dem Abfallstoff Kohlendioxid im „Power-to-Liquid“-Verfahren ein synthetischer Kraftstoff. Bau und Testbetrieb der Anlage in Dresden werden über das BMBF-Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA) gefördert. Bundesforschungsministerin Wanka konnte im April ihren Dienstwagen erstmals mit dem Zukunfts-Kraftstoff betanken.

Rund 20.000 Verfahren auf Anerkennung einer ausländischen Berufsqualifikation hat es 2014 in Deutschland gegeben, wie das Statistische Bundesamt im September mitteilte. Das bedeutet ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den Verfahren nach dem Anerkennungsgesetz geht es um bundesrechtlich geregelte Berufe, wie zum Beispiel Pflegeberufe. Von den beschiedenen Verfahren (14.838) endeten rund 78 Prozent mit einer vollen Gleichwertigkeit, lediglich 3,6 Prozent wurden abgelehnt.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.bmbf.de