„Das Deutschlandstipendium hat sich prächtig entwickelt“

Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, über die steigende Zahl an Stipendiaten an seiner Hochschule und darüber, warum sowohl gute Noten als auch starkes soziales Engagement wichtig sind.

Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Herr Ihne, wie hat sich das Deutschlandstipendium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg  seit 2011 entwickelt?

Am Anfang, im Jahr 2011, waren es noch 52 Stipendien, die wir vergeben haben, in den Folgejahren dann schon 65, 71 und 82. Im laufenden Studienjahr konnten wir 120 Stipendien vergeben. Auch die Anzahl der fördernden Unternehmen ist gestiegen: Wir sind mit 21 gestartet und haben jetzt 29. Sie sehen: Das Deutschlandstipendium hat sich bei uns prächtig entwickelt.

Bei der Vergabe der Deutschlandstipendien zählen nicht nur Noten, sondern auch die Überwindung biographischer Hürden und soziales Engagement. Warum ist dieser ganzheitliche Leistungsbegriff so wichtig?

Ich halte es für wichtig, Leistung ganzheitlich zu beurteilen. Auch für die Förderer ist das ein wichtiger Aspekt. Sie sehen, dass nicht nur gute Noten geschrieben werden, sondern auch ein starkes Engagement besteht. Das kann eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Fachschaft, beim AStA oder bei der Arbeiterwohlfahrt sein. Personalchefs können daran etwas über die Persönlichkeit ablesen. Wenn jemand sich sozial engagiert, dann ist das ein Zeichen für seine Bereitschaft, sich auch über das erforderliche Maß hinaus verantwortungsvoll zu engagieren.

Welche Bedeutung hat das Deutschlandstipendium für die Stipendiatinnen und Stipendiaten?

Zunächst einmal ist es eine Anerkennung ihrer Leistungen. Es motiviert sie. Außerdem macht es den Studierenden das alltägliche Leben einfacher und schafft Freiräume, etwa für soziale Aktivitäten. Nicht zuletzt können die Stipendiatinnen und Stipendiaten in Unternehmen Praxiserfahrungen sammeln.

Wer stiftet an Ihrer Hochschule die privaten Mittel, und was macht das Deutschlandstipendium für Ihre Förderer so attraktiv?

Im Wesentlichen sind es mittelständische Unternehmen. Daneben gibt es noch Großunternehmen, Stiftungen und Einzelpersonen, die Stipendien finanzieren. Gerade für Unternehmen ist die Möglichkeit, Karrierepfade zu eröffnen und Fachkräfte kennenzulernen, das Hauptmotiv, um sich zu engagieren. Außerdem sehen viele im Deutschlandstipendium die Chance, sich auch gesellschaftlich verantwortlich zu zeigen und über die besondere Verbindung, die zur Hochschule besteht, die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung zu stärken. Wichtig ist uns aber auch, dass leistungsstarke Studierende aus sozial schwierigen Verhältnissen gefördert werden.

Neben der finanziellen Unterstützung bietet die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg  ein ideelles Förderprogramm an. Was verbirgt sich dahinter?

Die Förderer nehmen mit ihren Stipendiatinnen und Stipendiaten Kontakt auf. Die Art und Weise, wie sie sich um die Geförderten kümmern, ist jedoch sehr unterschiedlich. Mit unserem Programm schaffen wir monatlich Anlässe, bei denen Stipendiatinnen und Stipendiaten und Förderer zusammenkommen können. Das kann der sehr beliebte Kurs zum Thema Business Etikette sein oder der gemeinsame Besuch eines  Unternehmens. Für mich ist dieses ideelle Begleitprogramm so etwas wie ein Stabilisierungsbaustein, der die Attraktivität erhöht. Die Institutionalisierung durch die Hochschule ist dabei extrem wichtig.

Was hat sich durch das Deutschlandstipendium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg verändert?

Für uns ist das Deutschlandstipendium eine Tür, die die Interaktion zwischen Hochschule und Zivilgesellschaft und insbesondere der Wirtschaft auf neue Weise verstärkt. Inzwischen regen auch Stipendiatinnen und Stipendiaten Kooperationen zwischen einem Fachbereich und einem Unternehmen an. Das hat es vorher nicht gegeben.