„Das schönste Geschenk ist, wenn unsere Forschung gut läuft“

Die Forschenden auf der SONNE machen auch an Weihnachten keine Pause: „Dafür ist uns die Zeit hier viel zu wertvoll“, sagt Co-Fahrtleiterin Heidrun Kopp. Doch es gibt eine Entschädigung für ihr Team: Sie erleben die Geburt eines neuen Kontinents.

SONNE
Heidrun Kopp vom GEOMAR ist die Co-Fahrtleiterin der Expedition auf der SONNE.
  © Philipp Brandl/GEOMAR

Bmbf.de: Frau Kopp, Sie verbringen Weihnachten in diesem Jahr auf dem Forschungsschiff SONNE. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Heidrun Kopp: Als Wissenschaftler freuen wir uns natürlich besonders auf die neuen Forschungsdaten. Besonders spannend sind dabei immer die ersten Einsätze der Geräte sowie der erste Blick auf die neuen Daten: Klappt beim Aussetzen und Bergen der Geräte alles? Belegen die Daten unsere wissenschaftlichen Hypothesen oder zeigen sie gänzlich Unerwartetes? Diese Momente sind jedes Mal besonders aufregend für uns.

Was ist das Ziel der Forschungsexpedition? 

Unser Arbeitsgebiet ist das Lau-Becken im Südwestpazifik, zwischen den Inseln von Fidschi und Tonga gelegen. Dort haben wir die einmalige Chance, zu beobachten, wie ein neuer Kontinent entsteht. Der Fokus unserer Forschung liegt auf dem Auseinanderbrechen der tektonischen Platte und Erdkruste am Rande dieses jungen Kontinentes. Das Lau-Becken stellt zwar ein sehr komplexes System dar, kann aber als exzellentes Modell für die Entstehung neuer Erdkruste und der damit verbundenen geologischen Gefahren wie Erdbeben dienen. Außerdem kommt es hier zur Ablagerung von mineralischen Rohstoffen.

Welche Bedeutung hat Ihre Forschung im Pazifik für die Menschen in Deutschland?

Deutschland nimmt mit seiner exzellenten Forschungsflotte eine Vorreiterrolle weltweit ein. Und auch wenn wir sprichwörtlich am ‚anderen Ende der Welt‘ unterwegs sind, hat die Forschung, die mit der SONNE möglich ist, eine direkte gesellschaftliche Relevanz für die deutsche Bevölkerung. In unserer global vernetzten Gesellschaft und Wirtschaft spüren wir auch in Deutschland unmittelbar die Auswirkungen von weit entfernten Ereignissen. Dies haben wir zum Beispiel beim Japan-Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima zu spüren bekommen: Beides hat in Deutschland zu einem Umdenken in der Energiepolitik beigetragen.

Wie werden Sie Heiligabend und die Weihnachtstag auf der SONNE verbringen?

Freie Tage haben wir auf der SONNE natürlich nicht, dafür ist uns die Zeit hier viel zu wertvoll: Die SONNE zählt mit Abstand zu den modernsten Forschungsschiffen weltweit und für uns als Wissenschaftler ist es ein besonderes Glück, dieses Schiff nutzen zu können. Es ermöglicht uns, mit modernsten Tiefseegeräten wie Ozeanbodenseismometern oder Wärmestromlanzen den Meeresboden und Untergrund zu untersuchen. Aber natürlich werden wir Heiligabend zusammen kommen und sicherlich Zeit für etwas Besinnlichkeit, aber vor allem für ein paar gemeinsame Stunden zum Lachen und Reden finden. Wir sind mit 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und 38 Besatzungsmitgliedern ja eine sehr große Gruppe und da wir im Schichtbetrieb arbeiten, treffen wir so gut wie nie alle zusammen. Dafür ist Heiligabend ein schöner Anlass! Und wenn bis dahin unsere Forschung gut läuft, haben wir uns selbst bereits das schönste Geschenk gemacht!

Und was werden Sie am meisten vermissen?

Meinen Mann und meine Kinder! Es ist für uns alle eine Umstellung, die Feiertage nicht im Kreis unserer Liebsten zu verbringen. Aber natürlich ist es auch aufregend: Meine Kinder sind bereits Teenager und freuen sich darauf, Weihnachten mal nur mit dem Vater zu verbringen – und vielleicht auch mal etwas anders als mit den gewohnten Abläufen. So können ja ganz neue Weihnachtstraditionen entstehen, denn falls alles schief läuft, gibt es halt Döner und Aufbackpizza statt Ente.