Daten helfen heilen

Drei Bundesministerien – ein Ziel: Mit der heute veröffentlichten Roadmap zur Innovationsinitiative „Daten für Gesundheit“ stellen das BMBF, das BMG und das BMWi gemeinsam die Weichen für die digitale Medizin der Zukunft.

Ärztin die mit Tablet in der Hand auf Krankenhausflur steht
Eine intelligente Datennutzung scheitert noch oft an uneinheitlichen Datenformaten. © Adobe Stock/ipopba

Bei jeder Untersuchung und bei jeder Behandlung fallen medizinische Daten an. Sie sind für die Forschung von enormer Bedeutung, denn in ihnen liegt der Schlüssel für neue Erkenntnisse über die Entstehung von Erkrankungen. Zugleich liefern sie wichtige Ansatzpunkte für eine bessere Gesundheitsversorgung – für schnellere und präzisere Diagnosen und für individuell auf die Patientinnen und Patienten abgestimmte Behandlungsmöglichkeiten.

Voraussetzungen für die intelligente Datennutzung schaffen

Eine intelligente Datennutzung scheitert heute oft an uneinheitlichen Datenformaten und -standards. So liegen Arztbriefe häufig als Freitexte vor und Laborwerte als Tabellen mit unterschiedlichen Einheiten. Selbst simple Blutdruckwerte können innerhalb einer Klinik unterschiedlich dokumentiert werden. Solche Daten kann auch die intelligenteste Software nicht sinnvoll auswerten. Daher gilt es, die digital erfassten Gesundheitsdaten künftig nach denselben Regeln und unter Einhaltung internationaler Standards zu dokumentieren.

Diese Harmonisierung und die Vernetzung von Daten voranzutreiben sind zentrale Ziele der Innovationsinitiative „Daten für Gesundheit: Roadmap für eine bessere Patientenversorgung durch Gesundheitsforschung und Digitalisierung“, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen haben. Mit einer gemeinsamen Strategie werden die drei Ministerien mit den Akteuren aus der Gesundheitsversorgung, -forschung und -wirtschaft dieses zukunftweisende Thema voranbringen.

Die fünf prioritären Handelsfelder im Überblick

1. Strukturen für die digitale Vernetzung von Gesundheitsversorgung und Gesundheitsforschung auf- und ausbauen,
2. die Verfügbarkeit und Qualität von gesundheitsrelevanten Daten verbessern,
3. die Entwicklung innovativer Lösungen zur Verbesserung von Datensicherheit und Datenverknüp-fung vorantreiben,
4. den Weg in die datenunterstützte Medizin gemeinsam gehen,
5. zukünftige Anwendungsperspektiven frühzeitig erschließen.

Eine weitere zentrale Voraussetzung für den Erfolg der Initiative ist die Bereitschaft der Menschen, Daten für die Forschung bereitzustellen. Diese Bereitschaft hängt von dem Vertrauen der Menschen in jene Personen und Prozesse ab, die ihre Daten erheben, verarbeiten und auswerten. Ebenso wichtig ist die Frage der Datenhoheit: Wer entscheidet eigentlich, welche Daten wofür genutzt werden können? Die Antwort ist klar: Die Datenhoheit haben die Bürgerinnen und Bürger.

Sie bestimmen selbst, ob und in welcher Form ihre Daten für heutige und zukünftige Forschungsfragen verwendet werden dürfen. Dafür wurde bereits ein einheitlicher Mustertext für die Patienteneinwilligung entwickelt, auf den sich alle Universitätskliniken in Deutschland zusammen mit den Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder verständigt haben. Um die Akzeptanz und das Vertrauen der Patientinnen und Patienten zu gewinnen, werden zudem umfangreiche Informationsmaterialien – auch zu den Aspekten des Datenschutzes und der Datensicherheit – erstellt.

Deutschland als Standort für Gesundheit stärken

In ihrer Hightech-Strategie 2025 hat die Bundesregierung die bessere Vernetzung von Forschung und Versorgung zu einer ihrer zwölf übergreifenden Missionen erklärt. Ziel ist, dass Deutschland weltweit eine führende Position bei der Entwicklung und Anwendung digitaler Gesundheitsinnovationen einnehmen soll. Die Initiative „Daten für Gesundheit“ der drei beteiligten Bundesministerien ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mission: Sie soll dazu beitragen, frühzeitig neue Technologien und Anwendungsbereiche zu erschließen.

Eine internationale Vernetzung ist bei Pandemien besonders wichtig

Wie wichtig gesundheitliche Daten für die Forschung sein können, zeigt sich auch in der aktuellen Corona-Pandemie: Die zeitnahe Veröffentlichung aktueller und verlässlicher Forschungs- und anonymisierter Behandlungsdaten trägt wesentlich dazu bei, dass einheitliche Diagnose- und Behandlungspläne entwickelt und Forschung und Versorgung länderübergreifend koordiniert werden. Auch wenn bei vielen Projekten der Gesundheitsforschung zunächst die Vernetzung der Akteure innerhalb Deutschlands im Vordergrund steht, so kommt der internationalen Anschlussfähigkeit aller entwickelten Lösungen von Anfang eine große Bedeutung zu.