Das Professorinnenprogramm

Frauen legen heute häufiger ein Abitur ab als Männer, sie beginnen ebenso häufig ein Studium wie diese und sie verfassen rund die Hälfte aller Promotionen. Nach der Promotion verlassen jedoch überdurchschnittlich viele Frauen die Wissenschaft.

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Die Schere öffnet sich nach der Promotion

Weniger als ein Drittel der Habilitationen werden von Frauen geschrieben. Die Habilitation ist auch heute noch häufig eine wesentliche Grundvoraussetzung für eine Professur. Derzeit ist nur etwa jede fünfte Professur in Deutschland mit einer Frau besetzt. Damit sich mehr Frauen für Berufswege in der Wissenschaft entscheiden, brauchen wir strukturelle Veränderungen.

Hochschulen qualifizieren sich durch Gleichstellungskonzepte

Als eine der Maßnahmen, um mehr Frauen auch nach der Promotion im Wissenschaftssystem zu halten und ihre Präsenz auf allen Qualifikationsstufen zu steigern, haben Bund und Länder 2008 das Professorinnenprogramm ins Leben gerufen. Für die erste und zweite Programmphase wurden je 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In der nunmehr dritten Programmphase (2018 - 2022) wurde das Mittelvolumen auf 200 Mio. Euro erhöht, so dass sich das Gesamtvolumen des Professorinnenprogramms auf 500 Millionen Euro beläuft. Das Programm wirkt auf zwei Ebenen: Es erhöht die Anzahl der Professorinnen und stärkt zudem durch spezifische Maßnahmen die Gleichstellungsstrukturen an deutschen Hochschulen.

Hochschulen qualifizieren sich für eine Teilnahme am Programm durch Gleichstellungskonzepte, die extern begutachtet werden. Diese Konzepte umfassen unter anderem speziell auf die jeweilige Hochschule ausgerichtete gleichstellungsfördernde Maßnahmen. Hochschulen, die ein überzeugendes Gleichstellungskonzept vorlegen, können eine Anschubfinanzierung von bis zu drei Stellen für weiblich besetzte Professuren für eine Dauer von fünf Jahren beantragen.

Neue Schwerpunktsetzung: Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses

Neu ist in der dritten Programmphase die deutliche Schwerpunktsetzung auf den Bereich „Personalentwicklung und ‑gewinnung auf dem Weg zur Professur“. Bis zu zehn Hochschulen, die in diesem Bereich Bestbewertungen und das Prädikat „Gleichstellung: ausgezeichnet!“ erhalten, können die Förderung einer vierten Professur beantragen.

Evaluationen erfolgreich

Die Evaluationen aus den Jahren 2012 und 2017 bestätigen den Erfolg des Professorinnenprogramms und belegen, dass es seine wesentlichen Ziele – die Erhöhung des Professorinnenanteils und die Verstärkung von Gleichstellungswirkungen – umfassend erreicht: Hochschulen, die am Programm teilnehmen, engagieren sich stärker für Gleichstellungsthemen. Die Akzeptanz, Sichtbarkeit und Reputation für das Thema Geschlechtergerechtigkeit steigen. Die Gleichstellungspolitik wird konzeptionell weiterentwickelt und die Bereitstellung von finanziellen Mitteln ermöglicht den Ausbau von Gleichstellungsmaßnahmen.

Anhaltend starke Resonanz bei den Hochschulen auch in der dritten Programmphase

Das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder stößt auf eine starke Resonanz bei den Hochschulen. In der dritten Programmphase haben 182 Hochschulen ein Gleichstellungskonzept, eine Dokumentation der Umsetzung eines erfolgreichen Gleichstellungskonzepts oder ein Gleichstellungszukunftskonzept eingereicht.

In der ersten Einreichungsrunde waren 86 Hochschulen erfolgreich und in der zweiten Einreichungsrunde waren 50 Hochschulen erfolgreich und sind damit berechtigt, ihre Förderanträge zu stellen.  

Folgende Hochschulen reichten im Hinblick auf den Bereich „Personalentwicklung und -gewinnung auf dem Weg zur Professur“ in der ersten Einreichungsrunde der dritten Programmphase ein besonders überzeugendes Gleichstellungskonzept ein und wurden mit dem Prädikat „Gleichstellung: ausgezeichnet!“ belohnt:

  • Freie Universität Berlin
  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Hochschule Fulda
  • Humboldt-Universität zu Berlin
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg
  • Leuphana Universität Lüneburg
  • Universität Bielefeld
  • Universität Bremen
  • Universität Osnabrück

Folgende Hochschulen erhielten in der zweiten Einreichungsrunde der dritten Programmphase das Prädikat „Gleichstellung: ausgezeichnet!“:

  • Bauhaus-Universität Weimar
  • Bergische Universität Wuppertal
  • Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
  • Georg-August-Universität Göttingen
  • Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
  • Hochschule Osnabrück
  • Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd
  • Technische Universität Chemnitz
  • Universität Erfurt
  • Universität Trier

Mehr als 500 Berufungen

Im März 2016 wurde die 500. Berufung im Professorinnenprogramm von Bund und Ländern gezählt, inzwischen sind es über 570 (Stand November 2019). Dabei sehen Bund und Länder über die ansteigende Professorinnenzahl hinaus den besonderen Erfolg des Programms in der dadurch ausgelösten Dynamik zur Implementation und Stärkung gleichstellungsfördernder Strukturen an den Hochschulen. Diese müssen die durch die Förderung der Professuren frei werdenden Mittel sowie weitere Mittel für gleichstellungsfördernde Maßnahmen einsetzen. So werden erhebliche Mittel zum Beispiel in Programme für Nachwuchswissenschaftlerinnen, Mentoring oder Fortbildungen für gendergerechte Berufungsverfahren investiert.