"Deutschland kann Innovation"

In ihrer Rede im Deutschen Bundestag lobt Bundesministerien Anja Karliczek die Innovationskraft Deutschlands. Dabei setzt sie auch Maßstäbe für die Zukunft: „Wir sind das Innovationsland Deutschland und wir wollen es bleiben.“

BT-Rede
Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede am 19. November 2020 im Deutschen Bundestag. © Michael Kappeler/dpa

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (MdB), am 19. November 2020 im Deutschen Bundestag.

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Hoffnung ist das Wort, das die Menschen in unserem Land derzeit mit Innovation und mit Forschung verbinden. Hoffnung, dass wir dieses Virus und seinen Schrecken schnellstmöglich in den Griff bekommen. Aber auch ohne die Pandemie, die die Welt in Atem hält, würden wir heute über die Bedeutung von Innovationen debattieren. Nur eines war vorher anders: selten verbanden sich mit Forschung und Innovation so konkrete Hoffnungen für die Menschen und ihre Gesundheit.

Alle Welt hofft auf den Impfstoff. Einen Impfstoff, der u.a. in innovativen forschenden Unternehmen in Deutschland entwickelt wird. Von Unternehmen, die aktuell vielversprechenden Impfstoffkandidaten in der Pipeline haben. Daran zeigt sich:

  • Deutschland kann Innovation.
  • Deutschland kann Biotechnologie.
  • Und: Deutschland kann Start-up.

All das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist kein Selbstläufer. Dass wir diese Erfolgsgeschichten haben, ist das Ergebnis technologieoffener und kluger Forschungsförderung. Diese Bundesregierung setzt auf die Kraft von Fortschritt und Innovationen. Wir investieren seit vielen Jahren. Gute Forschung, erfolgreiche Innovation braucht einen langen Atem.

Und genau dieses Fundament ist es, was uns jetzt – in dieser Krise – stärker macht als andere. Worauf wir aktuell aufbauen und damit erfolgreich sind. BioNTech ist das beste Beispiel dafür.

BioNTech ist ein Start-up. Mittlerweile kennt jeder dieses Unternehmen. In unserer Forschungsförderung ist BioNTech schon eine alte Bekannte. Wir – das BMBF – fördern dieses Unternehmen seit seiner Gründungsphase 2007:

  • Erst mit Go-Bio – unsere Gründungsoffensive Biotechnologie.
  • Dann im Spitzenclusterwettbewerb.
  • Jetzt im Sonderprogramm zur Impfstoffentwicklung.

Im Laufe der Jahre haben Özlem Türeci, Uğur Şahin und ihre Mitstreiter Forschung und Entwicklung mit langem Atem betrieben. Das zahlt sich heute aus. Und nur weil wir uns in Deutschland diesen langen Atem auch in finanziell schwierigen Zeiten leisten, haben wir solche Erfolge mit Unternehmen wie BioNTech.

Ich gebe Ihnen noch ein Beispiel für die Stärke unseres Innovationslandes: Bereits im Januar haben die Wissenschaftler um Prof. Christian Drosten an der Charité einen PCR-Test entwickelt und gehörten damit weltweit zu den Pionieren. Dieser Test hat uns geholfen, besser durch die 1. Welle der Pandemie zu kommen als andere. Eine kleine schnelle Innovation mit großer Wirkung.

Doch wir sind auch in anderen Innovationsfeldern Spitze: Gerade hat ein deutsches Institut im weltweiten Computer Science Ranking Platz 1 in der Cybersicherheit erreicht. Nämlich CISPA in Saarbrücken. Ein Helmholtz-Institut, das – noch jung an Jahren – von uns gegründet worden ist, um Sicherheitslösungen in digitalen Systemen zu entwickeln.

Oder auch unsere Gauss-Rechner: Auf der gerade veröffentlichten Liste der 500 schnellsten Supercomputer der Welt stehen Supercomputer in Deutschland auf den vordersten Plätzen - 7,15 und 16.
Wir spielen auch dort in der Weltliga der Supercomputer ganz vorne mit.

So, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehen relevante und kraftvolle Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen aus. Lassen Sie uns einen Moment innehalten und stolz auf unseren Innovationsstandort sein. Auf das, was bis zum heutigen Tag schon geschafft wurde. Aber natürlich muss das, was heute schon gut ist, noch besser werden. Noch innovativer, noch agiler und schneller. Denn der Wettbewerb mit Asien und Amerika ist hart und schnell.

Aber das, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Opposition, unterscheidet uns: Wir sehen Erfolgsgeschichten aus Saarbrücken und Mainz, Dessau, Tübingen und Berlin als Ansporn, kraftvoll weiterzumachen und mit langem Atem zu investieren.

Und ja, liebe FDP: lassen Sie uns sehr gern auch darüber reden, wie wir einen guten Biotech-Standort noch besser machen. Es freut mich sehr, wenn sie unsere Anstrengungen unterstützen.
Denn dazu gehört auch, dass wir – ohne ideologische Scheuklappen – über den Rechtsrahmen für neuartige Technologien wie die Genschere Crispr-Cas 9 reden müssen. Denn wir wollen dieses Innovationsinstrument zum Wohle der Menschen nutzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, meinen sehr geehrten Damen und Herren an den Bildschirmen. Widerstandsfähigkeit stärken und technologisch souveräner werden – das sind die beiden Ziele, die für uns in dieser Krise und danach die Maxime sind. Nicht nur in der Gesundheitsforschung.

Gerade haben wir im Kabinett beschlossen, die Mikroelektronik mit 400 Millionen Euro zu fördern. Es geht dabei um nichts weniger als die Frage, wie wir in der digitalen Welt wettbewerbsfähig bleiben und eigene Standards setzen können. Die Mikroelektronik ist die Schlüsseltechnologie in der digitalen Welt:

  • Sensoren in autonom fahrenden Autos,
  • sich selbststeuernde Industrieproduktionen,
  • die Kommunikationsinfrastruktur der Zukunft

All das braucht Chips und Prozessoren. Wir brauchen souveräne Kompetenz auf diesem Feld, um die Mikroelektronik aktiv mit zu gestalten. Und das möglichst nachhaltig und energieeffizient.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der weltweite Wettbewerb ist hart und schnell.
In diesem Wettbewerb wollen und werden wir bestehen, wenn wir auf

  • Agilität und Flexibilität,
  • gute Netzwerke und
  • zügigen Transfer aus der Forschung in die wirtschaftliche Anwendung setzen.

Damit können wir dieses Land an der Spitze halten. Damit können wir den Wohlstand unseres Landes bewahren und ausbauen.

Wir haben die Fachkräfte dafür. Wir haben die Innovationskraft dafür.

Jetzt müssen wir mutig, kontinuierlich und mit Optimismus weiterhin daran arbeiten.

Wir können das. Wir sind das Innovationsland Deutschland und wir wollen es bleiben. Dafür bitte ich um ihre Unterstützung.