"Das Engagement der NGOs ist bemerkenswert und unverzichtbar"

Georg Schütte, Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, über das G7-Wissenschaftsministertreffen, den Kampf gegen Epidemien und sein Treffen mit den Nichtregierungsorganisationen. Ein Interview mit bmbf.de  

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Denzel, Jesco / BPA

Herr Schütte, in diesem Jahr hat Deutschland die Schirmherrschaft für den G7-Gipfel. Wo liegt der Schwerpunkt?

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Nationen treffen sich in diesem Jahr auf Schloss Elmau in Bayern. Einige Themen werden besonders wichtig sein, wie zum Beispiel der Schutz unserer Meere oder der Kampf gegen vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten wie Ebola, Malaria oder Tuberkulose. Die Ebola-Epidemie an der Westküste Afrikas hat kürzlich gezeigt, dass diese Infektionskrankheiten auch eine Bedrohung für die gesamte Weltbevölkerung darstellen können, wenn wir versäumen, neue und wirksame Medikamente zu entwickeln. Wir freuen uns, dass die G7-Partner die Einschätzung der Bundesregierung teilen, dieses Thema prioritär zu behandeln.

Was ist außerdem noch geplant?

Die Wissenschaftsminister der G7-Staaten werden auf ihrem Treffen im Oktober in Berlin intensiv diskutieren, wie wir durch gezielte Forschungsförderung dazu beitragen können, die Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern zu besiegen.

Schon zuvor wird sich eine Konferenz der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, dem Thema widmen. Die Konferenz wird Ende April stattfinden und weitere Forschungsthemen wie die Zukunft der Ozeane oder Antibiotikaresistenzen behandeln.

Sie haben sich mit den Vertretern von acht Nichtregierungsorganisationen (NGOs) getroffen. Warum ist deren Arbeit so wichtig?

Ob Ebola oder Malaria - gegen viele Krankheiten insbesondere in afrikanischen Ländern gibt es keine angemessene Behandlung. Therapien sind veraltet, haben starke Nebenwirkungen oder fehlen völlig. Hinzu kommt, dass existierende Medikamente oder Impfstoffe für viele Patienten schlicht unerschwinglich sind. Mit verheerenden Folgen: Nahezu 1 Milliarde Menschen sind betroffen. Viele Krankheitsverläufe führen zu Behinderung, Arbeitsverlust, Zunahme der Armut und in vielen Fällen zum Tod. Die Helfer der Nichtregierungsorganisationen kämpfen vor Ort gegen Krankheiten und Epidemien. Sie helfen, das Leid in den Entwicklungsländern zu mindern. Das Engagement der NGOs wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder „Brot für die Welt“, um hier einige stellvertretend zu nennen, ist bemerkenswert und unverzichtbar. Dafür bin ich den Organisationen dankbar. Insbesondere gilt der Dank auch den Helfern, die beteiligt waren, die Ebola-Krise einzudämmen. Das war ein beispielhafter Einsatz und zeigt, wie gut sich die einzelnen Organisationen koordinieren.

Was tut die Bundesregierung, um die Arbeit der NGOs zu unterstützen?

Die globale Gesundheit ist der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen – und der Kampf gegen vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten in den Entwicklungsländern ist ein Teil dieses Projekts. So steht es nicht zuletzt auch im Koalitionsvertrag. Deshalb hat sich Deutschland dafür eingesetzt, dass über Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern während des G7-Gipfels beraten wird. 2015 ist das Europäische Jahr der Entwicklung – kein anderes Thema könnte hier passender sein.

Gibt es denn schon erste Pläne, wie die Hilfe für Entwicklungsländer aussehen kann?

Deutschland wird im Rahmen des G7-Gipfels dafür plädieren, die Forschung auszubauen und die bisherigen Anstrengungen und Projekte besser zu koordinieren. Wir sind bereit, mit gutem Bespiel voranzugehen. Im Januar haben wir den deutschen Beitrag zur GAVI, der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung, erheblich aufgestockt. Dadurch können viele Menschen in den Entwicklungsländern gegen Infektionskrankheiten geimpft werden. Mehr Investitionen bedeuten auch mehr Schutz. Dafür müssen wir uns als Bundesregierung stark machen.

Wie wird sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung engagieren, um die Forschung zu armutsbedingten Krankheiten zu verbessern?

Es gibt zahlreiche Punkte, an denen wir ansetzen müssen – bei uns in Deutschland, aber auch vor Ort in den Entwicklungsländern. Unser Ziel ist es, mit Forschung und Entwicklung den Teufelskreis von Armut und Krankheit zu durchbrechen.

Hervorzuheben ist hier unsere Förderung von Product Development Partnerships (PDP), in denen Wissenschaftler an Präventionsmethoden, Impfstoffen und Medikamenten für die Behandlung vernachlässigter und armutsassoziierter Krankheiten wie Chagas, Dengue und Elefantiasis arbeiten. Außerdem ist es uns ein besonderes Anliegen gegen Infektionskrankheiten anzukämpfen, die zu hoher Sterblichkeit bei Kindern in Entwicklungsländern führen, wie beispielsweise bakterielle Pneumonie und Meningitis, Durchfallerkrankungen oder Malaria. Die Förderung der Product Development Partnerships erfolgt auf Basis eines Förderkonzeptes, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung in 2011 bekannt gegeben hat.

Die EDCTP-Initiative (European and Developing Countries Clinical Trials Partnership) widmet sich AIDS/ HIV, Malaria und Tuberkulose in Subsahara Afrika. Zusammen mit 15 anderen europäischen Ländern ist auch Deutschland finanziell an dieser Fördermaßnahme beteiligt.

Aber es gibt gleich noch ein weiteres Problem, nämlich die Ausbildung von Resistenzen gegen Antibiotika.

Ja, das stimmt. Es ist eine zunehmende Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika zu beobachten. Das ist besonders bedenklich, weil wir Antibiotika als wirksame Medikamente gegen bakterielle Infektionen weiterhin dringend benötigen. Daher ist es im Interesse der Bundesregierung, dass neue Präparate entwickelt werden, auf die man im Falle einer Resistenz gegen die gängige Medikation zurückgreifen kann. Auch dieses Thema wird deshalb auf dem G7-Gipfel eine Rolle spielen. Die beiden Problemfelder – Antibiotikaresistenzen und vernachlässigte Infektionskrankheiten – sind besonders relevant für die globale Gesundheit und werden deshalb beide während des G7-Gipfels behandelt. Die Diskussionen während des Gipfels können dabei helfen, unser Förderkonzept weiterzuentwickeln und unsere Hilfe für die armen Länder dieser Welt besser zu koordinieren.