Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, kurz DZNE, fließen Erkenntnisse der modernen Neurobiologie direkt in neue Ansätze zur Diagnose und Behandlung von Hirnerkrankungen. Das Ziel sind neue Pflege- und Versorgungskonzepte.

Ein Ziel des DZNE ist es, die Lebensqualität der Erkrankten zu verbessern - auch in Pflegeeinrichtungen. © DZNE/www.schmelz-fotodesign.de

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wurde im April 2009 als 16. Helmholtz-Zentrum und eines der ersten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den beteiligten Bundesländern gegründet. Es wird zu 90 Prozent vom Bund und 10 Prozent von den Sitzländern finanziert. Ziel ist es, Kompetenzen zu bündeln und eine neue Struktur in der Gesundheitsforschung zu schaffen.

Zentrum der Exzellenz

Das DZNE ist ein Zentrum der Exzellenz, das herausragende Forschung an neun Standorten in Deutschland bündelt. Es hat sich in der kurzen Zeit seit seiner Gründung zu einer weltweit führenden und international anerkannten wissenschaftlichen Einrichtung in der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen etabliert. Das spiegelt sich in einer Vielzahl angesehener produktiver Arbeitsgruppen aus allen Schwerpunktfeldern des DZNE wider, die viele Publikationen in international anerkannten Fachmagazinen veröffentlicht haben. Zudem zeigt es sich in einer Reihe wissenschaftlicher Preise. Hervorzuheben sind die Einwerbung mehrerer Grants vom European Research Council und die Auszeichnung mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2016 der Deutschen Forschungsgemeinschaft: Professor Frank Bradke erhielt ihn für seine wegweisenden Forschungen auf dem Gebiet der regenerativen Neurobiologie.

„Das DZNE bietet optimale Voraussetzungen für die translationale Forschung bei neurodegenerativen Erkrankungen“, betont der wissenschaftliche Vorstand des DZNE, Pierluigi Nicotera. „Die Struktur als Helmholtz-Zentrum gibt uns Planungssicherheit für Forschungsprojekte, für die gerade bei Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson häufig ein langer Atem nötig ist. Die Einbindung der universitären Forschung wiederum bedeutet für das DZNE eine enorme klinische Expertise und bringt einen besseren Zugang zu den Patientinnen und Patienten.“

Was macht das DZNE?

  • Ursachenforschung: Zahlreiche Standorte gehen im DZNE der Frage nach, warum Nervenzellen bei der Alzheimer-Demenz absterben und welche Rolle dem bei Alzheimer-Kranken im Gehirn nachweisbaren Eiweiß Amyloid beta zukommt.
  • Altern als Risikofaktor für Neurodegeneration: Es ist nach wie vor unklar, welche Verbindung zwischen dem Altern und der Neurodegeneration besteht. Mögliche Faktoren könnten metabolische und kardiovaskuläre Störungen beinhalten. In Bonn werden die molekularen Mechanismen, die das Einsetzen von Neurodegeneration im Alter begünstigen, untersucht.
  • Genvarianten bei Parkinson: Als Teil eines internationalen Forschungskonsortiums haben DZNE-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus Tübingen fünf neue Genvarianten identifiziert, die sich auf das Risiko einer Parkinson-Erkrankung auswirken. Damit gibt es jetzt elf Genvarianten, die mit dieser Erkrankung in Zusammenhang stehen.
  • Versorgungsforschung: Die Diagnose einer Demenz und die derzeit noch fehlenden Therapiemöglichkeiten stellen sowohl die betroffenen Patienten wie auch deren Familien vor große Herausforderungen. Deshalb ist eine bessere Versorgung primäres Ziel aktueller DZNE-Versorgungsstudien, um die Lebensqualität von Menschen mit kognitiven Störungen zu verbessern und ihre Angehörigen sowie das Pflegepersonal gezielt zu unterstützen. So untersuchen und etablieren Wittener DZNE-Forscher neue Richtlinien zur Patientenpflege. Wissenschaftler vom Standort Rostock/Greifswald und Witten zeigten in einer Studie (Demnet-D), dass eine regionale, selbst organisierte und strukturierte Vernetzung zwischen Trägern der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie meist ehrenamtlich aktiven Selbsthilfegruppen in sogenannten Demenznetzwerken die Versorgung verbessert. Die Studienerkenntnisse wurden im „zweiten Pflegestärkungsgesetz“ berücksichtigt. Die neue Regelung ermöglicht es Pflegekassen und privaten Versicherungsunternehmen seit Januar 2017, regionale, selbst organisierte Gesundheitsnetzwerke mit jährlich bis zu 20.000 Euro zu unterstützen.
  • Die Rheinland-Studie: Um Risikofaktoren zu analysieren, die für die Prävention relevant sein könnten, begleiten DZNE-Wissenschaftler mehrere tausend Menschen über Jahrzehnte hinweg. Die Bevölkerungsstudien arbeiten an der Umsetzung der Rheinland-Studie, einer groß angelegten epidemiologischen Studie, in der identifiziert werden soll, welche Einflussfaktoren mit dem Alterungsprozess zu einer normalen oder gestörten Hirnfunktion führen. Dazu sollen über 30.000 Menschen ab einem Alter von 30 Jahren in Intervallen von drei Jahren bis zu 30 Jahre lang beobachtet werden. Untersucht werden beispielsweise die Lebensführung, körperliche Betätigung, Ernährung, aber auch Erbanlagen als mögliche Ursache neurodegenerativer und neuropsychiatrischer Erkrankungen. Zudem sollen verschiedene Biomarkerprofile erhoben werden, um Risikofaktoren für die Krankheiten zu identifizieren und neue Präventionsstrategien entwickeln zu können. Im Jahr 2016 wurde mit der Rekrutierung begonnen, mittlerweile ist die zweite Rekrutierung beendet und zwei Studienzentren sind fertig gestellt.

Wissenschaftler aus 55 Nationen

Gemeinsam mit Belgien, Italien, Irland, Großbritannien und Kanada hat das DZNE ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das darauf abzielt, einheitliche Leitlinien und Technologien für die Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen zu entwickeln und anzuwenden. Desweiteren ermöglicht eine Kooperation mit dem Gladstone Institute in San Francisco (USA) die Zusammenlegung von Forschungsgebieten, um so die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen zu können. Dass das DZNE über die Grenzen hinweg als attraktives Forschungszentrum wahrgenommen wird, zeigt der hohe Anteil internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. DZNE-Wissenschaftler kommen aus über 55 Nationen.