Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, kurz DZNE, fließen Erkenntnisse der modernen Neurobiologie direkt in neue Ansätze zur Diagnose und Behandlung von Hirnerkrankungen. Das Ziel sind neue Pflege- und Versorgungskonzepte.

Blick in eine Pflegeeinrichtung
Blick in eine Pflegeeinrichtung © DZNE/www.schmelz-fotodesign.de

Das DZNE wurde im April 2009 als 16. Helmholtz-Zentrum und eines der ersten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den beteiligten Bundesländern gegründet. Ziel ist es, Kompetenzen zu bündeln und eine neue Struktur in der Gesundheitsforschung zu schaffen.

Ein Zentrum der Exzellenz

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) ist ein Zentrum der Exzellenz, das herausragende Forschung an neun Standorten in Deutschland bündelt. Mit besonderem Augenmerk auf die Rekrutierung von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll das DZNE eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der neurodegenerativen Erkrankungen werden. "Das DZNE bietet optimale Voraussetzungen für die translationale Forschung bei neurodegenerativen Erkrankungen", betont der wissenschaftliche Vorstand des DZNE, Professor Pierluigi Nicotera. "Die Struktur als Helmholtz-Zentrum gibt uns Planungssicherheit für Forschungsprojekte, für die gerade bei Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson häufig ein langer Atem nötig ist. Die Einbindung der universitären Forschung wiederum bedeutet für das DZNE eine enorme klinische Expertise und bringt einen besseren Zugang zu den Patientinnen und Patienten."

DZNE konkret: Was erforscht werden soll

  • Ursachenforschung

Zahlreiche Standorte gehen im DZNE der Frage nach, warum Nervenzellen bei der Alzheimer-Demenz absterben und welche Rolle dem bei Alzheimer-Kranken im Gehirn nachweisbaren Eiweiß Amyloid beta zukommt.

  • Altern als Risikofaktor für Neurodegeneration

Es ist nach wie vor unklar, welche Verbindung zwischen dem Altern und der Neurodegeneration besteht. Mögliche Faktoren könnten metabolische und kardiovaskuläre Störungen beinhalten. In Bonn werden die molekularen Mechanismen, die das Einsetzen von Neurodegeneration im Alter begünstigen, untersucht.

  • Genvarianten bei Parkinson

Als Teil eines internationalen Forschungskonsortiums haben DZNE-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus Tübingen fünf neue Genvarianten identifiziert, die sich auf das Risiko einer Parkinson-Erkrankung auswirken. Damit gibt es jetzt elf Genvarianten, die mit dieser Erkrankung in Zusammenhang stehen.

  • Versorgungsforschung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZNE aus Rostock und Greifswald stellen in einer Pilotstudie die Versorgung Demenzkranker durch ihre Angehörigen in den Mittelpunkt. Untersucht werden soll, inwieweit die gezielte Aufklärung und Schulung von Angehörigen eine vorzeitige Einweisung der Patientinnen und Patienten in eine Pflegeeinrichtung verhindert.

  • Prävention

Welche Faktoren die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter beeinflussen, wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Magdeburg untersuchen. Probanden bewegen sich auf einem Laufband und müssen dabei unterschiedliche Denksportaufgaben erfüllen. Diese Studie könnte Ansatzpunkte für gezielte Präventionsempfehlungen liefern.

  • Bevölkerungsstudien

In Bonn wird der Aufbau einer Kohorte aus 30.000 Personen geplant. Alle Personen werden detailliert über mehrere Jahre untersucht, um frühe Biomarker und Risikofaktoren der Neurodegeneration zu identifizieren.

International anerkannt

Gemeinsam mit Belgien, Italien, Irland, Großbritannien und Kanada hat das DZNE ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das darauf abzielt, einheitliche Leitlinien und Technologien für die Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen zu entwickeln und anzuwenden. Desweiteren ermöglicht eine Kooperation mit dem Gladstone Institute in San Francisco (USA) die Zusammenlegung von Forschungsgebieten, um so die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen zu können. Dass das DZNE über die Grenzen hinweg als attraktives Forschungszentrum wahrgenommen wird, zeigt der hohe Anteil internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ein Viertel  kommt derzeit aus dem Ausland. An einzelnen Standorten ist es sogar jeder Zweite.