„Data made in Europe“: Ein internationales Gütesiegel

"Unser Ziel ist es, den Wandel hin zu einer Kultur zugänglicher, wiederverwendbarer und qualitätsgesicherter Daten zu schaffen, die Ausgangspunkt für mehr Forschung, Innovation und Wertschöpfung ist", sagt Staatssekretär Meister.

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Michael Meister (MdB), anlässlich der Tagung des Rats für Informationsinfrastrukturen "Herausforderung Datenqualität: Forschung im digitalen Wandel“ am 27.02.2020 in Hannover.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Generalsekretär Schütte,

sehr geehrter Herr Professor Liebig,

sehr geehrte Damen und Herren,

der Duden definiert Qualität als die Gesamtheit der charakteristischen Eigenschaften einer Sache oder Person. Der Begriff ist laut Duden gleichzusetzen mit Beschaffenheit.

Wir verwenden den Begriff der Qualität häufig im Alltag: Wir sprechen von Qualitätsstufen und von Qualitätsmerkmalen. Wir wünschen uns qualitativ hochwertige Lebensmittel und ein ebensolches Gesundheitssystem.

Wir verbinden mit Qualität etwas Positives, etwas auf das wir hinarbeiten. Wir glauben, dass es sinnvoll ist, in Qualität zu investieren, weil wir dafür bessere, haltbarere oder geschmackvollere Produkte erhalten.

Für einen guten Wein, einen Qualitätswein, bin ich deswegen bereit, mehr zu bezahlen, als einen einfachen Landwein.

Qualität von Daten

Das gleiche muss aus meiner Sicht auch für Daten gelten. Eine gute Datenqualität muss einen Wert darstellen, für den wir bereit sind, etwas zu investieren.

Denn gute Daten – also Daten die qualitätsgesichert sind –, Daten, deren Eigenschaften ich kenne und deswegen beurteilen kann, sind eine wesentliche Grundlage für neue Erkenntnisse, gute Publikationen und letztendlich neue Wertschöpfung.

Und mit Wert verbinde ich nicht nur ökonomische Kosten, sondern auch die Frage nach der Werthaltigkeit. Denn es gilt auch: Nicht immer ist das teuerste Produkt dasjenige mit der besten Qualität.

Ich begrüße es sehr, dass der Rat für Informationsinfrastrukturen 2018 die Arbeitsgruppe zum Thema Datenqualität eingerichtet hat. Einen besonderen Dank möchte ich Frau Professorin Fless und den anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe aussprechen.

Ich danke Ihnen, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben und dass es Ihnen gelungen ist, es so aufzubereiten, dass daraus ambitionierte und gleichzeitig sinnvolle Empfehlungen abgeleitet werden konnten.

Denn so einfach es bei dem einen oder anderen Produkt sein mag, dessen Qualität zu bestimmen, also Qualitätskriterien zu definieren, ist es bei Daten um ein Vielfaches schwieriger. Nicht zuletzt geht es bei der Frage der Qualität von Daten auch immer um die Frage, was gute Forschung eigentlich auszeichnet.

Es ist ein zentrales Anliegen der Bundesregierung, dass Daten bestmöglich genutzt und nachgenutzt werden können. Deswegen erarbeiten wir zurzeit eine Datenstrategie.

Unser Ziel ist es, den Wandel hin zu einer Kultur zugänglicher, wiederverwendbarer und qualitätsgesicherter Daten zu schaffen, die Ausgangspunkt für mehr Forschung, Innovation und Wertschöpfung ist.

Die Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten darf dabei nicht auf den eigenen Fachbereich beschränkt sein, sondern muss die Wissenschaft als Ganzes und auch die Wirtschaft miteinschließen.

Nur qualitätsgesicherte Daten können die Grundlage für gute Publikationen, neue Innovationen und letztendlich mehr Wertschöpfung sein. So ist beispielsweise die Entwicklung neuer
KI-Anwendungen abhängig von den zur Verfügung stehenden Daten und ihrer Qualität.

Nationale Forschungsdateninfrastruktur

Um Qualität zu gewährleisten, ist ein systematischer Umgang mit Forschungsdaten essentiell. Während ihres gesamten Lebenszyklus muss eine standardisierte Aufbereitung und Dokumentation der Daten sichergestellt werden, um sie nachvollziehbar und nachnutzbar verbreiten zu können.

Die FAIR-Prinzipen stellen hierfür eine wichtige Grundlage dar, weswegen auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sie in ihren Kodex zur Guten Wissenschaftlichen Praxis aufgenommen hat.

Der Bund hat gemeinsam mit den Ländern die Nationale Forschungsdateninfrastruktur, oder kurz NFDI, gestartet. Vorausgegangen waren auch hier wichtige Empfehlungen und intensive Beratung durch den Rat für Informationsinfrastrukturen.

Die NFDI soll Nutzer und Anbieter von Forschungsdaten zusammenbringen. Sie wird für die Weiterentwicklung des Forschungsdatenmanagements einen maßgeblichen Impuls geben.

Und sie wird die Nachnutzung und den Zugang zu Forschungsdaten fördern, den Datenraum öffnen und eine umfassendere Nutzung der vorhandenen Daten ermöglichen.

Zurzeit läuft der Auswahlprozess für die ersten NFDI-Konsortien. Nach der für Ende Juni diesen Jahres geplanten Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz werden die ersten Konsortien ihre Arbeit aufnehmen können.

Auch der Aufbau des Direktorats der NFDI ist weit fortgeschritten und wir sind sehr glücklich, einen ausgezeichneten Experten als Direktor der NFDI gefunden zu haben.

European Open Science Cloud

Wissenschaft und Forschung findet vielfach länderübergreifend statt. Die Bundesregierung setzt sich deshalb dafür ein, nationale Entwicklungen nicht von internationalen Aktivitäten abzukoppeln. Vielmehr ist es von strategischer Bedeutung für ein Innovationsland wie Deutschland, die Passfähigkeit zu internationalen Initiativen herzustellen.

In Europa treiben wir deshalb den Aufbau der European Open Science Cloud, oder kurz EOSC, gemeinsam mit unseren Partnern voran und wollen ab nächstem Jahr eine strategische Partnerschaft starten.

Zu den nächsten Schritten gehören Überlegungen, welche Rechtsform die EOSC haben soll.

Dazu gehört die Frage, wie Mitgliedstaaten und Forschungseinrichtungen in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Und auch die inhaltliche Ausgestaltung der Partnerschaft durch einen strategischen Forschungsplan und eine Umsetzungsagenda muss diskutiert werden.

Insgesamt gilt es, die Möglichkeiten und das Innovationspotential der Digitalisierung für Wissenschaft und Forschung nutzbar zu machen, um im europaweiten und globalen Wettbewerb anschlussfähig zu bleiben. Open Science ist und bleibt hier ein wichtiger Ansatz.

Gleichzeitig müssen berechtigte Schutzinteressen ausbalanciert werden. Die von der Europäischen Kommission in diesem Zusammenhang häufig verwendete Formel „as open as possible, as closed as necessary“ kann dabei als Richtschnur dienen.

Für mich ist wichtig, dass wir in der kommenden Phase der EOSC eng zusammenarbeiten.

Wir sehen die Entwicklung der EOSC klar in der gemeinsamen Verantwortung der Europäischen Kommission, der Mitgliedstaaten und der Stakeholder – also Ihnen den Wissenschaftlern.

Deutschland wird den Prozess hin zu einer strategischen Partnerschaft zur EOSC weiterhin konstruktiv begleiten und aktiv mitgestalten.

Das Thema Forschungsdaten werden wir auch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr aufgreifen.

Europa ist unser gemeinsamer Wissenschaftsstandort, der im weltweiten Wettbewerb um Daten, Wissen und Köpfe steht. Und deshalb haben wir hierfür auch eine gemeinsame Verantwortung.

Ohne Passfähigkeit mit den nationalen Entwicklungen hat auch die EOSC keine Aussicht auf Erfolg. Unser langfristiges Ziel lautet, ein Ökosystem für Forschungsdaten in Europa zu schaffen.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Daten sind ein kostbares Gut. Die Verknüpfung von Daten aus unterschiedlichen Quellen ermöglicht neuartige Erkenntnisse und Innovationen. Sie ist Grundlage für neue Wertschöpfung.

Um den größtmöglichen Nutzen aus Daten ziehen zu können, müssen sie qualitätsgesichert sein. Wir sind heute hier, um darüber zu diskutieren, wie wir den Aspekt der Datenqualität bestmöglich in der Forschung verankern.

Die Bundesregierung investiert gemeinsam mit den Ländern massiv in den Ausbau der Informationsinfrastrukturen – und zwar national und international. Beim Aufbau und Betrieb solcher Strukturen ist Qualität für uns ein Schlüsselbegriff.

Denn nur qualitätsgesicherte Sammlungen und Dienste sind wertvolle Strukturen. Und wenn ich hier von „wertvoll“ spreche, dann meine ich neben der Qualität Werte wie Datenschutz, IT-Sicherheit und Offenheit!

Denn nur, wenn wir auf unseren europäischen Werten aufbauen und an den Dingen ansetzen, die uns stark machen, können wir im internationalen Wettbewerb bestehen.

Indem wir in Europa bei den Daten – der Grundlage unseres Wissens – auf unseren ethischen Grundsätzen aufsetzen und dies mit einem hohen Qualitätsanspruch verbinden, schaffen wir einen werthaltigen Datenraum. Und der Begriff „Data made in Europe“ wird zu einem Gütesiegel im internationalen Wettbewerb.

Auch darum ist die Veranstaltung der nächsten zwei Tage so wichtig. Die Bundesregierung kann bei der Datennutzung und -speicherung die Rahmenbedingungen setzen und Anreize für mehr Qualität und Offenheit schaffen. Letztendlich brauchen wir aber Sie als Forschende, um diesen Rahmen mit Leben zu füllen.

Ich danke dem Rat für Informationsinfrastrukturen für Ihre wichtige Arbeit und der Volkswagenstiftung, dass sie den heutigen Austausch ermöglichen und unterstützen. Und jetzt freue ich mich auf interessante Diskussionen.

Vielen Dank!