Das intelligente Auto: Der beste Freund des Menschen?

Der eine hat bei Nebel den Durchblick, der andere bei freier Sicht: Mensch und Maschine haben beim Autofahren jeder für sich Stärken und Schwächen – doch als Team könnten sie sicher zu jedem Ziel kommen, meinen Forschende des Projekts KoFFI.

KoFFI – Kooperative Fahrer-Fahrzeug-Interaktion © Robert Bosch GmbH

In den 1980er Jahren kämpften Michael Knight und sein sprechendes, mit Künstlicher Intelligenz ausgestattetes Auto „K.I.T.T.“ in der Serie „Knight Rider“ als eingespieltes Team für Gerechtigkeit. Was damals noch Science-Fiction war, ist heute das Ziel von Forschenden im Projekt „Kooperative Fahrer-Fahrzeug-Interaktion“ (KoFFI) – nur etwas weniger spektakulär, ohne Action, ohne Explosionen. Unter Leitung des Verbundkoordinators Robert Bosch GmbH erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie ein teilautomatisiertes Fahrzeug zum kooperativen Partner des Fahrers werden kann. Ihr Ziel ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, in der jeder seine Talente bestmöglich einbringen kann.

„Wir wollen die Lücke zwischen manuellem und automatisiertem Fahren schließen, Berührungsängste zwischen Mensch und Maschine abbauen und dadurch die Verkehrssicherheit erhöhen“, sagt Projektleiter Rainer Erbach. Denn klar ist: Auch wenn künftig immer mehr Fahrzeuge zumindest streckenweise hochautomatisiert am Straßenverkehr teilnehmen werden, wird es noch längere Zeit ein Nebeneinander von konventionellen und automatisierten Fahrzeugen geben. „Das wird in der Praxis zu vielen Verkehrssituationen führen, die weder Mensch noch Maschine alleine lösen können“, erklärt Erbach.

Wann ist die Maschine im Vorteil?

KoFFI – Kooperative Fahrer-Fahrzeug-Interaktion
KoFFI – Kooperative Fahrer-Fahrzeug-Interaktion © Robert Bosch GmbH

Genau dort setzt das Projekt KoFFI an. Die Forschenden entwickeln einen intelligenten Fahrassistenten, der Fahrzeug und Fahrer dabei helfen soll, solche Situationen rasch und sicher als Team zu meistern. Ein Beispiel: Dichter Nebel liegt über der Landstraße, der Fahrer kann nur wenige Meter weit sehen und ein Traktor bremst den Verkehr aus. Sollte der Fahrer überholen? „In dieser Situation ist die Maschine klar im Vorteil“, erklärt Projektmitarbeiter Marcel Woide von der Universität Ulm. „Mit modernster Technik wie LIDAR oder Radarsystemen kann das intelligente Auto durch den Nebel blicken – und sicher den Traktor überholen“, so Woide. Anders verhält es sich ohne Nebel: Hier hat der Mensch meist die bessere Sicht, da die Technik nur einige hundert Meter erfasst.

Im selbstentwickelten Fahrsimulator haben die KoFFI-Forschenden solche und ähnliche Situationen mit Testfahrern durchgespielt. Ein verblüffendes Ergebnis: „Acht von zehn Fahrern brechen den Überholvorgang im Nebel trotz modernster Technik ab, wenn das Auto sein Handeln nicht erklärt“, berichtet Woide. Die Forschenden haben daher den KoFFI-Fahrassistenten mit einem Sprachdialogsystem und einer sogenannten „multimodalen“ Bedienoberfläche ausgestattet. Soll heißen: Das Fahrzeug kann sich sowohl visuell als auch über Audio erklären. Durch den Dialog wollen die Forschenden Vertrauen zwischen Mensch und Maschine schaffen.

Droht ein Unfall, kommt der Schutzengel

Doch wer entscheidet, wenn Fahrzeug und Fahrer sich nicht einig sind? Überwiegend ist das der Mensch, wie Marcel Woide erklärt. Das Fahrzeug macht dem Fahrer in der Regel nur Vorschläge, die dieser jederzeit ablehnen kann. Einzige Ausnahme: Es droht ein Unfall – etwa weil der Fahrer beim Abbiegen einen anderen Verkehrsteilnehmer übersehen hat. „Dann übernimmt unsere Schutzengel-Funktion und stoppt das Fahrzeug kontrolliert“, erklärt Woide. Wann der Schutzengel eingreifen soll, hat Steffen Maurer von Bosch mittels Simulationen in Zusammenarbeit mit Ethik-Forschenden und Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der HdM Stuttgart optimiert.

Gemeinsam hat das Team ethische Empfehlungen und Leitlinien zum automatisierten Fahren erarbeitet. Die Projekt-Ergebnisse bilden die Grundlage, um kooperative Fahrer-Fahrzeug- Interaktionen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Vision der Forschenden: Spätere Generationen von KoFFI sollen selbständig neue Verkehrssituationen erkennen und eigene Handlungsweisen dafür vorzuschlagen.

Das Projekt KoFFI

Das Projekt KoFFI wurde von 2016 bis 2019 vom BMBF im Programm „Mensch-Technik-Interaktion für eine intelligente Mobilität: Verlässliche Technik für den mobilen Menschen“ gefördert. Verbundkoordinator ist die Robert Bosch GmbH. Projektpartner sind die Daimler AG, die European Media Laboratory GmbH in Heidelberg, das UniTyLab der Hochschule Heilbronn, das Institut „Digitale Ethik“ der Hochschule der Medien in Stuttgart sowie das Institut für Medieninformatik und das Institut für Psychologie der Universität Ulm.