Den Fortschritt in der Informatik fördern

Staatssekretär Michael Meister hat der Gesellschaft für Informatik zum 50-jährigen Bestehen gratuliert. "Setzen Sie sich auch in den nächsten 50 Jahren in der Wissenschaft, der Lehre und der Wirtschaft für die Informatik ein", sagte er.

Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede im Rahmen des Festaktes zu 50 Jahren Gesellschaft für Informatik
Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede im Rahmen des Festaktes zu 50 Jahren Gesellschaft für Informatik © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Michael Meister (MdB) anlässlich der 50 Jahr-Feier der Gesellschaft für Informatik am 16.09.2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Federrath,
sehr geehrter Herr Kelber,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

"Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt."

Diese Fehleinschätzung von Thomas Watson, damaliger Chef von IBM, aus dem Jahr 1943 ist nur ein Beispiel dafür, wie rasant sich die Informatik im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Die Gesellschaft für Informatik hat den Großteil dieser Entwicklung in Deutschland begleitet – und das von Anfang an im Dialog mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Gründungsjahr der Gesellschaft für Informatik, 1969, war für die Informatik in Deutschland ein besonderes Jahr. Es ist kein Zufall, dass in diesem Jahr ebenfalls zum ersten Mal universitäre Informatikstudiengänge an deutschen Hochschulen etabliert wurden.

Denn die Gründung der Gesellschaft für Informatik stand in enger Beziehung zum Aufbau der Informatik-Forschungsgruppen und der Informatik-Studiengänge an den Hochschulen.

Die Gründungssitzung der Gesellschaft für Informatik fand heute vor 50 Jahren im damaligen „Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung“ statt.

Zu diesem Jubiläum gratuliere ich Ihnen, Herr Professor Federrath, und allen Mitgliedern Ihrer Gesellschaft auch im Namen von Frau Bundesministerin Karliczek ganz herzlich.

Ziel der Gesellschaft für Informatik ist es, damals wie heute, den wissenschaftlichen Fortschritt auf dem Gebiet der Informatik zu fördern. Auch heute ist sie immer noch die größte Fachvertretung im deutschsprachigen Raum.

Dabei setzt die Gesellschaft für Informatik Schwerpunkte, die auch dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wichtig sind – wie der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung, Aus- und Weiterbildung, Nachwuchsgewinnung und der Dialog mit der Gesellschaft.

Ein Teilgebiet der Informatik steht mit seinen Potentialen und Herausforderungen momentan besonders im Rampenlicht: Die Künstliche Intelligenz. Lassen Sie mich daher die gerade genannten Schwerpunkte im Bereich der Künstlichen Intelligenz verdeutlichen:

Im November letzten Jahres hat die Bundesregierung ihre KI-Strategie beschlossen, um Forschung, Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz zu fördern.

Im Blick haben wir dabei nicht nur die Grundlagenforschung, sondern insbesondere auch die vielfältigen Anwendungsfelder von Künstlicher Intelligenz, wie das autonome Fahren, die Gesundheitsforschung, Industrie 4.0, die Logistik und vieles mehr.

Deshalb geht es uns nicht nur um maschinelles Lernen, sondern auch um Robotik, Logik, Linguistik und die vielen Anwendungsfelder von Künstlicher Intelligenz. Besonders wichtig ist uns dabei der breite gesellschaftliche Dialog.

Bis 2025 will der Bund insgesamt etwa 3 Milliarden Euro für KI zur Verfügung stellen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat drei große Schwerpunkte bei der Umsetzung der Strategie:

Erstens werden die bestehenden Kompetenzzentren für maschinelles Lernen und Big Data zu Kompetenzzentren für KI-Forschung ausbauen und eng miteinander vernetzen.

Ursprünglich hatten wir für die Förderung der Kompetenzzentren von 2019 bis 2022 rund 64 Millionen Euro vorgesehen. Diese Summe werden wir nun verdoppeln.

Zur fachlichen Begleitung des Ausbaus der Kompetenzzentren haben wir  einen hochkarätig besetzten internationalen wissenschaftlichen Beirat eingerichtet. Auf Grundlage der Empfehlungen des Beirats werden wir noch dieses Jahr den angekündigten Ausbau der Zentren auf den Weg bringen. Dazu stehen wir auch mit den Sitzländern der Zentren in Kontakt.

Wir werden zweitens die Forschungsförderung weiter ausbauen, sowohl im Bereich der Grundlagenforschung wie der Methodenentwicklung als auch in Anwendungsbereichen wie dem autonomen Fahren oder der Gesundheit. Sie haben es vielleicht verfolgt: Im April haben wir alleine drei neue Fördermaßnahmen zu KI veröffentlicht.

Und drittens haben wir gemeinsam mit der Alexander-von-Humboldt-Stiftung die Humboldt-Professuren für KI gestartet, um mit international konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen besonders renommierte Wissenschaftler aus dem Ausland für Forschung und Lehre in Deutschland zu gewinnen.

Auch den weiblichen KI-Nachwuchs wollen wir besonders fördern. Eine entsprechende Maßnahme, die speziell auf Nachwuchswissenschaftlerinnen zielt, haben wir im Juni veröffentlicht.

Nicht zuletzt werden wir die Wissenschaftler an unseren KI-Kompetenzzentren mit ihren europäischen Partnern verbinden, insbesondere mit dem französischen KI-Netzwerk. Denn Forschung und Entwicklung von KI können wir nur noch vernetzt denken: national, europäisch, international.

Der Nutzen für die Menschen in unserem Lande steht im Mittelpunkt unserer KI-Strategie. Künstliche Intelligenz muss verantwortungsvoll und zum Wohle der Gesellschaft vorangebracht werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind wir alle gefragt: Deshalb hat das Bundesforschungsministerium im Jahr 2017 die Plattform Lernende Systeme ins Leben gerufen. Die Plattform mit rund
200 Mitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft soll dazu beitragen, Künstliche Intelligenz für den Menschen zu nutzen, Bedenken auszuräumen und Vertrauen in das Thema und seine Potentiale zu schaffen.

Gerade im Wissenschaftsjahr Künstliche Intelligenz wollen auch wir den Dialog der Gesellschaft mit Wissenschaft und Forschung stärken. Daher fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Wissenschaftskommunikation:

Ein Bespiel ist der Turing-Bus, ein nach Informatik-Pionier Alan Turing benanntes, mobiles Bildungsangebot der Gesellschaft für Informatik, der Schüler im ländlichen Raum Künstliche Intelligenz erfahren lässt.

Oder die Online-Kampagne KI50 der Gesellschaft für Informatik. Hierzu wurden unter anderem im Mai die zehn prägendsten Köpfe der Künstlichen Intelligenz in Deutschland gekürt – darunter arbeiten einige an den vom BMBF-geförderten Kompetenzzentren.

Auch wenn sich in den letzten 50 Jahren Technologie und Informatik immens weiterentwickelt haben, ist eines doch gleichgeblieben:

Der technologische Fortschritt muss dem Menschen dienen. Technologische Entwicklungen sollen uns die Arbeit erleichtern, unser Leben verbessern und dabei helfen, unser schöpferisches Potenzial sinnvoll und zum Wohl aller Menschen einzusetzen.

Gleichzeitig müssen wir aber die neuen Chancen der KI im Einklang mit unseren gesellschaftlichen Werten nutzen. Wir wollen eine „KI made in Europe“, die private Daten schützt und die individuelle Informationshoheit gewährleistet.

Auch wenn heute vor allem die Künstliche Intelligenz in aller Munde ist – Informatik ist natürlich viel mehr. In den letzten Jahren wurden in der Informatik nicht nur im Bereich KI unglaubliche Fortschritte erzielt.

Unsere Telefone sind nicht nur dank Künstlicher Intelligenz smarter geworden. Viele von Ihnen haben heute ihr Smartphone sicherlich schon mehrfach genutzt. Sie haben bestimmt auch schon E-Mails geschrieben oder waren im Internet. Sie sehen: Viele Entwicklungen der Informatik sind heute fester Bestandteil unseres Alltags.

Seien es beispielsweise Künstliche Intelligenz, Betriebssysteme oder Anwendungen der IT-Sicherheit oder Grundlagen der Informatik – die vor 50 Jahren gegründete Gesellschaft für Informatik deckt das ganze Spektrum der Informatik ab.

Meine sehr verehrten Mitglieder der Gesellschaft für Informatik: Setzen Sie sich auch in den nächsten 50 Jahren in der Wissenschaft, der Lehre und der Wirtschaft für die Informatik ein!

Und um noch einmal auf Thomas Watson zurückzukommen: Ich bin gespannt, welche Entwicklungen die Informatik noch hervorbringen wird. Ich bin sicher, die Gesellschaft für Informatik wird dabei weiterhin eine bedeutende Rolle einnehmen.

Vielen Dank.