Der Finanzkrise begegnen: Gesellschaftswissenschaftliche Forschung zum Finanzsystem stärken

Kann man mit nachhaltigem Investment Finanzkrisen vorbeugen? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um die Finanzkrise erforschen acht neue Projekte im Rahmen der BMBF-Förderinitiative mit dem Titel „Finanzsystem und Gesellschaft“.

Etwa 50 Expertinnen und Experten aus gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen sind zu einen Austausch über die Entstehung und Auswirkungen von Finanzkrisen zusammengekommen. Die Forschungsprojekte, über die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Bonn diskutiert haben, werden vom Bundesforschungsministerium gefördert. Sie beschäftigen sich mit komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Finanzsystem und anderen gesellschaftlichen Teilsystemen, wie Politik oder Zivilgesellschaft.

So wird im Projekt der Universität Bremen in einer empirischen Studie das Informations- und Entscheidungsverhalten von etwa 8 Millionen Kleinanlegern in Deutschland exemplarisch untersucht. Schon jetzt konnte das Wissenschaftlerteam erste geschlechtsspezifische Unterschiede der Entscheidungspraktiken feststellen und Zusammenhänge zur Funktionsweise von Investmentclubs aufzeigen.

Wie wichtig ist der Staat?

Die unterschiedlichen Rollen des Staates als Regulierer und demokratischer Akteur im Finanzsystem sowie als Eigentümer von Finanzinstituten und Anbieter von Finanzdienstleistungen nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hertie School of Governance in den Blick. Im Zentrum steht die Frage, wie Risikowahrnehmungen dabei das Verhältnis des Staates zur Gesellschaft und dem Finanzmarkt geprägt haben. Mit der Frage der Legitimität von Finanzprofiten beschäftigt sich ein weiteres gefördertes Projekt an der Georg-August-Universität Göttingen. Die ersten Erkenntnisse zeigen, dass kulturspezifische Unterschiede bei der Rechtfertigung und Legitimierung der Profite existieren. Dabei werden transnational wirksame ökonomische Modelle mit nationalen Legitimierungsmustern verbunden.

Die geförderten Projekte haben zwar spezifische Forschungsschwerpunkte, zeigen allerdings alle gemeinsam, wie komplex der Finanzsektor geworden ist und wie wichtig es ist, die Finanzkrise interdisziplinär und international zu erforschen. Die Soziologin Renate Mayntz verdeulichte in ihrem Gastbeitrag zum Thema „Reform der Finanzmarktregulierung im politischen Mehrebenensystem" wie es trotz einer Vielzahl und Vielfalt an Akteuren auf der nationalen, europäischen und internationalen Ebene gelang, in Reaktion auf die Finanzkrise wirksame Abwehrmaßnahmen zu installieren.

Ziel: Finanzkrise überwinden

Mit der Förderung dieser Projekte möchte das Bundesforschungsministerium die aktuell dominierende wirtschafts- und finanzwissenschaftliche Perspektive erweitern und damit ein besseres Verständnis des komplexen Krisengeschehens ermöglichen. Die Ergebnisse der Projekte sollen nicht zuletzt Entscheidungsträger darin unterstützen, geeignete Maßnahmen zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise zu ergreifen. Dafür investiert das BMBF etwa 6 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren.

Die Förderinitiative ist Teil des Rahmenprogramms des BMBF für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Sie bildet den Auftakt einer Reihe von Fördermaßnahmen, die sich mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen befassen und sich dabei insbesondere an die Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften wenden.