Deutschland ist international führend in MINT

Der Bericht „Bildung auf einen Blick 2019“ der OECD verteilt gute Noten an das deutsche Bildungssystem. Vor allem in der Förderung von jungen MINT-Fachleuten sticht Deutschland heraus. Auch die Weiterbildung und die berufliche Bildung erhalten Lob.

Das sind erfreuliche Zahlen für das deutsche Bildungssystem: In keinem anderen OECD-Land entscheiden sich insgesamt mehr Anfängerinnen und Anfänger im Tertiärbereich für ein MINT-Fach als in Deutschland. Das zeigt der Bericht „Bildung auf einen Blick 2019“ (Education at a Glance), der seit 1996 jedes Jahr einen Überblick über die Bildungssysteme in den 36 Ländern der OECD sowie zehn Partnerländern gibt.

Zu den MINT-Fächern zählen die Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik, Informatik und Ingenieurwissenschaften. Mit einem Anteil von 40 Prozent (2017) bei den Bachelor und gleichwertigen beruflichen Programmen nimmt Deutschland im internationalen Vergleich den Spitzenplatz ein. Auf dem zweiten Platz folgen Österreich, Griechenland und Südkorea mit jeweils 34 Prozent. Der OECD-Durchschnittswert liegt bei 27 Prozent.

„Das deutsche Bildungssystem kann sich sehen lassen. Eine gute Bildung und Ausbildung und die hohe Bereitschaft für das lebensbegleitende Lernen sind die besten Voraussetzungen, um auf die sich verändernden gesellschaftlichen und beruflichen Herausforderungen reagieren zu können. Hier sind wir im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Deutschland ist international führend in MINT. In keinem anderen OECD-Land entscheiden sich mehr Anfängerinnen und Anfänger im Tertiärbereich für ein MINT-Fach als in Deutschland“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek bei der Präsentation der Daten.

© BMBF

Rund 100 Kerntabellen ermöglichen in dem Bericht den internationalen Vergleich der Bildungsindikatoren. Erfasst wird dabei der gesamte Bildungsverlauf von der Elementarbildung in Kindergarten und Vorschule bis zur Weiterbildung bei Erwachsenen. Die Indikatoren enthalten Informationen zu den in Bildung investierten personellen und finanziellen Ressourcen, zur Funktionsweise und Weiterentwicklung von Bildungssystemen sowie zu den Erträgen der Investitionen in Bildung.

Die Zahlen belegen, dass sich die bildungspolitischen Maßnahmen, insbesondere junge Menschen für eine MINT-Karriere zu begeistern, auszahlen. Das BMBF und die Kultusministerkonferenz setzen sich kontinuierlich mit der Weiterentwicklung des mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts und der Förderung von jungen Talenten auseinander. Besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit war bisher die Entwicklung und Einführung von bundesweit geltenden Bildungsstandards in diesem Bereich. Dadurch ist es gelungen, anspruchsvolle und umsetzbare Bildungsziele in Form von Kompetenzen zu beschreiben. Mit dem MINT-Aktionsplan setzt das BMBF ein kraftvolles Zeichen zur weiteren Stärkung der MINT-Bildung mit neuen Initiativen:

  • Mit der Initiative „MINT-Angebote für Jugendliche“ werden die besten regionalen Cluster gefördert, in denen maßgebliche Akteure vor Ort konkrete MINT-Angebote für die Zielgruppe der 10- bis 16-Jährigen umsetzen.
  • Um Beispiele guter Praxis und auch die neuen Initiativen bundesweit zu vernetzen und die Transparenz in der vielfältigen Landschaft der MINT-Angebote in Deutschland zu erhöhen, soll eine „MINT-Vernetzungsstelle“ aufgebaut und etabliert werden. Ein geeignetes IT-Tool soll die Vernetzungsstelle hierbei unterstützen.
  • Das auf der IdeenExpo in Hannover gestartete „MINT-Kommunikationskonzept“ zum Aktionsplan (www.mintmagie.de) ist darauf ausgerichtet, mehr Aufmerksamkeit für MINT-Themen zu schaffen. Im Fokus stehen Jugendliche und junge Erwachsene, die mit Online- und Social Media-Formaten erreicht werden sollen.

26 Prozent beträgt in Deutschland der Anteil von Frauen an den Anfängern im Tertiärbereich in den MINT-Fächern. Im OECD-Mittel sind es mit 30 Prozent etwas mehr. Mehr Frauen für den MINT-Bereich zu gewinnen, ist für Bund und Länder von hoher Bedeutung. Ein wichtiges Programm ist die Initiative „Klischeefrei“, in dem das BMBF gemeinsam mit dem BMFSFJ Jugendliche unterstützt, sich bei der Ausbildungs- und Berufswahl frei zu machen von Geschlechter-Stereotypen und gesellschaftlichen Berufs-Zuschreibungen.

Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland steigt

Nicht nur in den MINT-Fächern, sondern auch in anderen Bereichen schneidet Deutschland im internationalen Vergleich gut ab. So liegt auch die Weiterbildungsbeteiligung über dem Durchschnitt. In Deutschland beteiligen sich 52 Prozent aller Erwachsenen (25- bis 64-Jährige) an formaler und/oder nicht formaler Aus- und Weiterbildung, im OECD-Durchschnitt sind es 47 Prozent.

Die hohe Teilnahmequote erstreckt sich in Deutschland über alle Altersgruppen. Die höchste Beteiligung sowohl in Deutschland als auch in den anderen OECD-Ländern liegt in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen mit jeweils 57 Prozent. Während die Teilnahmequote im OECD-Durchschnitt aber bei zunehmendem Alter stark fällt, hält sie sich in Deutschland auch in den höheren Altersgruppen stabil hoch. In der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen beträgt sie 53 Prozent, im OECD-Durchschnitt sind es nur noch 46 Prozent. Auch in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen liegt die Beteiligung an formaler und/oder nicht formaler Aus- und Weiterbildung in Deutschland mit 44 Prozent noch über zehn Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnittswert von 33 Prozent.

Auch die berufliche Bildung bekommt gute Noten. Die Perspektiven für junge Menschen mit einem beruflichen Abschluss sind in Deutschland so gut wie in fast keinem anderen OECD-Land. In den vergangenen 10 Jahren ist die Beschäftigungsquote für junge Erwachsene (25- bis 34-Jährige) mit mittleren Qualifikationen, also einem Abschluss im Sekundarbereich II bzw. im postsekundären, nicht-tertiären Bereich um sechs Prozentpunkte von 78 Prozent (2008) auf 84 Prozent (2018) angestiegen. Sie liegt über dem OECD-Durchschnitt (78 Prozent) und nur knapp unter der Beschäftigungsquote für junge Erwachsene mit einem tertiären Abschluss (88 Prozent). Die Erwerbslosenquote für diese Altersgruppe liegt in Deutschland bei nur 3,4 Prozent (OECD-Durchschnitt: 7,3 Prozent).

Bildungsausgaben liegen weit über dem Schnitt

Es ist ein wichtiges Anliegen von Bund und Ländern, die Attraktivität der beruflichen Bildung weiter zu stärken und auch in Zukunft eine ausreichende Zahl von dringend benötigten Fachkräften zu qualifizieren. Mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes sollen die Rahmenbedingungen der beruflichen Bildung modernisiert werden. Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) soll parallel dazu die finanzielle Attraktivität der beruflichen Bildung substantiell erhöht werden.

Deutschlands starke Priorisierung auf Bildung zeigt sich auch im internationalen Vergleich der Bildungsinvestitionen. Die Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler vom Primar- bis postsekundaren, nicht-tertiären Bereich liegen 2016 mit 11.294 US-Dollar deutlich über dem OECD-Schnitt von 9.357 US-Dollar. Besonders prominent sind die Ausgaben für die berufliche Bildung (einschl. Ausbildungsvergütung) im Sekundarbereich II mit 16.323 US-Dollar je Bildungsteilnehmenden (OECD-Durchschnitt: 10 922 US-Dollar). Auch die Bildungsausgaben pro Bildungsteilnehmenden im Tertiärbereich liegen in Deutschland mit 12.583 US-Dollar über dem Durchschnittswert von 10.502 US-Dollar.

Das sind nur einige Kernergebnisse des Berichts, den Sie hier komplett herunterladen können.