Der Europäische Forschungsraum: Gemeinsam forschen – gemeinsam wachsen

Der Europäische Forschungsraum fördert und sichert die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Eine enge Vernetzung der nationalen Forschungs- und Wissenschaftssysteme und eine hohe Effektivität in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zeichnen ihn aus.

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Damit Europa langfristig wettbewerbsfähig bleibt, wirtschaftlich wächst und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigt, arbeiten die EU-Mitgliedstaaten schon heute eng in Forschung und Innovation zusammen. Mit einem Anteil von fast 25 Prozent an der weltweiten Wissensproduktion – bei einem Anteil von sieben Prozent an der Weltbevölkerung – ist Europa gut aufgestellt. Der globale Wissens- und Innovationswettbewerb verschärft sich jedoch zunehmend. Vor diesem Hintergrund braucht Europa einen leistungsfähigen, offenen und für die besten Talente aus aller Welt attraktiven gemeinsamen Forschungsraum.

Wichtig ist es dabei, Europas Kräfte zu bündeln und nationale Forschungs- und Innovationsaktivitäten stärker miteinander zu vernetzen. Der Europäische Forschungsraum soll ein echter Binnenraum für Forschung und Innovation werden. Er soll die Freizügigkeit der Forscherinnen und Forscher garantieren und den freien Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien ermöglichen. Zu diesem Zweck verfolgen die EU-Mitgliedstaaten zusammen mit der Europäischen Kommission das Ziel, den Europäischen Forschungsraum fest in Europa zu verankern und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung arbeitet gemeinsam mit anderen Ressorts an der Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums. So hat Deutschland als erster EU-Mitgliedstaat eine Strategie zum Europäischen Forschungsraum vorgelegt.

Prioritäten des Europäischen Forschungsraums

Der Europäische Forschungsraum zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation in Europa zu verbessern und abzustimmen. Dabei geht es darum, die europäische Forschungslandschaft nach folgenden Prinzipien zu gestalten:

  • effektivere nationale Forschungssysteme,
  • optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender Wettbewerb,
  • offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher,
  • Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung,
  • optimaler Austausch und Transfer von sowie Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen,
  • Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums.

Neben den nationalen Strategien und Maßnahmen der einzelnen EU-Mitgliedstaaten ist das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020" das wichtigste Instrument, um die Prioritäten des Europäischen Forschungsraums umzusetzen.

Die größte Herausforderung ist es dabei, die verschiedenen Wissenschaftssysteme der EU-Mitgliedstaaten und Regionen stärker zu integrieren ohne ihre Vielfalt – die ihre Stärke ist – aufzugeben. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, den Europäischen Forschungsraum und den Europäischen Hochschulraum besser miteinander zu vernetzen.

Ein langer Weg

Die Idee eines Europäischen Forschungsraums wurde erstmals im Jahr 2000 in der Mitteilung der Europäischen Kommission „Hin zu einem Europäischen Forschungsraum“ formuliert. Seitdem orientieren sich die Maßnahmen der Europäischen Union an dem Ziel, den gemeinsamen Forschungsraum auszugestalten. Im Zentrum steht die Stärkung gemeinsamer Forschung und Innovation. Der Leitgedanke eines gemeinsamen Forschungsraums ist im Vertrag von Lissabon seit 2009 festgeschrieben. In mehreren politischen Dokumenten haben die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten ihren Gestaltungswillen immer wieder bekräftigt. So ist der Europäische Forschungsraum als Teil der Leitinitiative „Innovationsunion“ beispielsweise auch ein Ziel der übergreifenden Europa 2020-Strategie. Sie gibt die grundlegende Richtung der europäischen Politik vor.