Das Professorinnenprogramm

Frauen machen heute häufiger Abitur als Männer, sie studieren häufiger, und sie verfassen fast die Hälfte aller Promotionen. Damit mehr Frauen sich für Berufswege in der Wissenschaft entscheiden, brauchen wir strukturelle Veränderungen.

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Die Schere öffnet sich nach der Promotion

Derzeit ist nur etwas mehr als jede fünfte Professur in Deutschland mit einer Frau besetzt. Nach der Promotion verlassen überdurchschnittlich viele Frauen die Wissenschaft. Deutlich weniger als ein Drittel der Habilitationen werden von Frauen geschrieben. Die Habilitation ist auch heute noch häufig eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine Professur.

Hochschulen qualifizieren sich durch Gleichstellungskonzepte

Als eine der Maßnahmen, mehr Frauen auch nach der Promotion im Wissenschaftssystem zu halten, haben Bund und Länder 2008 das Professorinnenprogramm ins Leben gerufen. Für die erste und zweite Programmphase wurden insgesamt 300 Millionen Euro (150 Millionen Euro je Phase) zur Verfügung gestellt. Das Programm wirkt auf zwei Ebenen. Es erhöht die Anzahl der Professorinnen an deutschen Hochschulen und stärkt durch spezifische Maßnahmen die Gleichstellungsstrukturen an Hochschulen.

Hochschulen qualifizierten sich für eine Teilnahme am Programm durch Gleichstellungskonzepte, die extern begutachtet wurden. Diese Konzepte umfassten unter anderem speziell auf die jeweilige Hochschule ausgerichtete gleichstellungsfördernde Maßnahmen. Hochschulen, die ein überzeugendes Gleichstellungskonzept vorlegen konnten, bekamen bis zu drei Stellen für weiblich besetzte Professuren als Anschubfinanzierung für fünf Jahre gefördert.

Evaluation erfolgreich

Die Evaluationsergebnisse bestätigen den Erfolg des Professorinnenprogramms. Hochschulen, die am Programm teilnehmen, engagieren sich stärker für Gleichstellungsthemen. Die Akzeptanz, Sichtbarkeit und Reputation für das Thema Geschlechtergerechtigkeit steigen. Die Gleichstellungspolitik wird konzeptionell weiterentwickelt und die Bereitstellung von finanziellen Mitteln ermöglicht den Ausbau von Gleichstellungsmaßnahmen.

Fördersummen erhöht

Das Professorinnenprogramm wurde 2012 und 2017 positiv evaluiert. Es ist so erfolgreich, dass Bund und Länder das Professorinnenprogramm mit einer dritten Programmphase (2018 - 2022) fortsetzen. Das Volumen für  die dritte Programmphase wird auf 200 Millionen Euro aufgestockt. Die Förderhöchstsumme pro Professur wird auf 165.000 Euro pro Jahr erhöht. Neu ist eine deutliche Schwerpunktsetzung auf den Bereich „Personalentwicklung und ‑gewinnung auf dem Weg zur Professur“. In den beiden Runden der dritten Programmphase können jeweils bis zu zehn Hochschulen, die in diesem Bereich Bestbewertungen und das Prädikat „Gleichstellung: ausgezeichnet!“ erhalten, die Förderung einer vierten Professur beantragen. Zudem ist eine weiterhin starke Beteiligung der Hochschulen zu erwarten.

Zweite Programmphase

In der ersten Programmphase reichten 152 Hochschulen ein Gleichstellungskonzept ein. In der zweiten Programmphase konnten sich diejenigen Hochschulen, die bereits in der ersten Phase erfolgreich waren, mit der Dokumentation zur Umsetzung ihrer Gleichstellungskonzepte erneut qualifizieren. Aber es kamen auch neue Hochschulen mit ihren Gleichstellungskonzepten hinzu. Insgesamt beteiligten sich 184 Hochschulen an der zweiten Programmphase (82 Universitäten und Pädagogische Hochschulen, 87 Fachhochschulen, 15 Kunst- und Musikhochschulen). Auch die Zahl der erfolgreichen Hochschulen stieg bei der Fortführung des Programms von 124 auf 147 an. Dieser Erfolg spiegelt sich bei den Förderungen: In der ersten Programmphase erhielten 111 Hochschulen mindestens eine geförderte Professur; in der zweiten Programmphase sind es bisher 120 Hochschulen (Stand 10.11.2017).

Mehr als 500 Berufungen

Im März 2016 wurde die 500. Berufung im Professorinnenprogramm von Bund und Ländern gezählt, inzwischen sind es 525 (Stand 10.11.2017). Dabei sehen Bund und Länder über die ansteigende Professorinnenzahl hinaus den besonderen Erfolg des Programms in der dadurch ausgelösten Dynamik zur Implementation und Stärkung gleichstellungsfördernder Strukturen an den Hochschulen. Diese müssen die durch die Förderung der Professuren frei werdenden Mittel sowie weitere Mittel für gleichstellungsfördernde Maßnahmen einsetzen. So werden erhebliche Mittel zum Beispiel in Programme für Nachwuchswissenschaftlerinnen, Mentoring oder Fortbildungen für gendergerechte Berufungsverfahren investiert.